Kriminalstatistik 2013 – Kein Grund zur Zufriedenheit

19. März 2014 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Sachsen | Drucken

Der Landesverband Sachsen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wertet die von Innenminister Markus Ulbig vorgelegte Polizeiliche Kriminalstatistik des Jahres 2013 nicht als Beleg für eine Trendumkehr bei der Kriminalitätsentwicklung im Freistaat Sachsen. Nach einer Zunahme im Jahr 2012 in Höhe von 6,3 Prozent (+ 18.511) waren es im Jahr 2013 „nur“ 94 Straftaten mehr. Insgesamt wurden durch die Polizei 312.500 Straftaten im Jahr 2013 registriert.

Landesvorsitzender Uwe Baumert: Nach drei Jahren der zunehmenden Kriminalität kann man vorsichtig von einer Stagnation sprechen. Das ist noch keine Trendumkehr und heißt im Klartext, dass die Zahl der Straftaten in Sachsen nach wie vor zu hoch ist. Die PKS zeigt nur die angezeigten Fälle und nicht die tatsächliche Kriminalitätslage, denn eine Dunkelfeldanalyse gibt es nicht.

Da sich zugleich die Aufklärungsquote von 55,4 auf 54,8 % verringert hat und die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen ebenfalls gesunken ist, kann keinesfalls von einem erfreulichen Ergebnis gesprochen werden.

Ebenfalls unerfreulich ist die Bilanz der Polizeidirektion Dresden, die als einzige Polizeidirektion Sachsens einen Zuwachs an Straftaten (+ 3.793) zu verzeichnen hat.

Erfreulich hingegen ist der Rückgang der Kfz-Diebstähle um 383 (= 10,2 %) auf 3.344. Offensichtlich haben sich die Maßnahmen der sächsischen Polizei, z. B. die Bildung der SoKo Kfz, die Gemeinsamen Fahndungsgruppen mit der Bundespolizei sowie der tschechischen und polnischen Polizei, bewährt.

Ein ernsthaftes Problem stellen die Rauschgiftdelikte dar. Hier ist die Zahl der Straftaten um 133 (= 3,5 %) auf 3.933 gestiegen, wobei es sich hier um sogenannte Verfolgungskriminalität handelt. Wenn man dort weniger Personal einsetzt, wird die Zahl der Straftaten geringer werden.

Uwe Baumert:  Der Innenminister sollte nicht nur die zunehmende Rauschgiftkriminalität beklagen, sondern den Stellenabbau bei der Kriminalpolizei und bei den Kriminaldiensten beenden!

Das Staatsministerium des Innern plant bis zum Jahr 2025 einen Stellenabbau von über 15 % (- 492) bei der Kriminalpolizei und den Kriminaldiensten im Vergleich zum Jahr 2010.

Schon heute gibt es erhebliche personelle Probleme im Bereich der Kriminaltechnik, insbesondere im Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes. Im Jahr 2013 mussten sächsische Gerichte in mehreren Fällen Haftbefehle aufheben, weil kriminaltechnische Gutachten nicht innerhalb der Fristen vorgelegt werden konnten.

Der BDK sieht im Stellenabbau und der damit im Zusammenhang stehenden Strukturreform die Ursache für die hohe Kriminalitätsbelastung in Sachsen. Die sächsische Polizei ist letztlich nicht moderner geworden, sie ist lediglich in den durch den Stellenabbau vorgegeben Rahmen gepresst worden.

Uwe Baumert:  Es ist absehbar, dass viele Straftaten nach dem geplanten Stellenabbau nur noch verwaltet werden. Ermittlungen können nicht mehr stattfinden.

 

 

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.