Bundesprogramm zur Prävention gegen Rechtsextremismus zieht positive Zwischenbilanz

14. November 2013 | Themenbereich: Innere Sicherheit | Drucken

Das Bundesprogramm TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wird wie von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder angekündigt auch im Jahr 2014 seine Arbeit fortsetzen.

Die seit 2011 pro Jahr zur Verfügung gestellten 24,3 Millionen Euro für das Programm zur Prävention gegen Rechtsextremismus sollen nach den Planungen der Bundesregierung in 2014 auf 26 Millionen Euro aufgestockt werden. Neben einer Verlängerung der Förderperiode für die Beratungsnetzwerke in den Ländern und der rund 170 Lokalen Aktionsplänen sollen damit auch Unterstützungsangebote zum Ausstieg aus dem Rechtsextremismus ermöglicht werden.

Aktuell kann das BMFSFJ in zwei wesentlichen Bereichen des Programms eine überaus positive Zwischenbilanz ziehen:

1. Alle landesweiten Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus, deren Tätigkeit auch nach den Feststellungen des NSU-Untersuchungsausschusses eine wichtige Rolle zukommt, haben spezifische Qualitätssicherungsverfahren entwickelt und eingeführt. Dies sichert einen hohen Standard in der Beratungsarbeit der Netzwerke, von dem die lokalen Akteure profitieren.

2. Das bundesweite Informations- und Kompetenznetz BIKnetz – Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus wird als Plattform für Wissen, Kompetenz und Austausch rege genutzt: Pädagogische Fachkräfte, die in ihrem Arbeitsalltag mit rechtsextrem gefährdeten bzw. orientierten Jugendlichen in Kontakt kommen, können seit Anfang November das erforderliche Know-how sowie die notwendigen fachlichen und persönlichen Kompetenzen in regional angebotenen Fort- und Weiterbildungen aneignen.

Zu 1.

Landesweite Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus Rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Strukturen im Gemeinwesen und deren gezielte Einflussnahme auf Einstellungen von Bürgerinnen und Bürgern gefährden die demokratische Grundordnung unserer Gesellschaft. Dies kann zu bedrohlichen Situationen führen, mit denen sich Menschen in Dörfern, Städten und Gemeinden auseinandersetzen müssen. Dafür brauchen sie Mut, Wehrhaftigkeit und das Wissen, wie sie wirkungsvoll handeln können. Denn oftmals fühlen sich Betroffene allein gelassen, hilflos und überfordert.

Vor diesem Hintergrund fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit 2007 in enger Zusammenarbeit mit den Ländern landesweite Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus. Das Leitziel der Beratung im Themenfeld ist, gemeinsam mit lokalen Akteuren Handlungskonzepte für eine demokratische Stärkung des Gemeinwesens zu entwickeln und gegenüber Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus eine lebendige Zivilgesellschaft entgegenzustellen. Die Förderung und Unterstützung qualitätsorientierter Beratungsleistungen in den landesweiten Beratungsnetzwerken bildet aktuell einen Schwerpunkt im Bundesprogramm TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN.

In jedem Land haben staatliche Entscheidungsträger gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Einrichtungen und Initiativen ein Leitbild zur wirksamen Bekämpfung von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus erarbeitet und weiterentwickelt. Für die landesweiten Beratungsnetzwerke liegen Regeln der Zusammenarbeit und Kooperation vor. Die neu entwickelten Dokumentationsinstrumente ermöglichen eine Auswertung und Weiterentwicklung bestehender Beratungsangebote vor Ort.

In der laufenden Förderphase haben bereits sieben Länder (Baden-Württemberg, Bayern, Hansestadt Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein) das zusätzliche Angebot des BMFSFJ genutzt und mit ihren landesweiten Beratungsnetzwerken ein Testierungsverfahren nach dem Qualitätsmodell „Kundenorientierte Qualitätstestierung für Beratungsorganisationen – KQB“ durchlaufen. Damit hat das BMFSFJ maßgeblich zur Stärkung der aufgebauten Netzwerkstrukturen und zur wirksamen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in den Ländern beigetragen.

Um die Nachhaltigkeit der entwickelten Qualitätsverfahren zu sichern, hat das BMFSFJ eine Verlängerung der Bundesförderung um ein weiteres Jahr vorgesehen.

Zu 2. BIKnetz

Außerdem möchte das BMFSFJ mit einem bundesweit angelegten Bildungsangebot für pädagogische Fachkräfte aus Schule, Jugendhilfe oder Jugendsozialarbeit einen weiteren Impuls setzen, damit Pädagoginnen und Pädagogen rechtsextremen Einstellungen und Verhaltensweisen unter Jugendlichen wirksam entgegentreten und Grenzen setzen können. Hierzu hat BIKnetz – Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus die ersten Fort- und Weiterbildungen zur Erprobung des Rahmencurriculums „HandlungsKOMPETENZ – ein Bildungsangebot zum Umgang mit rechtsextrem gefährdeten bzw. orientierten Jugendlichen für pädagogische Fachkräfte“ gestartet.

Die Durchführung erfolgt in Kooperation mit regionalen Bildungsträgern. Seit Anfang November können sich pädagogische Fachkräfte das erforderliche Know-how sowie die notwendigen fachlichen und persönlichen Kompetenzen in regional angebotenen Fort- und Weiterbildungen aneignen.

Das Fundament für die Ausgestaltung der Fort- und Weiterbildungen bildet das von der Kontaktstelle BIKnetz entwickelte Rahmencurriculum „HandlungsKOMPETENZ“. www.biknetz.de/kompetenzen-staerken/rahmencurriculum.html <http://www.biknetz.de/kompetenzen-staerken/rahmencurriculum.html>

22 Bildungsträgern wurden in den Jahren 2013 und 2014 mit 40 Fortbildungen und neun Weiterbildungen in 12 Bundesländern für eine Erprobungsphase ausgewählt. Eine Übersicht aller umsetzenden Bildungsträger finden Sie auf der Internetseite www.biknetz.de/kompetenzen-staerken.html <http://www.biknetz.de/kompetenzen-staerken.html>.

Fragen wann und wo die nächsten Bildungsmaßnahmen stattfinden oder wo es noch offene Plätze gibt, können Interessierte bei der Kontaktstelle BIKnetz erfragen!

Hintergrund zum BIKnetz BIKnetz-

Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus ist ein bundesweites Informations- und Kompetenznetz zur Unterstützung der präventiv-pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus und möchte insbesondere pädagogischen Fachkräften mehr Handlungssicherheit im Umgang mit rechtsextremistisch gefährdeten bzw. orientierten Jugendlichen geben. Das Angebot richtet sich vorwiegend an pädagogische Fachkräfte aus Jugendhilfe, Sozialer Arbeit, Schule sowie an Politik/Verwaltung und (Fach-)Öffentlichkeit.

Das Bundesfamilienministerium unterstützt und fördert mit Aktions- und Bundesprogrammen bereits seit Jahren erfolgreich präventiv-pädagogische Projekte und Beratungsangebote gegen Rechtsextremismus. In der Bilanz zeigt sich, dass vielfältig bewährte Ansätze oftmals verstreut und nicht immer sichtbar sind. Diese Defizite zu beheben, ist Auftrag des BIKnetz – Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus. Ziel ist, das vorhandene Wissen zu heben, Kompetenzen auf allen Ebenen zu stärken und Öffentlichkeit für dieses Thema herzustellen.

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