Alltägliche Gewalt hinter geschlossenen Türen gemeinsam bekämpfen

25. November 2013 | Themenbereich: Innere Sicherheit | Drucken

„Häusliche Gewalt“ stellt nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine noch immer weitgehend unterschätzte Straftat im Alltag dar. Gemäß einer vom Europarat zitierten Statistik, sei Beziehungsgewalt, so Elke Gündner-Ede, für Frauenpolitik zuständiges Mitglied des Geschäftsführenden GdP-Bundesvorstandes, die Hauptursache für den Tod oder Gesundheitsschäden bei Frauen zwischen 16 und 44 Jahren. Damit rangierten Straftaten der häuslichen Gewalt noch vor Krebserkrankungen oder Verkehrsunfällen.

Täglich dutzendfach werde die Polizei gerufen, um irgendwo in Deutschland angesichts massiver familiärer Auseinandersetzungen einzugreifen. Gündner-Ede: „Allein in Berlin sind im Vorjahr knapp 15.800 Fälle häuslicher Gewalt registriert worden, darunter drei Morde und sechs Totschlagdelikte. 2006 wurden erst 12.500 Fälle gezählt. Viele Taten bleiben aber im Verborgenen. Scham oder Angst hindern viele Betroffene die Hilfsangebote öffentlicher Institutionen wahrzunehmen. Das kann zu gravierenden seelischen Schäden bei den Betroffenen, darunter sind viele Kinder, führen.“

Das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz habe, so die GdP-Bundesfrauenvorsitzende Dagmar Hölzl, die häusliche Gewalt deutlich stärker in den gesellschaftlichen Fokus gerückt. Hölzl: „Die Bilanz der polizeilichen Bekämpfung der Gewalt in Partnerbeziehungen und Familien ist nach zehn Jahren durchaus positiv, doch dürfen wir nicht auf halber Strecke stehenbleiben.“

Es sei erforderlich, so die Gewerkschafterinnen in einem heute vorgestellten Positionspapier, dass die Bundesländer sich auf eine einheitliche Definition des Phänomens häusliche Gewalt einigen. Heute seien aussagekräftige Vergleiche der Zahlen zwischen den Bundesländern nicht oder nur begrenzt möglich. So könnten weder Trends erkannt noch effiziente Präventionsarbeit geleistet werden.

Für das Einschreiten und die Bearbeitung von Gewalt-Fällen im sogenannten sozialen Nahbereich müsse eine ausreichende Zahl ausgebildeter Sachbearbeiter in den Dienststellen vorhanden sein. Regelmäßig stattfindende Supervisionen sollten zudem den eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamten die Möglichkeit bieten, die mit solchen Einsätzen verbundenen psychischen Belastungen zu verarbeiten.

Jörg Radek, stellvertretender GdP-Bundesvorsitzender verwies auf das hohe Risiko seiner Kolleginnen und Kollegen bei einem Einsatz gegen häusliche Gewalt. Radek: „Nicht selten fährt einer der Beteiligten im wahrsten Sinne aus seiner Haut, womöglich befeuert vom Alkohol, vergisst den Familienstreit und greift die Beamtinnen und Beamten unvermittelt an. Noch zuletzt hier in Berlin, als zwei Polizisten während eines Einsatzes gegen häusliche Gewalt niedergestochen und schwer verletzt worden sind.“

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.