Kriminalstatistik 2013: So wenig Straftaten wie seit 1980 nicht mehr

7. März 2014 | Themenbereich: Kriminalität, Schleswig-Holstein | Drucken

Die Zahl der Straftaten in Schleswig-Holstein ist 2013 auf den niedrigsten Stand seit 1980 gesunken. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr knapp 200.000 Delikte, 5,6 Prozent weniger als 2012. Jede zweite Tat wurde aufgeklärt. Die Aufklärungsquote stieg um 2,4 Prozentpunkte und ist mit 50,5 Prozent die höchste Aufklärungsquote innerhalb der letzten zehn Jahre. Nahezu alle wichtigen Deliktsbereiche weisen höhere Aufklärungsquoten auf. Die Belastung der Menschen mit Kriminalität ging im vergangenen Jahr weiter zurück. Auf 100.000 Einwohner entfielen 2013 rechnerisch 7.125 Straftaten. Damit liegt Schleswig-Holstein mit der so genannten Häufigkeitszahl zum ersten Mal unter dem Bundesdurchschnitt der Vorjahre.

Statistik erfreulich, aber nächstes Jahr kann alles wieder anders sein

Innenminister Andreas Breitner nannte die Zahlen der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) insgesamt erfreulich. Auch der Zehn-Jahres-Trend sei im Saldo positiv. Praktisch stehe nur vor dem Jahr 2009 ein Pluszeichen, ansonsten gebe es Stagnation und Rückgänge. Er warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen. „Nächstes Jahr kann alles wieder anders sein“, sagte der Minister. Er äußerte die Hoffnung, dass die aktuelle Statistik und der Blick auf die zurückliegenden Jahre „vielleicht hilft, das politische Ritual zu beenden, wonach sich die Regierung stets für die positive Entwicklung lobt, und die Opposition einen negativen Verlauf der Regierung anlastet“.

Der positive Trend ist trügerisch

Die Polizeiliche Kriminalstatistik sei für die Grundlagenarbeit der Polizei unverzichtbar, sagte Breitner. Allerdings sei sie ein relativ träges Instrument, wenn es darum gehe, Kriminalitätsentwicklungen oder neue Phänomene differenziert abzubilden. Der positive Trend der letzten Jahre sei daher etwas trügerisch. Die Kriminalstatistik sage sehr wenig über die reale Belastung der Polizei, die Komplexität einzelner Delikte und die Intensität polizeilicher Ermittlungen aus. „Die Schlussfolgerung, weniger Fallzahlen rechtfertigten einen Personalabbau in den Ermittlungsdienststellen der Polizei, ist daher falsch“, sagte Breitner.

Rückgänge in weniger arbeitsintensiven Deliktsbereichen würden durch Anstiege in aufwändigeren Bereichen deutlich überlagert. Hinzu komme ein ständig steigender Bedarf an Spezialisierung, insbesondere im Bereich von Cybercrime. „Die weltweite kriminelle Nutzbarmachung der IT-Technologie geht rasant voran“, sagte Breitner. Die Zeit, die für die aufwändige, aber erforderliche Aus- und Fortbildung auf diesem Feld investiert werde, stehe zwangsläufig für die eigentliche Ermittlungsarbeit nicht mehr zur Verfügung.

Personalabbau nicht bei Einsatz, Ermittlung und Prävention

Breitner versicherte, dass Personaleinsparungen bei der Polizei nicht zu Lasten der Bereiche Einsatz, Ermittlung und Prävention gingen. Die Landespolizei werde von den derzeit rund 8.000 Beschäftigen in sieben Jahren insgesamt 122 Mitarbeiter (1,5 Prozent) weniger haben als heute. „Dieser Stellenabbau gefährdet nicht die innere Sicherheit“, sagte Breitner. Er werde sich erst ab 2018 und danach schrittweise bis 2020 auswirken.

Fünfzig Vorgänge bei einem Ermittler zur gleichen Zeit sind nicht selten

Die knapp 12.000 Fälle weniger im Vergleich zu 2012 sind nach Auskunft von Breitner im Wesentlichen auf Rückgänge in den Bereichen Diebstahl und Sachbeschädigung zurückzuführen. Diese Deliktsbereiche zeichneten sich in der Regel durch einfach gelagerte Sachverhalte aus, die selten konkrete Ermittlungsansätze böten und insofern einen eher geringen Ermittlungsaufwand nach sich zögen. Gleichwohl müssten sich die Ermittler damit beschäftigen. Da es weiterhin Massendelikte seien, würden selbst weniger Fallzahlen in diesen Bereichen die Ermittler nicht signifikant spürbar entlasten. „Die zeitgleiche Bearbeitung von mehr als fünfzig Vorgängen ist bei einzelnen Sachbearbeitern nach wie vor keine Seltenheit“, sagte Breitner.

Anders verhalte es sich bei Deliktsbereichen, die wesentlich aufwändiger zu ermitteln seien. Der Anstieg dort gehe insbesondere auf Zuwächse in den Bereichen Wirtschaftskriminalität (plus 1.019 Fälle) und Rauschgiftkriminalität (plus 957 Fälle) zurück. „Es handelt es sich oft um schwierig gelagerte Sachverhalte, die im Rahmen umfangreicher Ermittlungen unter Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden Instrumente der Strafprozessordnung aufwändig verfolgt werden“, sagte Breitner.

Cybercrime macht viel Arbeit, schlägt sich aber nicht immer in der Statistik nieder

Hinzu komme eine beträchtliche Anzahl von Fällen der so genannten Cybercrime, die ebenfalls einen vergleichbar hohen Bearbeitungsaufwand auslösten, aber keinen Niederschlag in der Kriminalstatistik fänden, weil sie aus dem Ausland begangen würden. In die Polizeiliche Kriminalstatistik fänden aber nur Fälle mit einem Tatort innerhalb Deutschlands Eingang. Ein aktueller Abgleich zwischen Kriminalstatistik und elektronischem Fallbearbeitungssystem habe ergeben, dass in 2013 von mindestens 10.000 Fällen der Cybercrime auszugehen ist, die in Schleswig-Holstein aufgenommen und bearbeitet wurden, in der Statistik aber nicht registriert wurden. Bund und Länder arbeiten derzeit daran, dieses in allen Bundesländern vorhandene statistische Erfassungsproblem zu lösen“, sagte Breitner.

Die Kriminalstatistik 2013 wird weiterhin von der Diebstahlskriminalität beherrscht. 44,3 Prozent aller Straftaten waren letztes Jahr Diebstähle. Allerdings ging die Zahl der Diebstähle um acht Prozent zurück. Das erste Mal seit 2004 registrierte die Polizei wieder weniger Wohnungseinbrüche, ein Minus von 1,6 Prozent. Auf rund 6.000 Fälle, fast 13 Prozent weniger, nahm die Gewaltkriminalität ab. Rückgänge gab es auch bei den Rohheitsdelikten um 1.800 Fälle oder 6,2 Prozent. Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte sank um 1,8 Prozent auf rund 29.700 Fälle. Auffällig in diesem Zusammenhang: Während die Betrugskriminalität insgesamt um 1,6 Prozent zurückging, stiegen die Fallzahlen beim Betrug mit Hilfe des Internets um 9,6 Prozent an. „Die Tatorte des 21. Jahrhunderts liegen zunehmend in der virtuellen Welt, die Opfer und die Schäden sind jedoch sehr real“, sagte Breitner.

Im Bereich der Jugendkriminalität gibt es nach Aussage von Breitner Signale der Entspannung. Der Anteil der Einwohner unter 21 Jahren ist in den letzten zehn Jahren von 22 Prozent auf 20,1 Prozent gesunken. Trotzdem lag der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren zwischen 2004 und 2009 nahezu konstant bei 29 Prozent. Erst seit 2010 ist ein Rückgang um 4,4 Prozentpunkte auf 23,1 Prozent zu verzeichnen, der damit deutlich die demografische Entwicklung (minus 0,8 Prozentpunkte) übersteigt.

Dies bestätigen die starken Rückgänge der Fallzahlen von Delikten, die überwiegend von Jugendlichen begangenen werden. Dazu gehören Raubüberfälle auf Straßen, Wegen und Plätzen (minus 18,5 Prozent), Sachbeschädigung ( minus 12,8 Prozent), Diebstahl von Mopeds und Krafträdern (minus 31 Prozent), Diebstahl von Fahrrädern (minus 9,6 Prozent), Diebstahl an und aus Kraftfahrzeugen (minus 17,4 Prozent) und Ladendiebstahl (minus 3,4 Prozent).

Eine Erklärung für diese Entwicklung sieht Breitner in den Konzepten zur Bekämpfung der Jugendkriminalität und insbesondere der Kriminalität junger Intensivtäter. Insgesamt zeichne sich die Entwicklung im Bereich der Jugendkriminalität auch in zahlreichen Jugendstudien ab. „Schon seit einigen Jahren beschreiben sie eine verstärkte Hinwendung junger Leute zu eher traditionellen Werten“, sagte Breitner.

Die Polizei ermittelte 2013 insgesamt rund 71.071 Tatverdächtige, 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Darunter waren 13.244 Ausländer, das entspricht einem Anteil von 18,6 Prozent (Vorjahr: 16,2 Prozent). Die Anzahl der ausländischen Tatverdächtigen stieg um 1.441 Personen (plus 12,2 Prozent).

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.