Mehr Sicherheit im Verkehr

2. Juli 2013 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Verkehr | Drucken

Weniger Tote und Verletzte im Straßenverkehr – das ist das Ziel des neuen Verkehrssicherheitskonzeptes für Baden-Württemberg, das die Landesregierung heute beschlossen hat. Es umfasst ein ganzes Bündel an Maßnahmen: bauliche Verbesserungen, mehr Informationen und Prävention, mehr Kontrollen.

„Wir wollen die Zahl der Toten und Verletzten im Verkehr deutlich reduzieren. Im Jahr 2020 sollen als wesentlicher Schritt hin zu einer „Vision Zero“ 40 Prozent weniger Menschen auf Baden-Württembergs Straßen zu Tode kommen als 2010“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Die Landesregierung möchte nicht hinnehmen, dass jedes Jahr die Anzahl der Verkehrstoten (2012: 471) der Einwohnerzahl eines kleinen Dorfes entspreche. „Jeder tödliche Unfall reißt einen Menschen plötzlich aus dem Leben. Er hinterlässt eine unersetzliche Lücke in der Familie, im Freundeskreis und häufig auch im Berufsleben“, sagte Innenminister Reinhold Gall. Auch sei vielen nicht bewusst, dass der jährliche volkswirtschaftliche Schaden durch Unfälle in Baden-Württemberg fast drei Milliarden Euro betrage.

Gesamtstrategie für mehr Verkehrssicherheit

Um dies zu vermeiden, integriert das Verkehrssicherheitskonzept bauliche Verbesserungen an Straßen, Kontrollen und Prävention in eine Gesamtstrategie. „Wir setzen bei den Menschen an – indem wir etwa gezielt auf besonders gefährdete Zielgruppen wie Senioren zugehen. Wir appellieren an die Hersteller, die Sicherheitstechnik von Fahrzeugen zügig weiter zu entwickeln und unterstützen entsprechende Vorgaben. Und wir optimieren die Infrastruktur mit dem Ziel fehlerverzeihender Straßen“, sagte Verkehrsminister Hermann.

 Neues Verkehrssicherheitsscreening und Verbesserungen an Straßen

Ein wichtiger Baustein für eine Entschärfung von Brennpunkten ist das neue Verkehrssicherheitsscreening. Erstmals fasst das Verkehrsministerium alle beim Land verfügbaren Daten zu Unfällen auf einer Plattform zusammen. „Damit können wir die Straßen im Land bis auf die Ebene von 100-Meter-Abschnitten auf Unfallschwerpunkte hin analysieren. In dieser Detailtiefe durchleuchtet kein anderes Bundesland sein Netz“, erklärte Verkehrsminister Hermann. Auf Basis von Unfalldaten, verknüpft mit Verkehrsdaten und Informationen zum Fahrbahnzustand, erstellt das Ministerium „Verkehrssicherheitssteckbriefe“. Damit ist es möglich, die die Mittel dort einsetzt, wo der Bedarf am dringendsten ist. „Wir werden uns sehr genau anschauen, wo die besonders kritischen Punkte liegen und wie wir die Sicherheit dort verbessern können“, erklärte Hermann. Die Landesregierung habe bereits die Mittel für Erhalt und Sanierung von Landesstraßen auf 100 Millionen Euro verdoppelt und damit die Voraussetzung geschaffen, um zügig auf neue Erkenntnisse reagieren zu können. Mögliche Maßnahmen sind etwa der Einsatz von Rüttelstreifen, die Verbesserung von Fahrbahnmarkierungen, die Beseitigung von Hindernissen im Seitenraum oder die Modernisierung der Leitplanken mit Unterfahrschutz.

 Mehr Verkehrskontrollen

„Verkehrssicherheitsarbeit ist auch eine Kernaufgabe der Polizei. Deutlich mehr Menschen verlieren ihr Leben im Straßenverkehr als durch Kriminalität“, stellte Innenminister Reinhold Gall fest. Die Landesregierung sorge jetzt für Verkehrssicherheit aus einem Guss. Durch das Verkehrssicherheitskonzept und die bevorstehende Umsetzung der Polizeistrukturreform schaffe die Landesregierung dafür gute Voraussetzungen.

Ein Baustein für den Erfolg der Verkehrssicherheitsarbeit sei nachweislich eine konsequente Verkehrsüberwachung. Denn fast jeder zweite tödliche Verkehrsunfall im Land ist auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. „Wir wollen und müssen mehr kontrollieren, gerade bei den Verkehrsverstößen, die unfallträchtig sind oder andere Verkehrsteilnehmer oder Anwohner zu Recht aufregen. Das wird vor allem durch die neuen Verkehrspolizeidirektionen in den zwölf Präsidien gewährleistet“, sagte der Innenminister.

Fahrkultur der Fairness

Insgesamt setzt das Verkehrssicherheitskonzept jedoch vor allem auf mehr Prävention. Es beinhaltet viele präventive Maßnahmen – wie etwa Radfahrausbildung in allen vierten Klassen der Grundschule. „Mehr Sicherheit entsteht vor allem im Kopf jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers. Eine Fahrkultur der Fairness wird viele Risiken minimieren“, sagte Hermann.

Senioren sollen länger mobil bleiben

Ein besonderes Augenmerk richtet das Verkehrssicherheitskonzept auf die älteren Verkehrsteilnehmer – etwa durch das Angebot von Fahrsicherheitstrainings. „Wir wollen das Thema offensiv und zügig angehen“, unterstrich Innenminister. Ziel sei es, Senioren angstfrei möglichst lange die Mobilität zu erhalten.

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