Studie gegen Gewalt

3. Dezember 2013 | Themenbereich: Deutsche Polizeigewerkschaft, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Knapp 18500 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte unterschiedlichen Alters und Geschlechts und einer Zugehörigkeit aus nahezu allen Bereichen haben sich beteiligt. Mehr als 3/4 aller Befragten haben mindestens einen tätlichen Angriff und die Hälfte einen nichttätlichen Angriff erlebt. Besonders stark belastet sind der Wachdienst, die Bereitschaftspolizei und das Polizeigewahrsam. Jeder Fünfte tätlich Angegriffene musste ärztlich versorgt werden, ungefähr 10% waren nicht mehr arbeitsfähig und durchschnittlich knapp 18 Tage arbeitsunfähig.

Dazu der Landesvorsitzende Erich Rettinghaus:  „Das ist ein repräsentatives Ergebnis, welches nun ausgewertet und umgesetzt werden muss. Die Studie darf nicht nach ein paar Wochen in der Schublade verschwinden. Die Angaben der Betroffenen in der Studie, die Sorgen und Wünsche der Kolleginen und Kollegen, müssen nun ernst genommen werden. Gewalt und Angriffe dürfen nicht zu einem alltäglichen hinnehmbaren Erlebnis unserer Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten werden.

Die Befragten schildern einen deutlich wahrgenommenen Personalmangel, eine hohe stetig steigende Arbeitsbelastung, Zeitmangel für Fortbildungen und im Einsatz keine oder erst später eintreffende Verstärkung aus Personalnot. Und was noch viel alarmierender ist: Die von Gewalt Betroffenen bezeichnen den Rückhalt und die Unterstützung des Dienstherrn und der Politik als völlig unzureichend! Angriffe werden mit steigendem Alter auch als deutlich belastender empfunden.“

Was nun konkret zuerst passieren muss:

  •  Die Personalnot in allen Bereichen ist nicht mehr hinnehmbar. Keine weitere Schwächung des operativen Dienstes! Vor Ort an der Basis, auf den Dienststellen mit Außendienst, kommen zu wenige neue Kolleginnen und Kollegen an! Die Grenzen der Belastbarkeit dort sind mehr als erreicht!
  •  Endlich Rückhalt von Vorgesetzten und Politik für diejenigen, die täglich ihr Leben riskieren! Die Basis braucht Rückhalt zur Erfüllung ihrer schwierigen Aufgaben!
  •  Ehrliche Aufgabenkritik und Einrichten einer Arbeitsgruppe zur Feststellung möglicher Entlastungen und Konzentrierung der Polizei auf ihre Kernaufgaben! Entlastung von Verwaltung und polizeifremden Aufgaben!
  •  Verwendung der neu eingestellten Polizeibeamtinnen und -beamten nach dem Studium auf den Prüfstand!
  •  Ausbau der individuellen Betreuungs- und Beratungsangebote, individuelle Einsatznachbereitungen mit real angepassten Trainings!
  • Feste Zeitkontingente für regelmäßige und häufigere Fortbildungen!
  •  Weitere Verbesserung der Ausrüstung insgesamt, z. B. Funkgeräte, Software, persönliche Ausstattung und ein verbessertes Vorgangsbearbeitungssystem mit Arbeitserleichterungen und Zeitersparnis!
  •  Einstellung von „Polizeipsychologen“ für die Kolleginnen und Kollegen mit ständiger Präsenz und Verfügbarkeit!
  •  Verbesserte Schulung und Sesibilisierung von Führungskräften zur Erkennung von Bedürfnissen, Defiziten und Problemen bei den belasteten und betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern!

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