Polizeiwissenschaftler über Probleme der europäischen Gegenwart und Zukunft

9. September 2013 | Themenbereich: Aktuelle Veranstaltungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Nach zuletzt Oslo (2010), Madrid (2011) und Lyon (2012) findet die seit 2003 jährlich ausgerichtete „European Police Research and Science Conference“ (Polizei-Forschungs- und Wissenschaftskonferenz) der Europäischen Polizeiakademie (CEPOL) vom 11. bis 13. September 2013 an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Münster-Hiltrup statt. Damit ist die Hochschule nach sechs Jahren erneut Gastgeber für rund 130 nationale und internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Für das Programm konnten renommierte Polizeiforscher gewonnen werden, unter ihnen Professor James Sheptycki von der York University (Toronto, Canada).

Der 2001 als Netzwerk gegründeten EU-Agentur CEPOL gehören aktuell die 28 Staaten der Europäischen Union (EU) sowie Island, Norwegen und die Schweiz an (weitere Informationen unter www.cepol.europa.eu). Deutschland wird durch die Deutsche Hochschule der Polizei in diesem Netzwerk vertreten.

Im Zentrum der Fachvorträge werden die Auswirkungen der gegenwärtigen Finanzkrise und der damit verbundenen Haushaltsrestriktionen auf die Sicherheit und die polizeiliche Arbeit stehen. Weitere Schwerpunkte sind das Verhältnis der Polizei zu den Bürgern und der Umgang mit Minoritäten. Die Teilnehmer werden die Gelegenheit haben, aktuelle Erkenntnisse der Polizeiforschung und innovative polizeiliche Konzepte kennenzulernen.

Betroffen von den gegenwärtigen krisenhaften Entwicklungen sind besonders Menschen in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen, unter ihnen viele junge Menschen Die Betroffenheit und Wut dieser Menschen ist in Protesten und sozialen Unruhen zu beobachten. Die Polizei hat auch unter diesen Bedingungen für die Balance von Sicherheit und Freiheit zu sorgen. Häufig wird sie dabei als Symbol einer ungeliebten Staatsmacht gesehen und attackiert.

Mit den Auswirkungen dieser Entwicklung müssen sich auch die nicht unmittelbar betroffenen Länder der Euro-Region auseinander setzen. Zu beobachten sind zunehmend Antisemitismus, offene Aggressionen gegen Roma sowie Abneigung gegen bereits lange in Europa wohnende Migranten und Asylsuchende oder Flüchtlinge.

Wurde die Qualität polizeilicher Arbeit bereits bisher als Prüfstein der Demokratie angesehen, so wird sie heute zunehmend auch danach beurteilt, ob sie geeignet ist, zum sozialen Ausgleich und zu Gerechtigkeit in der Gesellschaft beizutragen. Dafür hat sich der Begriff „Police Accountability“ (Verantwortlichkeit/ Zurechenbarkeit) eingebürgert. „Police Accountability“ ist vor allem in englischsprachigen, im niederländisch-belgischen Raum und in Skandinavien ein Thema der Polizeiwissenschaft und wird ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz sein.

Darüber hinaus wird die Konferenz polizeihistorische Fragestellungen behandeln; insbesondere wird der Frage nachgegangen, wie Polizeisysteme sich den veränderten Bedingungen angepasst haben. Auch Auswirkungen auf die polizeiliche Aus- und Fortbildung – Stichwort „Bologna Prozess“- werden beleuchtet.

Die CEPOL-Website „Annual CEPOL European Police Research & Science Conference“ (https://www.cepol.europa.eu/index.php?id=research-science-conferences) bietet fortlaufend aktualisierte Informationen zur Konferenz.

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