Überrollt uns die Internetkriminalität?

24. Februar 2014 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Mecklenburg-Vorp. | Drucken

Die Experten warnen seit Jahren vor einer Unterschätzung der Ausmaße der Internetkriminalität, jetzt kommen weitere, aktuelle Zahlen aus dem Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern.

Auf einer Fachveranstaltung der „Region Rostock Marketing Initiative“ am 20. Februar 2014 gab der amtierende Direktor des Landeskriminalamtes neueste, vorläufige Zahlen bekannt. So sei 2013 bei Internetstraftaten im engeren Sinne wie Datenveränderung oder –diebstahl die Zahl der erfassten Delikte um fast 50% gestiegen, bei Straftaten der Internetkriminalität unter Nutzung des Internets wie beim Betrug musste ein Anstieg um ungefähr 40% registriert werden. Im Vergleich zu anderen Deliktsbereichen in der Polizeilichen Kriminalstatistik sind diese Trends mehr als erschreckend.

Doch geben diese Zahlen auch nur eine ungefähre Beschreibung des Ausmaßes der Internetkriminalität im Nordosten wieder? Wir sagen eindeutig NEIN.

Eine Behörde wie das Landeskriminalamt kann derzeit nur mit den erfassten Daten argumentieren. Eine Dunkelfeldforschung ist nach Angaben der Fachleute gerade bei der Internetkriminalität äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Und doch sind über die erfassten Daten hinaus Prognosen oder Aussagen möglich. Die vom Landeskriminalamt genannten vorläufigen Fallzahlen der Internetkriminalität dürften nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre etwa ein Zehntel oder ein Zwölftel des Anteils an der gesamten erfassten Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2013 betragen. Doch allein die ungefähre Zahl der versuchten Angriffe von Computersabotage auf das elektronische Netz der Landesverwaltung beläuft sich pro Jahr auf etwa 180.000 Fälle. Diese Zahl liegt aber um etwa 50% höher als die Zahl der offiziell registrierten Straftaten! Leider werden derartige Hinweise einfach und offensichtlich bewusst übersehen.

Als Berufsverband der Beschäftigten kriminalpolizeilicher Tätigkeiten haben wir schon weitaus früher vor einer massiven Unterschätzung dieses Phänomenbereiches gewarnt. Es war ein guter und richtiger Anfang, kompetente Seiteneinsteiger mit dem entsprechenden Fachwissen für die Bekämpfung der Internetkriminalität in die Polizei bei uns einzustellen. Doch die eher gering zu nennende Zahl dieser Spezialisten stand und steht in keinem sachlich zu begründenden Verhältnis zur Bedeutung und Schwere der Internetkriminalität. Dabei scheint es doch völlig gleichgültig, ob die Zahlen der tatsächlichen Internetkriminalität zehnfach, hundertfach, tausendfach, zehntausendfach oder noch höher über den bekannten Fällen liegen.

Es müssen ganz dringend weitere Spezialisten her, denn der in Mecklenburg-Vorpommern bewusst universell, damit wenig spezialisierte und mit mangelnden Fachkompetenzen behaftete Einheitspolizist wird bei der Verhütung und Bekämpfung von Internetkriminalität kaum von Nutzen sein. Wie verspricht doch der neue Werbefilm unserer Landespolizei in etwa: Wir tun alles für Ihre Sicherheit und das gerne. Also bitte, liebe Verantwortliche, lösen Sie dieses Versprechen umgehend ein und stoppen Sie die wenig brauchbare Einheitsausbildung und den ständigen Personalabbau aus rein finanziellen Gründen!

 

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