Selbstverpflichtung für mehr Verkehrssicherheit

25. Februar 2014 | Themenbereich: Verkehr | Drucken

Die Gründe für die insgesamt positive Entwicklung bei den Verkehrsopferzahlen 2013 liegen nach Einschätzung des ACE Auto Club Europa unter anderem in einer optimierten Fahrzeugsicherheit. Ein beachtlicher Teil davon geht auf das Konto neuartiger Fahrerassistenzsysteme. Der Rückgang der Zahl der Verkehrstoten ist außerdem den lebensrettenden Eingriffen moderner Unfallmedizin zu verdanken.

Erfreulich aus Sicht des ACE ist, dass es bei der Hochrisikogruppe junger Fahranfänger den deutlichsten Rückgang der Verkehrsopferzahlen gegeben hat. „Wir führen das unter anderem auf die Einführung einer neuen Verkehrspädagogik wie das begleitete Fahren ab 17 zurück. Diese Form der Verkehrserziehung musste ursprünglich auch gegen Widerstände in der Politik erst durchgekämpft werden“, sagte ein ACE-Sprecher.

 Ablenkung steigert Unfallrisiko

Bedenklich stimmt, dass die Zahl der Unfälle selbst nur minimal zurückgegangen ist. Das Unfallgeschehen insgesamt befindet sich damit weiter auf relativ hohem Niveau. Hier sehen wir bei allen Akteuren weiteren Handlungsbedarf, das gilt in besonderer Weise auf dem Gebiet folgenschwerer Autobahnunfälle, wo zu hohes Tempo und zu dichtes Auffahren offenbar eine Rolle spielen. Als weitere Unfallursache hinzu kommt die um sich greifende Ablenkung durch Infotainment-Angebote im Auto; diese Ablenkung ist zu unterbinden. Geräte, die nachweislich die Verkehrssicherheit beeinträchtigen sind während der Fahrt automatisch zu deaktivieren. Lassen sich die Hersteller im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung nicht darauf ein, muss der Gesetzgeber für entsprechende Funktionsbeschränkungen sorgen.

 Wir verlangen eine Runderneuerung der nationalen Verkehrssicherheitspolitik

Sie muss weiter raus aus dem Zeigefinger-Gehabe und hin entwickelt werden zu einer Aufgabe mit gesamtgesellschaftlichem Anspruch. Ziel der EU-Verkehrssicherheitspolitik ist es, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 im Vergleich zu 2010 zu halbieren. „Keiner kommt um. Alle kommen an“ – dieser Vorsatz beschreibt die Vision Zero als Strategie zur aktiven Unfallverhütung. Während sich Brüssel und mehrere deutsche Bundesländer diesem Credo verpflichtet fühlen, mangelt es dem Koalitionsvertrag von Union und SPD an konkreten Selbstverpflichtungen.

Der ACE fordert von der Bundesregierung ein mit konkreten politischen Selbstverpflichtungen versehenes Verkehrssicherheitsprogramm

Das vor zwei Jahren beschlossene Papier hingegen enthält zwar richtige Ansätze, es verliert sich aber meist in unverbindlichen Deklarationen und Appellationen. In die notwendige breite Diskussion über wirksame Maßnahmen im Sinne von Vision-Zero sollten daher beispielsweise auch Forderungen nach einem Alkoholkonsumverbot vor und während der Fahrt mit einem Kfz einbezogen werden. Auch das Thema Medikamente und ihre Auswirkungen auf die Fahrtauglichkeit muss in Anbetracht der Folgen des demografischen Wandels verstärkt behandelt werden. Zudem sind bei der Umsetzung des Programms auch andere Ressorts einzubeziehen, etwa Arbeit, Soziales und Gesundheit.

 Der ACE fordert die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Bundes- und Landstraßen

Auf diesen Strecken passieren rund 60 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle in Deutschland. Zu den aus Sicht des ACE erforderlichen Maßnahmen gehört eine selbstverpflichtende Bürgerbeteiligung auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit. Die Ergebnisse behördlicher Unfallstreckenanalysen beispielsweise sind grundsätzlich öffentlich zugänglich zu machen. Die im Zuge der verstärkten Vernetzung von Autos und Umwelt (Car-to- Car- und Car-to-Infrastructure-Communication) gewonnenen Erkenntnisse sind für die Ausübung der öffentlichen Verkehrssicherungspflicht und für die Verbesserung der Unfallverhütung nutzbar zu machen. Unfallschwerpunkte sind zügig zu entschärfen; entsprechende Maßnahmen sind – gemessen an deren Wirksamkeit – zu priorisieren. Die neu in Kraft gesetzten Straßenbaurichtlinien sind auch bei Sanierung und Ausbau von Strecken strikt anzuwenden. Als wirksamer Beitrag für mehr Sicherheit und im Sinne eines günstigen Nutzen-Kosten-Verhältnisses ist unter anderem der dreistreifige Ausbau von Landstraßen mit wechselnden Überholspuren vorzusehen. Dadurch können Frontal-Crashs bei Überholmanövern verhindert werden.

 

Quelle: ACE

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