Hilfe für den Täter ist der beste Schutz für die Opfer

16. Juli 2013 | Themenbereich: Hessen, Justiz | Drucken

Der Staatssekretär im Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, Dr. Rudolf Kriszeleit, besuchte am Montag den pro familia-Bezirksverband Darmstadt-Bensheim e.V., um die Arbeit der Beratung gegen häusliche Gewalt zu würdigen. Dr. Kriszeleit überreichte der Geschäftsführerin Dagmar Zeiß und dem Berater Udo Brosette einen Zuwendungsbescheid über 7.400 Euro, um „die hervorragende Arbeit zu unterstützen“.

Dagmar Zeiß, die den pro familia-Bezirksverband Darmstadt-Bensheim e.V. seit 2008 leitet, ist Diplompädagogin und systemische Beraterin. Udo Brosette ist ausgebildet als Diplom-Sozialpädagoge, systemischer Familientherapeut und Supervisor. Dem Bezirksverband gehören die Beratungsstellen Darmstadt, Groß-Umstadt und Bensheim mit aktuell 22 Beschäftigten an.

„Die Opfer von häuslicher Gewalt schützen wir am besten, wenn wir dem Täter die Gewalttätigkeit abtrainieren. Den Frauen, denen Gewalt angetan wird, und den Kindern, die Gewalt erleben müssen, helfen wir am besten, wenn wir dem Täter beibringen, wie er seine Aggressionen in den Griff bekommt“, sagte Staatssekretär Dr. Kriszeleit.

Gemäß der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden laut Staatssekretär in 2011 in Hessen 7.562 Fälle häuslicher Gewalt registriert. Betroffen waren 7.624 Opfer (86,8 Prozent weiblich und 13,2 Prozent männlich). Von den 6.354 Tatverdächtigen waren 86,7 Prozent männlich und 13,3 Prozent weiblich.

Im Dunkelfeld seien weit höhere Fallzahlen zu vermuten, so Dr. Kriszeleit. Eine Studie zur „ebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ kam zu dem Ergebnis, dass jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren mindestens einen körperlichen und/oder sexuellen Übergriff durch einen aktuellen und/oder früheren Partner erlebt habe.

„Das Erlernen des Täters, Konflikte zur Vermeidung von Wiederholungstaten verbal zu lösen, ist mithin Opferschutz für aktuelle und zukünftige Partner. Um den Opferschutz auch über diesen Ansatz auszubauen, werden Täterberatungsstellen, die ein konzeptionell ausgewiesenes Arbeitsgebiet ‚Täterarbeit/häusliche Gewalt‘ haben, finanziell gefördert. Wir haben erstmals im Haushaltsplan 2013/2013 jeweils 100.000 Euro zusätzlich eingestellt. Die pro familia Darmstadt-Bensheim erhält in diesem Jahr für soziale Trainingsmaßnahmen mit Tätern in Fällen häuslicher Gewalt daraus eine Zuwendung in Höhe von 7.400 Euro“, so Staatssekretär Dr. Kriszeleit.

Täterarbeit ist ein Unterstützungs- und Beratungsangebot zur Verhaltensänderung für in Partnerschaften gewalttätige Männer und dient primär dem Opferschutz. Kernziel ist die Beendigung der Gewalt. Täterarbeit ist weder mit Psychotherapie noch mit klassischer psychosozialer Beratung gleichzusetzen. Vielmehr handelt es sich um ein zeitlich begrenztes kognitiv-verhaltensorientiertes Programm, das gewaltzentriert und konfrontativ arbeitet. Die Zielgruppe sind erwachsene Männer, die gegenüber ihrer (Ex-) Partnerin gewalttätig geworden sind. „Mit ihnen wird die Selbstbeherrschung geübt, dass sie lernen, nicht zuzuschlagen, dass eben Gewalt kein Mittel der Auseinandersetzung ist“, so Staatssekretär Dr. Kriszeleit. „Die Kandidaten suchen selbst Hilfe bei der Beratungsstelle oder werden durch Staatsanwaltschaft oder Gerichte zugewiesen. Täterarbeit versteht sich als Bestandteil der Interventionskette gegen häusliche Gewalt und findet in Kooperation und Vernetzung mit den zuständigen Institutionen wie Polizei, Justiz, Opferunterstützung, Jugendhilfe etc. statt.“

Besonders hervorzuheben sei bei der Täterarbeit des pro familia-Bezirksverbandes Darmstadt-Bensheim e.V. die besondere Berücksichtigung familiärer Zusammenhänge zum Schutz von Frauen und Kindern.

Im Bezirksverband wurden im Jahr 2012 mit 91 Tätern und Täterinnen (sieben weiblich, 84 männlich) insgesamt 535 Beratungseinheiten durchgeführt.

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