Leichter Anstieg der Straftaten, bessere Aufklärungsquote

6. März 2014 | Themenbereich: Brandenburg, Kriminalität | Drucken

In Brandenburg ist die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten im vergangenen Jahr leicht um 1,1 Prozent gestiegen. Insgesamt wurden 197.228 Straftaten erfasst, 2.082 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Dies teilte Innenminister Ralf Holzschuher heute bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2013 in Potsdam mit. Ausschlaggebend für den Anstieg ist vor allem die Entwicklung im Bereich der Diebstahlsdelikte (+ 3.653 Fälle), der strafrechtlichen Nebengesetze (+ 2.090 Fälle) und bei Rauschgiftdelikten (+ 516 Fälle). Zu den strafrechtlichen Nebengesetzen gehören z.B. das Aufenthalts-, Asylverfahrens- und Freizügigkeitsgesetz.

Im vergangenen Jahr ist es der Polizei gelungen, die Aufklärungsquote zu verbessern. Sie lag im Jahr 2013 bei 54,2 Prozent und damit höher als vor der Polizeireform. Auch in absoluten Zahlen gelang es den Beamten, mehr Straftaten als im Jahr zuvor aufzuklären (2013: 106.903 Fälle; 2012: 104.055 Fälle). Die Polizei konnte im Jahr 2013 227 mehr Tatverdächtige ermitteln als im Vorjahr (2013: 68.724; 2012: 68.497).

„Wir haben einen leichten Anstieg der Gesamtkriminalität im Land. Sie liegt nach Schwankungen in den vergangenen Jahren etwa auf dem Niveau des Jahres 2009. Dagegen stehen eine bessere Aufklärungsquote, mehr aufgeklärte Straftaten und mehr ermittelte Tatverdächtige. Das zeigt, dass die Polizei in Brandenburg eine gute und wirksame Arbeit leistet“, sagte Holzschuher. Die sogenannte Häufigkeitszahl, also die Anzahl der Straftaten bezogen auf 100.000 Einwohner, lag bei 8.052 (2012: 7.819). In den vergangenen 20 Jahren ist die registrierte Kriminalität in Brandenburg um rund 40 Prozent zurückgegangen.

Zwischen 2009 und 2013 zeigte sich dagegen ein relativ stabiles Niveau an Straftaten, das um den Wert von rund 200.000 Fällen im Jahr schwankte. Als besondere Herausforderung bezeichnete Holzschuher die Entwicklung im Bereich der Eigentumsdelikte. Über 42 Prozent aller Straftaten in Brandenburg entfallen auf Diebstahlsdelikte aller Art. „Es ist diese Form der Kriminalität, die das Sicherheitsgefühl im Land derzeit besonders belastet“, sagte der Minister bei seiner heutigen gemeinsamen Pressekonferenz mit Polizeipräsident Arne Feuring.

Gewaltkriminalität geht weiter zurück

Besonders günstig stellt sich dagegen in den vergangenen Jahren die Entwicklung der Gewaltkriminalität im Land dar. Dazu gehören u.a. Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen, Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche und schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, schwere sexuelle Nötigung und Raub. „Hier stellen wir seit 2007 eine klar sinkende Tendenz fest“, sagte Holzschuher.

Wurden 2007 noch fast 6.000 derartige schwere Straftaten registriert, so sank seitdem die Zahl auf 4.254 im vergangenen Jahr. Das entspricht auch gegenüber dem Jahr 2012 einem deutlichen Rückgang um 351 Fälle (2012: 4.605). Die Aufklärungsquote liegt mit knapp 80 Prozent konstant hoch. Brandenburg gehört damit zu den Bundesländern, die deutlich unterdurchschnittlich von Gewaltkriminalität betroffen sind. Das Land liegt in dieser Hinsicht ungefähr auf dem Niveau von Baden-Württemberg und Thüringen. „Bei Gewaltkriminalität gehört Brandenburg weiterhin zu den sichersten Ländern in Deutschland. Zugleich werden vier von fünf derartigen Straftaten von der Polizei erfolgreich aufgeklärt“, sagte der Minister.

Weniger Kinder- und Jugendkriminalität

Weiter rückläufig ist auch die registrierte Kinder- und Jugendkriminalität im Land. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren an der Gesamtzahl aller Tatverdächtigen nahm im Jahr 2013 auf 18,8 Prozent leicht ab. Im Jahr zuvor lag der Anteil bei 19 Prozent. 2009 waren noch fast 25 Prozent aller Tatverdächtigen unter 25 Jahre alt. 2004 lag der entsprechende Wert noch bei über 30 Prozent. „Das ist ein wesentlicher und kontinuierlicher Rückgang innerhalb von zehn Jahren. Der Anteil der jungen Tatverdächtigen sinkt auch stärker als der Anteil von Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung“, erläuterte Holzschuher.

Hauptproblem Eigentumsdelikte

„Das Kriminalitätsgeschehen in Brandenburg ist nicht gekennzeichnet durch Mord und Totschlag, jugendliche Schlägerbanden oder Gewalttätigkeiten bei Demonstrationen“, stellte der Minister fest. „Das Hauptproblem ist vielmehr die Eigentumskriminalität in all ihren Formen“. Dabei spielten insbesondere Autodiebstähle, Wohnungseinbrüche, aber auch Fahrradklau eine besondere Rolle.

Zwar ist der Anteil der Diebstähle in Brandenburg an der Gesamtkriminalität über viele Jahre hinweg gesunken. Doch sei dies seit dem Jahr 2008 so nicht mehr festzustellen. Seither schwanke der Wert um etwa 80.000 Straftaten im Jahr. Im Jahr 2013 stieg die Zahl der Diebstahlsdelikte um 4,6 Prozent oder 3.653 Fälle. Insgesamt wurden im Jahr 2013 rund 83.500 Diebstahlsdelikte festgestellt. Die Aufklärungsquote lag fast unverändert bei 28,3 Prozent (2012: 28,6 Prozent).

3.522 Kraftfahrzeuge wurden 2013 im Land Brandenburg entwendet (2012: 3.355). Die Aufklärungsquote konnte hier leicht auf 21 Prozent gesteigert werden. (2012: 18,6 Prozent). Während die Anzahl gestohlener Kraftfahrzeuge in den vergangenen Jahren schwankte, ist bei Wohnungseinbrüchen seit dem Jahr 2009 eine kontinuierliche Zunahme festzustellen. Im Jahr 2013 wurde in 4.001 Wohnungen und Einfamilienhäuser eingebrochen. Im Jahr zuvor wurden 3.735 Wohnungseinbrüche registriert. Die Aufklärungsquote liegt hier bei 21,5 Prozent.

Auch Fahrraddiebstähle in Brandenburg haben im vergangenen Jahr zugenommen. 16.127 Zweiräder wurden entwendet; das entsprach einer Zunahme um 2.399 Fälle gegenüber dem Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt bei 13,5 Prozent (2012: 10,6 Prozent). Einen leichten Rückgang konnte die Polizei dagegen bei Diebstählen in und aus Firmen feststellen. Hier wurden 8.329 Fälle registriert gegenüber 8.418 Fällen im Jahr 2012. Die Aufklärungsquote verbesserte sich auf 27,5 Prozent (2012: 23,8 Prozent).

Ein Rückgang der Fallzahlen ist in Brandenburg vor allem bei Vermögens- und Fälschungsdelikten (- 10,6 Prozent), Unterschlagung (- 24,7 Prozent) und Urkundenfälschung (-15,4 Prozent) festzustellen. Weniger Fallzahlen wurden auch im Bereich der Computerkriminalität (- 27 Prozent) und der Umweltkriminalität (- 12,3 Prozent) erfasst. Um 10,5 Prozent angestiegen sind dagegen Rauschgiftdelikte.

Bekämpfung der Eigentumskriminalität als anhaltende Herausforderung

Als „anhaltende Herausforderung“ bezeichnete Holzschuher insbesondere die Bekämpfung der Eigentumskriminalität. „Während Brandenburg bei Gewaltdelikten ein besonders sicheres Land ist, ist die Belastung mit bestimmten Formen der Eigentumskriminalität anhaltend hoch. Ursächlich dafür sind unter anderem die Nähe zur Metropole Berlin, die unmittelbare Lage an der Wohlstandsgrenze zu Mittel- und Osteuropa und die Tatsache, dass die wichtigste europäische Ost- West-Verbindung zentral durch unser Land verläuft.

Wir werden gegen diese Form der Kriminalität weiterhin beharrlich mit abgestimmten polizeilichen Maßnahmen vorgehen und dabei auch die enge Zusammenarbeit mit anderen Ländern suchen. Dazu gehören sowohl der weitere Ausbau der deutsch-polnischen Zusammenarbeit als auch die Intensivierung der polizeilichen Zusammenarbeit mit Berlin. Die Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zwischen den Polizeien von Berlin und Brandenburg und die Verstärkung der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Berlin-Brandenburg sind wichtige Bausteine einer engeren Vernetzung der Sicherheitsbehörden in der gesamten Metropolregion. Diese ist und bleibt das Gebot der Stunde.“

 

 

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