38 Stunden sind die Grenze, sonst drohen ernste Gesundheitsschäden

25. Februar 2014 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Mehr als 16 000 der 39 000 Polizistinnen und Polizisten in NRW arbeiten im Schichtdienst, oft ein Berufsleben lang. Viele von ihnen leiden in Folge des ständigen Wechsels zwischen Früh-, Spät- und Nachtdienst an ernsthaften Gesundheitsschäden. Mehr als 4000 Polizisten sind sogar so krank, dass sie nur noch eingeschränkt verwendungsfähig sind. Unter dem Titel „Fit im Dienst – gesund in den Ruhestand“ hat die GdP deshalb gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, die im Schichtdienst eingesetzt sind, und mit Schichtdienstexperten der Polizei und der Arbeitswissenschaft am 20. Februar auf einem eintägigen Fachforum in Düsseldorf diskutiert, wie der Schichtdienst bei der Polizei so gestaltet werden kann, dass er weniger gesundheitsbelastend ist.

Eines der wichtigsten Erkenntnisse des Schichtdienstforums lautet: 20 Jahre durchgehender Wechselschichtdienst sind genug. Danach muss es für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen einen Rechtsanspruch geben, zumindest aus dem Nachtdienst raus zu gehen. Die zweite, nicht weniger wichtige Erkenntnis lautet: Bei einer 41-Stunden-Woche gibt es kein Arbeitszeitmodell, das mit steigender Verweildauer im Schichtdienst nicht zu massiven Gesundheitsschäden und hohen Krankheitsausfällen führt. Deshalb dringt die GdP darauf, dass die 2004 von der Landesregierung verfügte generelle Verlängerung der Wochenarbeitszeit bei der Polizei von 38,5 auf 41 Stunden wieder zurückgenommen wird. Denn auch in den anderen Arbeitsbereichen macht die überlange Arbeitszeit krank. So lange dieses Ziel noch nicht erreicht ist, muss zumindest im durchgehenden Wechselschichtdienst die Arbeitszeit, so wie in anderen Branchen längst üblich, auf maximal 38 Stunden pro Woche begrenzt werden. Die übrige Zeit könnte dann außerhalb des eigentlichen Schichtdienstes für das Sport- und Gesundheitstraining und zur Weiterbildung genutzt werden. Beides kommt im Wach- und Wechseldienst regelmäßig zu kurz.

GdP-Landesvorsitzender Arnold Plickert kündigte auf dem Forum an, dass beide Forderungen in das Positionspapier der GdP zum Schichtdienst einfließen werden, das zurzeit von einer vom Vorstand eingesetzten Arbeitsgruppe erarbeitet wird. „Die Reduzierung der 41 Stunden ist eine der Kernforderungen der GdP für die Gestaltung des Schichtdienstes bei der Polizei“, betonte der GdP-Landesvorsitzende. „Sie muss nicht nur für den Wach- und Wechseldienst, sondern auch für die Arbeit in den K-Wachen und in den anderen Arbeitsbereichen bei der Polizei gelten, in denen regelmäßig im Schichtdienst gearbeitet wird.“

Um die Gesundheitsbelastungen des Schichtdienstes zu begrenzen, hat die Arbeitswissenschaftlerin Hiltraud Grzech-Sukalo auf dem GdP-Forum zudem dafür plädiert, dass die Schichtdienstzeiten bei der Polizei mit einem besonderen Faktor gewichtet werden. Das so angesparte Zeitvolumen soll zu einer Reduzierung der Arbeitszeit genutzt werden. Weil dabei der Ausgleich für die krankmachenden Faktoren des Schichtdienstes im Vordergrund steht, müssten die entsprechenden Ruhezeiten möglichst zeitnah genommen werden.

Auf dem Schichtdienstforum wurde auch darüber diskutiert, dass vor allem jüngere Kolleginnen und Kollegen die gesundheitsschädlichen Folgen überlanger Arbeitszeiten eher verdrängen. „Viele Kolleginnen und Kollegen sehen nicht, dass sie sich dadurch selber schaden“, sagte auf dem Schichtdienstform GdP-Vorsitzender Plickert. „Wer im jüngeren Alter in großem Umfang Überstunden anhäuft und dadurch später vorzeitig mit Abschlägen in Ruhestand gehen muss, weil er durch die dauernde Arbeitsüberlastung krank geworden ist, ist doppelt bestraft. Das müssen wir verhindern.“ Vorstandsmitglied Rainer Peltz hatte deshalb darauf hingewiesen, dass die GdP entscheiden muss, ob die belastenden Faktoren des durchgehenden Wechselschichtdienstes eher durch finanzielle Mittel ausgeglichen oder ob sie vermieden werden sollen. „Wir müssen uns der Frage stellen, was uns am Ende der Diskussion über die Gestaltung des Schichtdienstes wichtig ist: Gesundheit oder Geld“, sagte Peltz.

Michael Mertens, der für den Geschäftsführenden Landesvorstand die AG Schichtdienst leitet, erinnerte auf dem Forum zudem daran, dass die Beteiligung der Mitarbeiter bei der Weiterentwicklung der Schichtdienstmodelle der Polizei ganz wesentlich ist. Zudem müssten die Bedingungen vor Ort berücksichtigt werden. „Am Ende der Diskussion kann nicht ein Schichtdienstmodell für ganz NRW stehen, sondern wir können nur Rahmenbedingungen setzen, die vor Ort ausgefüllt werden müssen“, sagte Mertens.

Wie die Rahmenbedingungen aussehen sollen, wird die GdP auch auf ihrem Landesdelegiertentag Anfang April in Dortmund diskutieren. Hierzu hat der GVS einen eigenen Leitantrag vorgelegt. Erst danach soll die Arbeit am Positionspapier der GdP abgeschlossen werden.

Dass das Positionspapier der GdP auch die Diskussionen im Innenministerium beeinflussen wird, war allerdings schon auf dem Schichtdienstforum erkennbar. Friedhelm Hinzen, Leiter der von Innenminister Ralf Jäger eingesetzten ministeriumseigenen Arbeitsgruppe Schichtdienst, sagte dazu auf dem GdP-Forum, er nehme von hier viele Anregungen für seine eigene Arbeit mit.