Innensenator Henkel muss die faulen Früchte seiner Vorgänger ernten

7. Oktober 2013 | Themenbereich: Berlin, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Die Polizei läuft Gefahr, in den nächsten zehn Jahren nicht genügend qualifizierte Einstellungen vornehmen zu können!

Innensenator Henkel machte in einem Schreiben an den BDK vom 16. September deutlich, dass der „Werbung und Einstellung von geeigneten Nachwuchskräften für den Polizeivollzugsdienst“ eine „besondere, weil grundlegende Bedeutung für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ in Berlin zukomme. Er führt aus, dass in den kommenden zehn Jahren rund 6300 Vollzugsbeamtinnen und – beamte ausscheiden werden. So sollen bereits im nächsten Jahr 788 Anwärterinnen und Anwärter, 2015 dann 842 Bewerberinnen und Bewerber eingestellt werden. Der Senator weiter: „Ich hoffe sehr, dass es der Polizei gelingt, trotz einer schwierigen Bewerberlage die angestrebten Einstellungsraten zu erfüllen.“

Der BDK begrüßt die späte Erkenntnis der verschiedenen Verantwortlichen, dass in dieser Frage dringend etwas getan werden muss. Bereits als Berlin zwischen 2002 und 2006 – damals mit einem rot- roten Senat – keine Neueinstellungen vornahm und die bis zu 100.000- Euro schweren Absolventinnen und Absolventen an andere Bundesländer und das BKA verschenkte, warnten alle Gewerkschaften vor den jetzt zu Tage tretenden Problemen. Vorausschauende Personalplanung sieht anders aus!

Die Ausbildung (mittlerer Dienst) und das Studium (gehobener Dienst) dauern zweieinhalb bzw. drei Jahre. Allein dies erfordert einen entsprechenden Vorlauf. Diese jungen Kolleginnen und Kollegen benötigen im Anschluss aber in aller Regel noch eine mindestens ein- bis zweijährige Einarbeitungszeit in der Praxis – einen erfahrenen Schutz- oder Kriminalpolizisten können sie nicht ab dem ersten Tag 1:1 ersetzen. Somit erhöht sich der relevante Zeitraum auf bis zu fünf Jahre.

Bezüglich der von Senator Henkel genannten Zahlen bedeutet dies, dass der nach seiner Prognose bis 2023 erforderlichen Personalersatz spätestens 2020 eingestellt werden muss. Es bleiben allerdings nach 2015 noch immer über 4600 Stellen zu besetzen. Nach BDK- Informationen könnte 2016 ein im Vergleich zu den genannten Zahlen erheblich höherer Bedarf an Einstellungen von Anwärterinnen und Anwärtern erforderlich werden. Wie das vor dem Hintergrund der dafür notwendigen Ausbilderinnen und Ausbilder und logistischen Erfordernisse gelöst werden soll, beobachten wir gespannt.

Der Innensenator hat es gut erkannt, die Bewerberlage ist schwierig. Sie wird sich nach unserer Einschätzung noch weiter verschärfen, denn die Berliner Behörden sind in ihrem eigenen Land weder bei der Besoldung noch bei konkreten beruflichen Perspektiven konkurrenzfähig.

Das Land wird nun die faulen Früchte der kurzsichtigen Politik des vergangenen Jahrzehnts gerade bei der Personalplanung und der Einstufung der Berliner Kolleginnen und Kollegen als „Beamte zweiter Klasse“ ernten. Na dann: Mahlzeit!

 

 

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