Wie Kaninchen vor der Schlange …

13. November 2013 | Themenbereich: Bundeskriminalamt, Bundespolizei | Drucken

Die Herbsttagung des Bundeskriminalamts unter dem Titel „Cybercrime – Bedrohung, Intervention, Abwehr“ leistet einen wertvollen Beitrag zum Verständnis dieses Phänomens. Die permanente Zunahme von Straftaten im Bereich der Cybercrime, die immer komplexeren Herausforderungen und die Schwierigkeiten in der Bekämpfung virtueller Kriminalität nur darzustellen, reicht jedoch nicht aus.

Denn nach wie vor ist die Polizei in Deutschland und selbst das BKA nicht ausreichend vorbereitet, um diesem Phänomen effektiv zu begegnen.

„Wir sitzen nach wie vor wie das Kaninchen vor der Schlange“, so Andy Neumann, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter im Bundeskriminalamt. „Wir kennen zwar das Ausmaß unserer Bedrohung, sind aber weitgehend gelähmt von den Rahmenbedingungen“.

Sowohl die personellen als auch die technologischen Kompetenzen bleiben noch weit hinter dem Bedarf zurück. Forderungen der Behörden, unterstützt von zahlreichen Experten, die Polizei endlich zukunftsfähig zu machen, scheitern regelmäßig, überwiegend an haushalterischen Zwängen. Dies ist schon deshalb zu kurz gegriffen, weil allein der wirtschaftliche Schaden durch Cybercrime in keinem Verhältnis zu den vergleichsweise bescheidenen Forderungen der Verbrechensbekämpfung steht.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass vielen Akteuren nicht einmal die Zusammenhänge im Spannungsfeld (Daten)freiheit und Sicherheit klar sind. „Wenn völlig unreflektiert der NSA- Skandal genutzt wird, um gegen die Verkehrsdatenspeicherung zu argumentieren, werden schlicht Äpfel mit Birnen verglichen, um Stimmung zu machen“, so Neumann. Sachliche Argumente blieben oft auf der Strecke.

„Dabei würde am Ende jeder Polizist damit leben können, wenn die VDS nicht mehr kommt – man darf dann nur nicht so verlogen sein, zu behaupten, das hätte keine negativen Folgen. Und es vor allem nicht der Polizei überlassen, den betroffenen Bürgern diese Folgen zu erklären.“

Neumann wünscht sich eine klare Definition der sicherheitspolitischen Risiken, die aus Sicht der Verantwortlichen im Bereich „Cybercrime“ getragen werden müssen, und eine entsprechende Entlastung der Sicherheitsbehörden, wenn diese Risiken eintreten.

„Denn eines ist doch klar“, konstatiert Neumann. „Wenn die Schlange zubeißt und der Cyber- GAU kommt, wird wieder mit dem Finger auf die Sicherheitsbehörden gezeigt und gerufen: ‚Ihr seid Schuld‘!“

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.