„Das Klima in der Polizei muss kritisch-konstruktiv, offen und vertrauensvoll sein“

8. November 2013 | Themenbereich: Polizei, Schleswig-Holstein | Drucken

Die schleswig-holsteinische Landespolizei nimmt bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus seit Jahren eine führende Rolle ein. „“Die Polizei ist in vielen Bereichen Schrittmacher und Vorbild““, sagte Innenstaatssekretär Bernd Küpperbusch am Donnerstag (7. November) in Bad Malente (Kreis Ostholstein). Zusammen mit dem Präsidenten des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, eröffnete der Staatssekretär in den Räumen der ehemaligen Polizeischule eine Dauerausstellung „Gegen das Vergessen“ zur Person und dem Schaffen Wilhelm Krützfelds.

Die Polizeischule des Landes wurde vor 20 Jahren nach Wilhelm Krützfeld benannt. Sie ist inzwischen Teil der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei (PDAFB) in Eutin. „“Die Namensgebung im Jahre 1993 hat den Blick auf den Mut eines Einzelnen in einem Unrechtsregimes gelenkt““, sagte Küpperbusch. Gleichzeitig begann in der Landespolizei eine intensive Aufarbeitung der Verstrickung der Polizei in die NS-Diktatur.

„“Die Ausstellung ‚Gegen das Vergessen‘ kann und soll einen Teil zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte der Polizei beitragen““, sagte der Staatssekretär. Alle Besucher, meist Polizeibeamte, die an einem Fortbildungskurs teilnehmen, erhielten die Gelegenheit, sich mit der Geschichte ihrer Organisation und dem couragierten Verhalten eines Einzelnen zu befassen. Küpperbusch sieht jede Polizeibeamtin und jeden Polizeibeamter, aber insbesondere die Führungskräfte in der Verantwortung. Sie müssten den Nachwuchskräften Orientierung geben und Vorbild sein.

„“Wir müssen stets darauf achten, dass das Klima in der Polizei kritisch-konstruktiv, offen und vertrauensvoll ist““, sagte Küpperbusch. Widerspruch und Reflexion seien notwendig und dürften nicht zu Ausgrenzung oder mangelndem Respekt führen. Die Polizei müsse der Bevölkerung als zum offenen Dialog bereite Bürgerpolizei entgegentreten „“Intoleranz, Ausgrenzung, Befehl und Gehorsam gehören in unserer heutigen Gesellschaft der Vergangenheit an““, sagte der Staatssekretär.

Der Polizeioberleutnant Wilhelm Krützfeld, ein gebürtiger Schleswig-Holsteiner, leitete das Berliner Polizeirevier 16. Er bewahrte in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße vor der Zerstörung und bewies lebensgefährliche Zivilcourage. Beamte seines Reviers stellten sich einer Gruppe von SA-Leuten entgegen, die bereits Feuer gelegt hatten und zwangen sie zum „Rückzug“. Die Beamten ordneten sofortige Löscharbeiten an, obwohl die Feuerwehr den Befehl hatte, keine brennenden Synagogen zu löschen. Man berief sich dabei auf die bestehenden Gesetze zum Denkmalschutz. Am 10.November 1938 musste sich Wilhelm Krützfeld für diese Vorkommnisse beim damaligen Polizeipräsidenten, Graf von Helldorf, verantworten und wurde gerügt. Weitergehende „Strafen“ wären bei solchen Sachverhalten durchaus wahrscheinlich gewesen.

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