Sachsen kooperiert mit „Trau dich!“

29. November 2013 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Sachsen | Drucken

Kinderrechte, körperliche Selbstbestimmung und sexueller Kindesmissbrauch sind die Themen des Theaterstücks „Trau dich!“, das die Kompanie Kopfstand heute (Freitag) in Dresden vor rund 600 Kindern aufführt. Das in Berlin Anfang März uraufgeführte Stück ist ein zentrales Element der bundesweiten Initiative „Trau dich!“ zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) startete die Initiative auf Bundesebene gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im November 2012. Ziel ist es, Mädchen und Jungen zwischen acht und zwölf Jahren über ihre Rechte aufzuklären, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu informieren, wo sie im Falle eines Übergriffs Hilfe finden.

Der Freistaat Sachsen ist nach Schleswig-Holstein das zweite Bundesland, das eine Kooperation mit der Bundesinitiative „Trau dich!“ eingeht. Dazu erfolgt heute im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden der landesweite Tourstart mit der Premiere des Theaterstücks.

Bis Mitte 2014 sind Theateraufführungen in insgesamt sieben Landkreisen und kreisfreien Städten geplant, mit denen die Initiative über 4.000 Kinder im Grundschulalter direkt erreicht. Darüber hinaus werden in 14 Fortbildungsveranstaltungen rund 200 schulische Fachkräfte weitergebildet.

In allen teilnehmenden Regionen werden Informationsabende für die Eltern angeboten. Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V. unterstützt die Umsetzung in den Regionen. Die Kooperation steht unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Christine Clauß und der Staatsministerin für Kultus Brunhild Kurth.

Anlässlich der heutigen Eröffnung der Landestour erklärt Jugendministerin Christine Clauß: „Um Kinder vor Missbrauch und Misshandlung schützen zu können, brauchen wir eine Kultur des Hinsehens und Handelns. Wir brauchen aber auch starke und selbstbewusste Kinder, die eigene Grenzen ziehen und den Mut haben, über ihre Gefühle zu sprechen und Hilfe zu suchen. Das Theaterstück soll dazu beitragen, Kinder in der Wahrnehmung ihrer Rechte auf Schutz und sexuelle Integrität zu stärken. Das Anliegen entspricht den vielfältigen sächsischen Aktivitäten für ein gesundes Aufwachsen von jungen Menschen. Deshalb unterstütze ich die Initiative in Sachsen.“

Kultusministerin Brunhild Kurth sagt: „Schule ist ein zentraler Lebensort, an dem viel für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu eigenständigen, starken Persönlichkeiten und damit auch zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs getan wird. Die Initiative ‚Trau dich!‘ setzt deshalb an der Institution Schule an und bezieht die Lehrkräfte und Eltern durch Information und Fortbildung ein. Damit kann eine höhere Handlungssicherheit im Umgang mit grenzverletzenden Situationen erreicht werden. Kinder brauchen von hoher Sensibilität untersetzte, kompetente Unterstützung, um sich frühzeitig gegen möglichen Missbrauch zur Wehr setzen zu können.“

Bundesweit läuft die Initiative bis Ende 2014. Die BZgA arbeitet bei der Umsetzung eng mit den zuständigen Ministerien der Bundesländer und mit weiteren Partnern zusammen. „Um Kinder umfassend schützen zu können, müssen alle Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene zusammen an einem Strang ziehen“, erklärt Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

„Sexueller Missbrauch darf kein Tabuthema bleiben. Deswegen haben wir die bundesweite Initiative mit dem Theaterstück ‚Trau dich!‘ ins Leben gerufen und finanzieren sie mit vier Millionen Euro. Ich wünsche mir, dass Fragen zum Kinderschutz und zur Aufklärung über sexuelle Gewalt in naher Zukunft genauso selbstverständlich und unbefangen gestellt werden wie Fragen über eine angemessene Verkehrserziehung.“

„Mit dem interaktiven Theaterstück ‚Trau dich!‘ führen wir Kinder behutsam an die Themen sexueller Missbrauch und Kinderrechte heran“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. „In Schleswig-Holstein wurden unsere Angebote sehr gut angenommen. Wir hoffen, dass wir auch in Sachsen viele Erwachsene mit ‚Trau dich!‘ erreichen – denn sie sind es, die für den Schutz der Kinder verantwortlich sind.“

Deswegen erhalten die Eltern vor den Aufführungen Informationen über das Stück und Hinweise für das Gespräch mit ihren Kindern.

Die schulischen Fachkräfte werden durch regionale oder auf sexualisierte Gewalt spezialisierte Beratungsstellen fortgebildet.

Das Online-Portal www.trau-dich.de <http://www.trau-dich.de> spricht Kinder mit altersgerechten Informationen direkt an.

In einer Online-Datenbank finden sie Beratungsstellen und Hilfsangebote in ihrer Nähe: www.trau-dich.de/deine-hilfe/beratungsstellendatenbank <http://www.trau-dich.de/deine-hilfe/beratungsstellendatenbank>.

Zwei neue Broschüren mit dem Titel „Du bist stark“ motivieren die Jungen und Mädchen mit kindgerechten Tests und Übungen, den eigenen Gefühlen zu vertrauen und sich an eine Vertrauensperson zu wenden. Sie können auf der Internetseite bestellt oder dort direkt heruntergeladen werden: www.trau-dich.de/nimm-mit <http://www.trau-dich.de/nimm-mit>.

Fachkräfte erhalten in einem eigens für sie entwickelten Methodenheft Anregungen zur Vor- und Nachbereitung des Theaterstücks. Für Eltern bietet die Initiative einen Ratgeber an.

Beide Medien sind über die Multiplikatoren-Website von „Trau dich!“ zu bestellen bzw. herunterzuladen: www.multiplikatoren.trau-dich.de/material/bestellung <http://www.multiplikatoren.trau-dich.de/material/bestellung>.

Für die niedrigschwellige Beratung und Hilfe kooperiert die BZgA mit der kostenfreien, bundesweiten „Nummer gegen Kummer“ (0800 / 111 0 333), einem Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche.

Hintergrundinformation:

In 2012 wurden in Sachsen 727 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs bekannt – ein Rückgang von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag 2012 bei 89,8 Prozent (Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik des Freistaates Sachsen). In Sachsen kooperiert die Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus, dem Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V., den Landesarbeitsgemeinschaften „Intervention und Prävention bei sexualisierter Gewalt“ (i. G.) und „Erziehungs- und Familienberatung Sachsen e.V.“, mit den regionalen Fachberatungsstellen sowie den Jugend- und Gesundheitsämtern der beteiligten Landkreise und kreisfreien Städte.

Als weitere Kooperationspartner sind die Regionalstellen der Sächsischen Bildungsagentur mit den Schulen und Kreiselternräten in den sieben Regionen eingebunden.

Auch die Stadt Dresden beteiligt sich aktiv und unterstützt „Trau dich!“. Hier arbeiten folgende Partner zusammen:

  •  Jugendamt Dresden (Fachbereich Frühe Hilfen und Kinderschutz)
  •  Sächsische Bildungsagentur (Regionalstelle Dresden)
  •  AWO Kinder- und Jugendhilfe gGmbH – Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen „Shukura“
  •   AWO Kinder- und Jugendhilfe gGmbH – Beratungsstelle AUSWEG – Erziehungsberatungsstelle, Fach- und Beratungsstelle bei häuslicher und sexualisierter Gewalt
  •   Kreiselternrat Dresden Tour in Sachsen (Stand 11/2013)
  •  Stadt Dresden (Auftakt Landestour) 29.11.2013
  •   Vogtlandkreis (Plauen) 11.02.2014
  •  Landkreis Nordsachsen (Schkeuditz) 15.04.2014
  •  Landkreis Leipzig (Borna) 27.05.2014
  •  Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge (Freital) 28.05.2014
  •  Stadt Leipzig 08.07.2014
  •  Landkreis Mittelsachsen (Döbeln) 09.07.2014

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.