Gewalt in Fußballstadien

15. Oktober 2013 | Themenbereich: Bremen | Drucken

Weniger Gewalt bei Bundesligaspielen, weiterhin eine angespannte Sicherheitslage – dieses ist die Zusammenfassung der am heutigen Tag (14. Oktober 2013) von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) vorgestellten Auswertung der polizeilichen Einsatzstatistiken der vergangenen Fußballsaison 2012/2013.

Im Vergleich zur vorhergehenden Saison 2011/12 ist dabei sicherheitsgefährdendes und gewalttätiges Verhalten sogenannter Fußballfans im Bereich der beiden Bundesligen insgesamt zurückgegangen. So waren bei den Kennzahlen des Spielbetriebes an den Standorten mit Vereinen beider Bundesligen im Berichtszeitraum zu freiheitsentziehenden/-beschränkenden Maßnahmen, Strafverfahren, Verletzten und Arbeitsstunden Rückgänge zwischen ca. sechs und ca. 31 Prozent gegenüber der vorhergehenden Saison 2011/12 zu verzeichnen. Signifikant ist insbesondere der Rückgang der Verletztenzahlen von 1.142 (2011/12) auf 788 (2012/13).

Diese Rückgänge sind im Wesentlichen auf den Abstieg ehemaliger Zweitligavereine in die 3. Liga zurückzuführen. Dies führte dort allerdings im Berichtszeitraum zu einem überproportionalen Anstieg der entsprechenden Kennzahlen in den zuvor genannten Bereichen zwischen ca. 19 und ca. 71 Prozent. Damit bewegen sich Sicherheitsstörungen und gewalttätiges Verhalten im Zusammenhang mit Fußballveranstaltungen nach wie vor insgesamt auf einem saisonal schwankenden, jedoch weiterhin hohen Niveau.

Insgesamt war der Einsatzaufwand in Bremen mit 45.328 Stunden in der Saison 2012/13 deutlich höher als 2011/12. In der Saison 2012/2013 war die Polizei Bremen bei Spielen des SV Werder Bremen in der Bundesliga im Weser-Stadion, des SV Werder Bremen II und des FC Oberneuland in der Regionalliga auf Platz 11 und im Sportpark am Vinnenweg im Einsatzgeschehen gebunden.

Ein absoluter Vergleich der Spielzeiten ist nicht angemessen, da aufgrund von Auf- und Absteigern mit unterschiedlichen Fanverhältnissen sowie einer Vielzahl von Faktoren, – von der Spielansetzung, der aktuellen Situation im Spielbetrieb, bis zur aktuellen Situation in den Fangruppen -, das Einsatzgeschehen beeinflusst wird.

Der 5-Jahres-Vergleich zeigt dabei zwar eine deutliche Reduzierung; diese beruht aber im Wesentlichen auf der geringeren Anzahl von Spielen.

In der Saison 2012/13 ist für die Heimbegegnungen des SV Werder Bremen in der 1. Bundesliga festzustellen, dass der Aufwand beim Personal (+14,59%) als auch die Summe der Einsatzstunden (+14,16%) deutlich zugenommen haben. Ursächlich für diesen Anstieg ist wiederum der gestiegene Aufwand für die Bewältigung der Risikospiele (Mehraufwand für die Maßnahmen zur Durchsetzung eines Fanmarschverbotes sowie der Fantrennung). Für diese wurden allein 57,61% der Gesamteinsatzstunden aufgewendet. Mäurer wies darauf hin, dass über die Hälfte (57,61%) der Einsatzstunden bei den vier sogenannten „Risikospielen“, bei welchen erfahrungsgemäß mit Ausschreitungen zu rechnen ist, angefallen ist.

„Um der Spirale zunehmender Gewalt bei Fußballveranstaltungen und damit verbundenen immer weiter steigenden Einsatzstärken und Einsatzstunden in diesem Bereich entgegen zu wirken, sind Deeskalation und Dialog die zentralen strategischen Ansätze der Einsatzkonzepte zur Bewältigung der Fußballlagen in Bremen“, so Bremens Innen- und Sportsenator Ulrich Mäurer.

Ein weiterer Schwerpunkt liege dabei auf einer noch stärkeren gewaltpräventiven Arbeit der Fanprojekte. Die Tatsache, dass sich DFB und DFL hier künftig stärker finanziell engagieren wollen war eine Kernforderung der Innen- und der Sportministerkonferenz der vergangenen Jahre.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die DFL ihre TV-Einnahmen mit Beginn der Saison 2013/14 um mehr als 50 Prozent auf durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Spielzeit steigern konnte, wurde der Ruf nach einem stärkeren Engagement des Fußballs laut. Allein in diesem Jahr werden DFB und DFL so bei der Finanzierung der Fanprojekte über 2,5 Mio. € zusätzlich (von 3,08 Mio. € auf 5,65 Mio. €) für gewaltpräventive Arbeit bereitstellen.

Bremens Innen- und Sportsenator erklärte dazu, dass „die Arbeit und die Qualität der Fanprojekte die Basis des Erfolgs von gewaltpräventiven Maßnahmen sind“. Nur hier im Bereich der Jugendsozialarbeit kann es gelingen einen Zugang zu denen zu erhalten, die sich ansonsten staatlichen Präventionsbemühungen entziehen. „Gerade deswegen gilt es, die Arbeit der Fanprojekte zu stärken“, so Mäurer. Hierzu greift die neue Regelung, dass DFB/DFL seit 01. Juli 2013 die Hälfte (vorher ein Drittel) der Kosten der Fanprojekte übernehmen, die Länder und Kommunen übernehmen jeweils ein Viertel (vorher jeweils ein Drittel) der Kosten. Da Länder und Kommunen zugesichert haben, ihre Finanzierung der Fanprojekte der Höhe nach unverändert beizubehalten, stehen den Fanprojekten so künftig mehr Mittel zur Verfügung.

„Es hat sich durchaus bereits eine Menge in den Stadien und dem Umfeld getan“, bilanzierte Senator Mäurer. Er wies jedoch auch darauf hin, dass man noch lange nicht am Ende der Reise sei.

Mäurer begrüßt in diesem Zusammenhang die von DFB und DFL in Verabredung mit der Innenministerkonferenz getroffenen Maßnahmen (verbesserte Standards im Bereich der Videotechnik in den Stadien, Verschärfung der Stadionverbote durch DFB und DFL, Schaffung eines systematisierten Sanktionskatalogs, insbesondere für den Gebrauch von Pyrotechnik).

Bei der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) werden relevante Informationen zur Vorbereitung und Unterstützung von Polizeibehörden in Deutschland bei der Durchführung von Fußballeinsätzen zusammengeführt, bewertet und aufbereitet. Die zugrundeliegenden Daten werden von den Einsatz führenden Polizeibehörden erhoben. Dies gilt auch für die Erhebung der Zahlen gewaltgeneigter oder gewaltbereiter Anhänger eines Vereins.

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