Gute Bildung für erfolgreiche Wiedereingliederung

20. September 2013 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Strafvollzug | Drucken

Eine gute Bildung und eine arbeitsmarktnahe Ausbildung sind die besten Voraussetzungen für ein Leben ohne Straftaten. Deshalb nimmt die schulische und berufliche Bildung Gefangener in den Justizvollzugsanstalten des Landes bereits einen hohen Stellenwert ein.

Um die Angebote weiter zu optimieren, haben Justizminister Rainer Stickelberger und Kultusminister Andreas Stoch nun Leitlinien für die Bildung im Vollzug vorgestellt. „Wir wollen allen Gefangenen ein bedarfsgerechtes und angemessenes Bildungsangebot machen“, sagten die beiden Minister während eines Besuchs in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg: „Durch Bildung erhalten die Gefangenen eine echte Chance auf soziale Integration und damit eine Perspektive für ihr weiteres Leben.“

Seit Frühjahr hat eine interministerielle Arbeitsgruppe des Justiz- und des Kultusministeriums an Leitlinien für die schulische und berufliche Bildung im Justizvollzug erarbeitet. Ziel sei, dass alle Gefangenen – unabhängig von der Dauer ihrer Haftstrafe, ihren Sprachkompetenzen und ihrer Nationalität – geeignete Angebote für ihre schulische und berufliche Weiterentwicklung bekommen. „Die Erfahrung zeigt, dass viele junge Menschen in den Justizvollzugsanstalten nur einen niedrigen Bildungsstand mitbringen“, sagte Justizminister Stickelberger. Sie müssten zunächst an die Angebote herangeführt und zur Teilnahme motiviert werden. „Die Ergebnisse zeigen aber, dass das bereits gut gelingt.“ So hätten im Schuljahr 2012/2013 insgesamt 422 Inhaftierte erfolgreich einen Schul- oder Berufsabschluss abgelegt. 184 Gefangene erreichten den Hauptschulabschluss (Schuljahr 2011/2012: 181), 22 den Realschulabschluss (Schuljahr 2011/2012: 22) und 8 die Fachhochschulreife (Schuljahr 2011/2012: 12). Eine Berufsausbildung absolvieren derzeit 497 Gefangene.

Gemeinsame Lehrerfortbildungen ausbauen

Ein Hauptanliegen der Minister ist, dass die Schulen innerhalb und außerhalb des Vollzugs in einem intensiveren Kontakt stehen und so von den jeweiligen Kompetenzen profitieren. „Die im Vollzug arbeitenden Pädagogen und Pädagoginnen haben große Kompetenzen in der individuellen Förderung junger Menschen mit besonderen Bildungsverläufen“, sagte Kultusminister Stoch. Deshalb wollen die beiden Ministerien etwa gemeinsame Lehrerfortbildungen ausbauen. Lehramtsstudierende sollen bessere Möglichkeiten bekommen, sich im Rahmen von Praktika mit der schulischen Welt hinter Gefängnismauern zu beschäftigen. „Wir sorgen für gute Bedingungen, damit Lehrer im Vollzug arbeiten oder Pädagogen aus Gefängnissen in Regelschulen wechseln können“, ergänzte Stoch. Damit werde auch sichergestellt, dass die vereinbarten Bildungsziele und Bildungsstandards in den Haftanstalten noch stärker berücksichtigt würden.

Auch der Anschluss an die Schul- und Berufswelt nach der Zeit einer Gefängnisstrafe soll stärker in den Blick genommen werden. Ein Ziel ist, dass junge Men-schen nach der Haftentlassung nahtlos ihre Ausbildung außerhalb des Gefängnisses fortsetzen können. Hier seien neben neuen Konzepten eine intensivierte Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie gemeinsame Strategien mit Kammern und Wirtschaftsverbänden erforderlich.

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