Kampfmittelräumdienst entschärfte 239 große Bomben

28. Oktober 2013 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz, Nordrhein Westfalen | Drucken

Experten der Kampfmittelräumdienste haben im vergangenen Jahr insgesamt 239 Bomben mit einem Gewicht von mindestens 50 Kilogramm in NRW aufgefunden und unschädlich gemacht. Dabei spielen die Zufallsfunde eine immer geringere Rolle. „Häufig finden wir Bomben durch Luftbilder der Alliierten. Darauf erkennen wir Gefahrenpunkte und können die Bomben entschärfen“, erklärte Innenminister Ralf Jäger heute (28.10.) bei der Vorstellung des Gefahrenabwehrberichts 2012 in Düsseldorf.

Kriegsluftbilder liefern den Experten vom Kampfräumdienst Erkenntnisse darüber, wo heute noch Bomben liegen. In 104 Fällen konnten Weltkriegsbomben auf den Bildern erkannt und anschließend geräumt werden. Weitere 45 Blindgänger wurden endeckt, weil die Aufnahmen Verdachtsmomente lieferten.

Auch bei Bauvorhaben wertet der Kampfmittelräumdienst gezielt Luftbilder aus. Ergibt sich dabei der Verdacht einer nicht detonierten Weltkriegsbombe überprüfen die Entschärfer den Baugrund. 2012 gab es 14.635 Anfragen durch Bauherren (Vorjahr: 14.743) an die Kampfmittelräumdienste in Düsseldorf und Arnsberg. In 1.811 Fällen wurden Granaten, Bomben oder andere Sprengmittel zufällig entdeckt (1.946).

Im vergangenen Jahr wurden 706 Bomben (Vorjahr: 862) entschärft. Dazu zählen neben den 239 (247) Bomben mit einem Gewicht von 50 Kilogramm und mehr, auch Nebel-, Brand-, Splitter- und kleinere Sprengbomben. Insgesamt wurden 6.412 Kampfmittel (12.108) geräumt, darunter 4.611 Granaten und Handgranaten (9.470), 63 Minen (26) und 1.032 (1.750) andere Sprengmittel.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Explosivstoffmenge mit 32,5 Tonnen Sprengstoff konstant geblieben, obwohl die Stückzahl deutlich zurückgegangen ist. Das liegt daran, dass im Jahr 2012 mehr großkalibrige Kampfmittel aufgefunden wurden. „Die Zahlen zeigen, wie wichtig die Kampfmittelbeseitigung auch über 65 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch ist und weiterhin bleiben wird“, betonte Jäger.

Sieben Bomben mussten vor Ort wegen ihres Zünderzustands oder besonders kritischer Langzeitzünder gesprengt werden. Nur in einem Fall kam es im September 2012 in Viersen zu Gebäudeschäden. Ende November fand eine der aufwendigsten Räumungen der Nachkriegszeit im Dortmunder Klinikviertel statt. Dort lag an einer besonders sensiblen Stelle eine 500-kg-Sprengbombe. Die Bombe war bei Bauarbeiten bewegt worden, was das Entschärfen verkomplizierte. Ein Radius von 500 Meter wurde geräumt. Patienten wurden innerhalb der Kliniken und in andere Krankenhäuser verlegt. Obwohl der Zünder beschädigt war, musste die Bombe nicht gesprengt werden. Sie konnte nach 14 Stunden entschärft werden.

Leider gab es im vergangenen Jahr auch Unfälle mit Kampfmitteln. Bei einem Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes kam es zu schweren Verbrennungen, als er Treibladungspulver beseitigte. „Das zeigt, wie gefährlich die tägliche Arbeit der Kampfmittelbeseitiger ist“, erläuterte der Minister.

Fünf Personen erlitten Atemwegsreizungen, weil sie Rauchgas oder Dämpfe von phosphorhaltiger Brandmunition inhalierten. Jäger mahnte deshalb: „Hände weg von Munitionsfunden! Schlechter Zustand und Rost sind kein Beweis für Ungefährlichkeit, ganz im Gegenteil.“

Mitarbeiter von Tiefbauunternehmen, Kinder, Sammler von Militärgegenständen, Land- und Forstwirte sind besonders gefährdet. Bei verdächtigen Funden müssen Polizei und Ordnungskräfte sofort informiert werden.

Das Land zahlte im vergangenen Jahr rund 13,6 Millionen Euro, um Kampfmittel zu beseitigen und die Entsorgungstechnik zu modernisieren. Der Bund erstattete etwa 2,7 Millionen Euro für die Beseitigung der ehemals reichseigenen Munition zurück.

An private Räumfirmen vergab Nordrhein-Westfalen Aufträge in Höhe von 5,6 Millionen Euro.

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