Gesundheitsrisiken durch Digitalfunk bei der Bundespolizei?

7. Februar 2014 | Themenbereich: Bundespolizei | Drucken

„Ich bin ein Freund von klaren Worten und Taten“, so Ernst G. Walter, Vorsitzender der DPolG Bundespolizeigewerkschaft, „Dieses schwammige JEIN der Behörde zu möglichen Gesundheitsgefährdungen durch den Digitalfunk, das geht gar nicht!“

Besteht also doch ein Gesundheitsrisiko durch den Digitalfunk?

Die Veröffentlichung des Bundespolizeipräsidiums „Kein Gesundheitsrisiko durch Digitalfunk“ vom 5. Februar 2014 verneint einerseits jegliche Gesundheitsgefährdungen für die Beamten, gibt aber gleichzeitig zahlreiche Sicherheitshinweise, damit diese auch bei erhöhter Strahlung nicht eintreten könnten. Ein klares Dementi sieht anders aus.

Zusammengefasst wurden also diverse Studien durch nationale und internationale Stellen zur elektromagnetischen Umweltverträglichkeit durchgeführt. Hierbei hätten alle bei typischem Einsatz von Tetra-Funkgeräten im BOS-Netz (Netz für Sicherheitsbehörden) gemessenen Werte unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes gelegen. Was unter einem „typischen Einsatz“ zu verstehen ist, wird hingegen nicht genauer erläutert.

Der Einsatz von Handgeräten in Fahrzeugen, der nach Aussagen vieler betroffenen Kolleginnen und Kollegen bei der Bundespolizei bislang gängige Praxis war und ist, scheint jedoch nicht dazu zu gehören. Denn hier liegen offensichtlich doch erhöhte Risiken vor, die das Beachten besonderer Sicherheitshinweise erforderlich machen. Insbesondere soll ein Mindestabstand zum Kopf von mehr als 5 cm eingehalten werden, die Antenne nicht zum Kopf oder Körper geneigt sein und der dauerhafte Kontakt mit der Fahrzeugkarosserie vermieden werden.

Tatsache ist, dass bei nahezu allen Einsätzen Mobilfunkgeräte bislang auch dauerhaft in Kraftfahrzeugen oder Zügen benutzt werden und die eingesetzten Beamten damit zwangsläufig („mitunter“) einer erhöhten Strahlung ausgesetzt sind. Wie hoch die Strahlung innerhalb von Fahrzeugen und Zügen tatsächlich ist, bleibt offen und hängt unter anderem auch davon ab, wie viele Digitalfunkgeräte innerhalb eines Fahrzeugs eingeschaltet sind, denn insbesondere bei großen Einsätzen kommt es häufig vor, dass mehrere Kollegen mit digitalen Handfunkfunkgeräten in einem Fahrzeug oder auch in einem Zugwaggon unterwegs sind.

Für völlig weltfremd hält die DPolG deshalb den sicher gut gemeinten Rat, in (Kraft-) Fahrzeugen ausschließlich die im Fahrzeug verbauten Geräte zu nutzen. In dynamischen Lagen sei dies durch die eingesetzten Polizeikräften nur schwer bis gar nicht umsetzbar und im Übrigen sei bisher auch nur ein Bruchteil aller Einsatzfahrzeuge der Bundespolizei mit entsprechenden Festgeräten ausgestattet.

Hinzu kommt, dass die Abschirmung der Strahlung in Zügen durch die Wagonhülle und die mit Metall beschichteten Fenster ggf. sogar noch höher, als in Fahrzeugen sein kann.

Die DPolG Bundespolizeigewerkschaft fordert die Verantwortlichen daher dazu auf, die Ausstattung der Einsatz-Kfz der Bundespolizei mit fest verbauten Digitalfunkgeräten und Außenantennen mit Hochdruck voranzutreiben und darüber hinaus nach wirklich realistischen und praktisch auch anwendbaren Lösungen zu suchen, um das offensichtlich nach wie vor bestehende Gesundheitsrisiko durch den Digitalfunk weiter zu minimieren und letztlich auszuschließen.