Der Wahnsinn nimmt kein Ende!!

12. November 2013 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Niedersachsen | Drucken

Nach dem emotional aufgeladen Spiel zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 vom 8. November 2013 fragt man sich schon, was die Verantwortlichen auf Seiten der sogenannten Fan-Clubs aus der Vergangenheit gelernt haben.

Eine Anmerkung des BDK-Landesvorsitzenden Ulf Küch zu den Vorfällen in Hannover.

Nach dem emotional aufgeladen Spiel zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 vom 8. November 2013 fragt man sich schon, was die Verantwortlichen auf Seiten der sogenannten Fan-Clubs aus der Vergangenheit gelernt haben.

Um ehrlich zu sein, offensichtlich nichts, oder zumindest nicht viel, denn die Diskussion über die Pyrotechnik in Stadien wird immer wieder von den Fan-Clubs angestoßen und dabei meines Erachtens immer noch nicht entschieden genug von allen Verantwortlichen abgelehnt. Denn der Präsident von Hannover 96, Herr Kind, hat da vollkommen recht. Pyrotechnik ist und bleibt ein gefährlicher und krimineller Unfug. Häufig stellt die Kripo sogenannte Polen-Böller [ohne Zulassung in Deutschland] und Bengalos sicher, die so gefährlich sind, dass die PTB in Braunschweig nach einer Sicherstellung die zuständige Kripo in Braunschweig darum gebeten hatte, das „Zeug so schnell wie möglich nach Munster“ zu bringen, damit es dort gesprengt wird.

Dabei liegen doch auch für den normal denkenden Menschen die Gefahren von Pyrotechnik in Stadien auf der Hand.

Zunächst einmal werden unsere uniformierten Kolleginnen und Kollegen mit diesen „Waffen“ schon vor den Stadien beschossen und können dabei lebensgefährlich verletzt werden. Schon hier müsste eigentlich gegen die Verursacher nicht wegen Verstoßes nach dem Sprengstoffgesetz, sondern mindestens unisono wegen versuchten Totschlages ermittelt werden.

Besonders dann, wenn wie in Hannover geschehen, selbst Spieler auf dem Platz mit Raketen beschossen werden. Da muss jetzt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt werden und zwar ohne „Wenn und Aber“. Damit hätte die öffentliche Diskussion auch eine ganz andere Qualität.

Kein „Kavaliersdelikt im Stadion“ mehr, sondern es wird wegen versuchten Totschlages ermittelt!!

Und wie ist die Wirkung im Stadion?

Da erschrecken sich Fans, Spieler und Schiedsrichter alle fürchterlich. Denn es ist ja nicht so, dass angekündigt wird: „Hey, in zwei Minuten zünden wir einen Böller“. Daneben führt das Abbrennen von bengalischen Feuern zu Atembeschwerden. Wir wissen aus kriminalpolizeilicher Erfahrung, dass selbst bei harmlosen Schwelbränden drei Atemzüge bereits ausreichen, um in die „ewigen Jagdgründe“ zu verschwinden. Die Verbrennungsgase, die beim Abbrennen von Bengalos entstehen, sind von der Zusammensetzung nicht anders. Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn aufgrund von Atemnot in der Nordkurve eines Stadions plötzlich eine Panik ausbricht.

Und wie sieht es mit der Hitzeentwicklung aus?

Je nachdem, wie groß der Magnesiumanteil ist, können die Bengalos mehr als 1000 Grad heiß werden. Wenn man da zu dicht dran kommt, kann man ganz schnell in Flammen stehen. Da kommt dann auch jede Hilfe zu spät. Das sind meines Erachtens alles Gefahrenmomente, die es nicht rechtfertigen, auch nur im Ansatz drüber nachzudenken, Pyrotechnik zuzulassen. Man kann doch nicht ernsthaft der Meinung sein, dass es zum „Eventcharakter“ im Stadion gehört, andere Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen.

Das Argument, man könne Bengalos kontrolliert abbrennen, ist leider auch eine Weisheit aus dem Märchenland der Ultras.

Ich wüsste nicht, wie man diese Kontrolle herstellen kann. Man darf ja dabei nicht außer Acht lassen, dass ein „kontrollierter Einsatz“ von Feuerwerk überhaupt nicht steuerbar ist. Hinzu kommt, dass wenn man mit dem Zeug hantiert, eine behördliche Genehmigung erforderlich ist. Und die hat es nach meiner Kenntnis noch nie für eine solche Aktion in einem deutschen Stadion gegeben.

Aus Sicht des Bund Deutscher Kriminalbeamter halte ich das Abbrennen von Pyrotechnik für höchst kriminell und es muss wie eingangs erwähnt ganz anders von der Justiz bewertet und geahndet werden. Da hat die Minderheit der Ultras mit ihrer Meinung gegenüber der breiten Masse zurückzustehen. Das Argument, dass die Fans, die sich in diesen Bereichen aufhalten, um die Gefahr wissen, lasse ich nicht gelten. Schließlich haben auch die eigenen Leute ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Denen ist es doch auch nicht egal, wenn sie eines Tages mit den Füßen voran aus dem Block getragen werden. Eine Legalisierung von Pyrotechnik käme einer Einwilligung zur Körperverletzung oder noch Schlimmerem gleich.

1 Kommentar
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  1. Ach hört doch auf zu philosophieren…ist schon langweilig es immer wieder zu hören wie „gefährlich“ pyro ist. Wem es nicht gefällt..soll sich nicht bei den FANS stellen, sondern sich bei den Zuschauern hinsetzen!!

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