Studie belegt: Gewalt gegen Polizisten oft erschreckender Alltag

2. Dezember 2013 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Polizei | Drucken

Eine besonders aufschlussreiche Studie zum Thema „Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten“ wurde heute (2. Dezember) von NRW-Innenminister Ralf Jäger vorgestellt.

„Die Polizisten in NRW haben klare Worte gefunden, die mich beeindrucken. Sie schildern anschaulich, wie häufig sie im Einsatz den unterschiedlichsten Formen von Gewalt ausgesetzt sind“, sagte der Innenminister in Schloß Holte-Stukenbrock. Die geschilderten Angriffe reichen dabei von Pöbeleien bis zu tätlichen Angriffen, von Attacken mit Fäusten und Messern bis hin zu immer wiederkehrenden Beleidigungen und Provokationen. Und das sind keine Einzelfälle. Das ist nur zu oft erschreckender Alltag für Polizisten.

Über diese Entwicklung wird auch auf der Innenministerkonferenz am kommenden Freitag in Osnabrück gesprochen. 18.443 Polizisten haben sich an der Studie beteiligt. Das ist fast die Hälfte aller Polizisten in NRW. Knapp 80 Prozent der Polizisten mit Bürgerkontakten schilderten dabei Gewalterfahrungen im untersuchten Zeitraum 2011.

„Das ist zu viel. Hier muss mehr getan werden. Wir wollen Einsatzkräfte vor Gewalt zu schützen. Außerdem brauchen sie Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten“, so der Innenminister.

Die NRW-Polizei unternimmt bereits viel, um Polizisten auf ihre Einsätze vorzubereiten. So zeigt gerade das regionale Trainingszentrum in Schloß Holte-Stukenbrock, wie effektive Aus- und Fortbildung hilft, Polizisten zu schützen. „Deswegen wird dieses Konzept jetzt weiter ausgebaut“, sagte Jäger. „Aus der Studie wird deutlich, dass gute Vorbereitung und regelmäßiges Training viel dazu beitragen können, Belastungen zu vermeiden und zu mindern.“

Außerdem bieten Polizeibehörden ein umfangreiches Hilfsangebot für diejenigen, die nach einem Einsatz Betreuung brauchen.

Die Studie zeigt, dass die Gewaltbelastung in einigen Organisationseinheiten der Polizei besonders hoch ist. Dazu gehören der Wachdienst und die Bereitschaftspolizei. Im Polizeigewahrsamsdienst haben beispielsweise über drei Viertel der Befragten mindestens einen tätlichen Angriff im Jahr 2011 erlebt.

Die von vielen geschilderte Konsequenz: anhaltende Schlafstörungen, überzogene Wachsamkeit oder ständige Reizbarkeit. „Mein Eindruck ist, dass Polizisten viel umfangreicher unter Gewalterfahrungen leiden als bisher bekannt“, meinte Jäger. Die Studie gibt deswegen auch Handlungsempfehlungen, damit Polizisten in Zukunft besser mit den Belastungen umgehen können. Noch ist die Studie nicht vollständig ausgewertet. Aber schon jetzt ist klar: „Hier werden wesentlich mehr Belastungen erfasst als im landesweiten Lagebild. Der Arbeitsalltag von Polizisten ist sogar noch gefährlicher und stressiger als die nackten Zahlen es vermuten lassen“, so Innenminister Jäger.

Für das Jahr 2012 sind insgesamt 5.982 Vorfälle verzeichnet, bei denen es zu Straftaten gegen Polizisten gekommen ist. Über 1800 Polizisten wurden im Einsatz verletzt, 15 sogar so schwer, dass sie mehrere Tage und sogar Wochen dienstunfähig waren.

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