„Wichtiger als längeres Einsperren ist gute Integration junger Menschen in der Gesellschaft“

28. Oktober 2013 | Themenbereich: Schleswig-Holstein, Strafvollzug | Drucken

Justizministerin Anke Spoorendonk hält den schleswig-holsteinischen Weg im Umgang mit Jugendkriminalität für sinnvoller als die aktuell diskutierten Forderungen insbesondere Bayerns nach einer Verlängerung des Jugendarrestes. „“Ich halte die Vorstellung für verfehlt, man könne durch längere Inhaftierung im Jugendarrest eine sozialkonforme Entwicklung straffällig gewordener junger Menschen fördern. Das Gegenteil ist der Fall: Nachhaltige Veränderungen müssen sich vor allem in der Lebenswirklichkeit einstellen und im sozialen Beziehungsgeflecht beweisen. Freiheitsentzug bringt – neben seinen unmittelbaren schädlichen Wirkungen – die Gefahr mit sich, dass Erfolge pädagogischer oder therapeutischer Prozesse nicht über den Tag der Entlassung Bestand haben““, erklärte Spoorendonk heute (28. Oktober) auf einer Fachtagung des Schleswig-Holsteinischen Verbandes für soziale Strafrechtspflege.

Der von der Landesregierung vorgelegte Entwurf für ein Jugendarrestvollzugsgesetz befindet sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren im Landtag. „“Ich halte den schleswig-holsteinischen Ansatz für deutlich besser: Wir sehen den Freiheitsentzug des Jugendarrestes vor allem als Möglichkeit an, um pädagogische Prozesse zu initialisieren, die über die Vollzugszeit hinausgehen. Wir legen einen Schwerpunkt auf die Vernetzung insbesondere mit Jugendämtern sowie anderen Trägern und Behörden, die bereits mit dem Jugendlichen arbeiten oder dies zukünftig tun werden. Darauf richten wir auch unser Jugendarrestvollzugsgesetz aus““, so die Ministerin. Eine Verlängerung der zulässigen Dauer des Jugendarrestes von derzeit vier Wochen auf drei Monate ändere an dem Grundproblem des Jugendarrestes nichts.

Laut kriminologischer Studien gibt es ernstzunehmende Hinweise darauf, dass freiheitsentziehende Sanktionen delinquente Lebensphasen junger Menschen eher verfestigen und verlängern, als dass sie einen Beitrag zu deren Beendigung leisten. „“Ich finde es daher gut, dass unsere Justiz sehr verantwortungsvoll mit der Anordnung von Jugendarrest, Jugendstrafe und anderen freiheitsentziehenden Maßnahmen umgeht““, betonte Spoorendonk.

 

 

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