Wildunfälle deutlich angestiegen

15. November 2013 | Themenbereich: Bayern, Verkehr | Drucken

47.257 Verkehrsunfälle mit 406 Verletzten und einem Toten auf Bayerns Straßen – das ist die traurige Zwischenbilanz der Wildunfälle in diesem Jahr bis einschließlich September. Dazu Bayerns Innenminister Joachim Herrmann: „Nach dem deutlichen Anstieg 2012 ist keine Trendwende in Bayern in Sicht.“ Herrmann rechnet auch für 2013 mit einer weiteren Steigerung, nachdem es 2012 etwa 14 Prozent mehr Wildunfälle gegeben hat. „Die größte Gefahr von Wildunfällen besteht im Herbst sowie im Frühjahr bei Dämmerung und das nicht nur in Waldgebieten“, warnte der Innenminister die Autofahrer. „Beachten Sie unbedingt die Wildwarnschilder und fahren Sie vorausschauend und langsam!“ Um die Ursachen von Wildunfällen besser erforschen zu können, hat Herrmann im Rahmen des Bayerischen Verkehrssicherheitsprogramms ‚Bayern mobil – sicher ans Ziel‘ ein neues Projekt mit dem Bayerischen Jagdverband angestoßen, das Anfang 2014 an ausgewählten Strecken startet.

„Ziel unseres gemeinsamen Projektes ist, mehr über die Begleitumstände von Wildunfällen herauszufinden“, erklärte Herrmann. „Wir erhoffen uns genauere Erkenntnisse, die bei der Überprüfung besonders wildunfallgefährdeter Strecken einfließen können.“ Hierzu wurde zusammen mit dem Bayerischen Jagdverband ein spezieller Erfassungsbogen entworfen. Dieser umfasst neben Daten zum Wildunfall, zur Tageszeit und zur Witterung auch Auskünfte über die Bewirtschaftungsform der angrenzenden Grundstücke und ob beispielsweise Erntetätigkeiten oder Waldarbeiten stattgefunden haben. Der Erfassungsbogen wird durch den Revierinhaber ausgefüllt und bei der zuständigen Polizeiinspektion abgegeben. Die örtlichen Unfallkommissionen werten dann die Erkenntnisse aus und beraten konkrete Abhilfemaßnahmen.

Die Untersuchung ist zunächst auf ein Jahr ausgelegt und umfasst folgende Strecken, die besonders hoch mit Wildunfällen belastet sind:

Landkreis Erding: Bundesstraße 15 zwischen Dorfen und Angerskirchen sowie Bundesstraße 388 zwischen Grünbach und Taufkirchen (Vils)

Landkreis Rottal-Inn: Staatsstraße 2112 zwischen Simbach am Inn und Höhe Zimmern sowie bei der Kreisstraße 25 zwischen Sportplatz Taubenbach und Staudenpoint

Landkreis Schweinfurt: Bundesstraße 303 von der Landkreisgrenze bei Forst bis Waldsachsen sowie Staatsstraße 2280 nördlich von Hoppachshof bis Oberlauringen

Dazu Herrmann: „Wir prüfen, ob und wie sich die gewonnenen Erkentnisse auf andere wildunfallträchtige Strecken übertragen lassen.“

Wildunfälle stellen mittlerweile fast ein Fünftel der gesamten Verkehrsunfälle in Bayern (2012: 63.528 Wildunfälle bei 364.324 Verkehrsunfällen). „Glücklicherweise geht das Gros der Wildunfälle aber glimpflich aus“, so Herrmann mit Blick auf die 454 Verletzten 2012. Bei weniger als jedem hundersten Wildunfall komme es zu Personenschäden. Das höchste Risiko für Wildunfälle besteht statistisch gesehen von 05.00 bis 07.00 Uhr und von 21.00 bis 23.00 Uhr. Zu diesen Zeiten passieren über 37 Prozent der gesamten Wildunfälle. Der Innenminister rät aber generell zu besonderer Vorsicht bei Fahrten außerorts: „Rechnen Sie jederzeit mit einem plötzlichen Wildwechsel. Taucht ein Tier auf, sofort hupen, das Fernlicht ausschalten und kontrolliert bremsen. Lieber eine Kollision mit dem Wild in Kauf nehmen, als in den Gegenverkehr ausweichen oder im Straßengraben oder an einem zu Baum landen.“ Kommt es zu einem Wildunfall, ist die Polizei oder der Jagdpächter zu informieren, so Herrmann weiter.

Das neue Projekt mit dem Bayerischen Jagdverband sei laut Herrmann ein weiterer wichtiger Baustein im großen Bayerischen Verkehrssicherheitsprogramm ‚Bayern mobil – sicher ans Ziel‘. Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket für mehr Verkehrssicherheit sollen in Bayern bis zum Jahr 2020 die Unfallzahlen weiter reduziert und insbesondere die Zahl der Verkehrstoten auf unter 550 gesenkt werden. Wie der Innenminister erläuterte, sind bereits eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt worden, um Wildunfälle zu verhindern. Insbesondere an Autobahnen aber auch an einzelnen zweibahnigen Bundesstraßen sind Wildschutzzäune angebracht worden oder werden nachgerüstet. Auch Wildbrücken wurden gebaut. Im ehrenamtlichen Einsatz leistet darüber hinaus die private Jägerschaft im Bereich der Wildunfallvermeidung einen entscheidenden Beitrag.

 

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