Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration von Gefangenen

11. Juni 2013 | Themenbereich: Schleswig-Holstein, Strafvollzug | Drucken

Justizministerin Anke Spoorendonk hat heute (10. Juni) in der Justizvollzugsanstalt Lübeck einen Zuwendungsbescheid über rund 1,31 Millionen Euro an den TÜV NORD Bildung übergeben. Die Fördermittel werden für die Bereitstellung von 163 Plätzen in beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen, vom EDV-Kurs bis zur Vollausbildung, sowie für eine arbeitsmarktorientierte Integrationsbegleitung an den Vollzugsstandorten Kiel, Lübeck und Neumünster bewilligt. „“Mit dem TÜV NORD Bildung ist ein bundesweit anerkannter Bildungsträger mit der anspruchsvollen Aufgabe der Qualifizierung im Vollzug befasst. Hochmotivierte und -qualifizierte Ausbilderinnen und Ausbilder stehen bereit, die sich ihrer Verantwortung im Vollzug bewusst sind. Mit einer guten Qualifizierung eröffnen sich den Haftentlassenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Und wer nach der Haft dauerhaft in den Arbeitsmarkt integriert werden kann, wird seltener rückfällig““, betonte Spoorendonk.

Im schleswig-holsteinischen Justizvollzug besteht ein breites Angebot von schulischen und beruflichen Qualifizierungsangeboten für Gefangene. Das Spektrum reicht von Schulkursen (Hauptschulkurs, Deutsch als Zweitsprache, Alphabetisierung) über Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und berufliche Teilqualifizierungen in verschiedenen Gewerken sowie EDV-Kursen bis hin zur Vollausbildung in insgesamt 11 handwerklichen Berufen. Von den bis zu 400 Plätzen werden rund 235 durch externe Bildungsträger im Vollzug angeboten.

Der TÜV NORD Bildung führt vornehmlich berufliche Teilqualifizierungen in modularer Form durch. Dafür werden insgesamt 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vollzug eingesetzt, davon drei im Bereich der arbeitsmarktorientierten Integrationsbegleitung. Die Integrationsbegleitung beginnt die in den letzten Monaten vor der Haftentlassung und dauert über die Haftentlassung hinaus an (etwa 6 Monate).

 Details der Förderung

In allen drei Anstalten (Kiel, Lübeck, Neumünster) wird eine Eingangsdiagnostik (Profiling) zur Ermittlung der Fähigkeiten und Kenntnisse, Interessen und erreichbarer Ziele angeboten. Das weitere Angebot ist standortspezifisch und zielgruppenorientiert. Es reicht von der beruflichen Grundbildung über Teilqualifizierungen bis hin zur Möglichkeit der Vollausbildung.

In der JVA Neumünster als zentraler Ausbildungsanstalt des Landes werden Teilqualifikationen in Bau- und Farbwerkstätten angeboten. Es können zudem Berufsausbildungen mit Gesellen- oder Facharbeiterbrief abgeschlossen werden (Maurer, Hoch- bzw. Ausbaufacharbeiter Fachrichtung Maurerarbeiten bzw. Trockenbau, Bauten und Objektbeschichter, Maler und Lackierer). Hinzu kommen Grund- und Aufbaukurse im EDV-Bereich sowie ein niedrigschwelliges Angebot der beruflichen Grundbildung, bei der schulische Grundkenntnisse aktiviert und grundlegende handwerkliche Fähigkeiten vermittelt werden. Hier bietet der TÜV NORD Bildung 72 Qualifizierungsplätze.

In der JVA Lübeck werden EDV-Kurse und die Möglichkeit der beruflichen Teilqualifizierung in der Gebäudereinigung sowohl im Frauen- als auch im Männervollzug angeboten. Die Teilqualifizierung in der Holzwerkstatt wird im Männervollzug und die in der Textilwerkstatt im Frauenvollzug angeboten. Des Weiteren stehen Teilnehmerplätze in der beruflichen Grundbildung im Männervollzug zur Verfügung. Die Gesamtzahl der Qualifizierungsplätze beläuft sich hier auf 52.

In der JVA Kiel wird neben dem niedrigschwelligen Angebot der berufsorientierten Grundbildung (Aktivierung von schulischen Grundkenntnissen und Vermittlung grundlegender handwerklich orientierter Fähigkeiten) eine modular aufgebaute Teilqualifizierung im Bereich der Gebäudereinigung angeboten. Hier bietet der TÜV NORD 40 Qualifizierungsplätze an.

Erfahrungsgemäß stoßen die Qualifizierungsangebote auf ein hohes Interesse. Die Plätze sind im Jahresschnitt zu über 90 Prozent ausgelastet.

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