BDK und GdP im Gespräch

26. Juli 2013 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Der neue GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow war am gestrigen Donnerstag zu Gast in der Bundesgeschäftsstelle des BDK in Berlin. Was folgte, war ein angenehmes, konstruktives und mit Blick in die Zukunft positiv stimmendes Gespräch, welches viele inhaltliche Gemeinsamkeiten bestätigte, natürlich aber auch einige Punkte deutlich aufzeigte, wo die beiden Interessenvertretungen nicht einer Meinung sind.

Am 10. April 2013, wurde der bisherige GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut vom niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD) zum Polizeipräsidenten der Polizeidirektion Osnabrück ernannt. Der vakante GdP-Bundesvorsitz wurde daraufhin kommissarisch vom schleswig-holsteinischen GdP-Landesvorsitzenden und stellv. Bundesvorsitzenden Oliver Malchow (50) übernommen, der sich dann auch bei der anschließenden Wahl gegen einen Mitkandidaten durchsetzen konnte und im Mai zum GdP-Vorsitzenden gewählt wurde.

Der BDK hatte Oliver Malchow nach seiner Wahl natürlich gratuliert und ihn herzlich zu einem „Antrittsbesuch“ in die Bundesgeschäftsstelle eingeladen. Dieser Einladung kam Malchow jetzt gerne nach.

Oliver Malchow ist langjähriger Gewerkschafter und der BDK freut sich durchaus auf die Zusammenarbeit mit ihm, denn es gibt eine ganz wesentliche inhaltliche Überschneidung: Malchow setzt sich, wie der BDK, für eine Direkteinstellung zur Schutz- und zur Kriminalpolizei und der „spartenbezogene“ Ausbildung ein.

Malchow saß bis vor wenigen Jahren in einer vom Innenministerium Schleswig-Holstein einberufenen Arbeitsgruppe, die an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung (FHVD) eingerichtet wurde und prüfen sollte, ob es nicht sinnvoller sei, die in Schleswig-Holstein praktizierte getrennte Einstellung und Ausbildung von Schutz- und Kriminalpolizei zugunsten einer „Einheitsausbildung“ aufzugeben. Zu der Arbeitsgruppe gehörten Lehrkräften der FHVD, Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Führungs- und Arbeitsebenen der Polizei von Schutz-, Wasserschutz- und Kriminalpolizei, Vertreter des Hauptpersonalrates, der Gewerkschaft der Polizei und des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Studierenden des Fachbereiches Polizei. Das Ergebnis der Arbeitsgruppe, welches in 16 „Leitsätzen“ präsentiert wurde, war mehr als deutlich und einstimmig: Die Arbeitsgruppe sprach sich für eine getrennte Einstellung und Ausbildung aus! Unter anderem erklärten sie:

  • Eine spartenübergreifende Grundlagenausbildung führt in der Gesamtschau zu weniger Fachwissen und weniger Qualität.
  • Bei der schutzpolizeilichen Tätigkeit ist die Vermittlung breiten Wissens erforderlich, wohingegen die kriminalpolizeiliche Tätigkeit in vielen Bereichen ein vertieftes Fachwissen erfordere und auf eine Kenntnis schutzpolizeilichen Fachwissens weitestgehend verzichtet werden kann.
  • Die Module zum Themenkreis der Verkehrssicherheitsarbeit sind für die Sachbearbeitung in kriminalpolizeilichen Funktionen nicht erforderlich. Eine Vermittlung dieser Inhalte widerspricht dem Grundsatz einer effizienten Ausbildung. Diese Stunden sollten besser genutzt werden, um noch mehr Qualitätssteigerung im Sinne der kriminalpolizeilichen Arbeit zu erreichen.
  • Bei einer spartenübergreifenden Ausbildung müsste insbesondere im kriminalpolizeilichen Bereich die fehlende Fachkompetenz durch zusätzliche spätere (kostenintensive) Lehrgänge vermittelt werden.
  • Auch in anderen Berufs- und Wissenschaftsbereichen gibt es eine Tendenz zur Spezialisierung. Die Polizei sollte sich ein Beispiel an der Juristenausbildung mit einer frühen Spezialisierung nehmen.
  • Eine spezialisierte Ausbildung ist im Ergebnis nicht teuer als eine Einheitsausbildung.
  • Bei einer Einheitsausbildung würde es nach sehr kurzer Zeit dazu kommen, dass sich nur noch lebensältere und erfahrene Beamtinnen und Beamte aus schutzpolizeilichen Funktionen für die Verwendung in sachbearbeitenden kriminalpolizeilichen Funktionen durchsetzen können. Folge wäre eine Überalterung der Kriminalpolizei und eine „Zweiklassenpolizei“ mit entsprechend negativen Auswirkungen auf das Klima zwischen den beiden Sparten.

Dem ist nichts hinzuzufügen und sollte Beispiel für alle Bundesländer sein. Der polizeiliche Erfolg – und damit auch der politische – ist abhängig von der Kompetenz auf schutzpolizeilicher und kriminalpolizeilicher Seite. Die getrennte Einstellung und spezialisierte Ausbildung ist eine der Antworten auf die Herausforderungen an die Kriminalitätsbekämpfung des 21. Jahrhunderts.

Der BDK wünscht Oliver Malchow alles Gute und für seine Arbeit im neuen Amt stets ein glückliches Händchen.

 

 

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