Rotkohl, Knödel, Rinderbraten – der Jugendvollzug kocht!

4. Juni 2013 | Themenbereich: Schleswig-Holstein, Strafvollzug | Drucken

In der Jugendanstalt Schleswig werden an 365 Tagen im Jahr jeweils etwa 110 jugendliche Gefangene verpflegt. Hierfür ist die Anstaltsküche verantwortlich, die als Qualifizierungsbetrieb organisiert ist. Unter der Anleitung von erfahrenen Hauswirtschafts- und Küchenmeistern stehen bis zu 13 Qualifizierungsplätze für jugendliche Gefangene im Sieben-Tage-Betrieb zur Verfügung. Unter fachkundiger Anleitung bereiten die Jugendlichen täglich Frühstück, Mittagessen und Abendbrot zu. Sie gewinnen dabei Grundkenntnisse, die wertvolle Pluspunkte im Bewerbungsverfahren um einen Ausbildungsplatz im Gastronomiebereich nach der Haftentlassung sind.

Einen Eindruck ihres Könnens präsentierten die jungen Gefangenen einmal nicht nur den Mitgefangenen und Bediensteten. Sie hatten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Justiz zu einem Abendessen in der Jugendanstalt eingeladen, sich persönlich vom hohen Niveau der Berufsvorbereitung im Vollzug überzeugen zu lassen. Serviert wurde ein dreigängiges Menü, wie es an Feiertagen außerhalb und auch innerhalb des Vollzugs gern gereicht wird: Einer klaren Brühe mit Einlage folgt entweder Rinderbraten mit Rotkohl und Knödeln oder ein Salat für diejenigen, die die vegetarische Küche bevorzugen. Als Nachspeise werden zwei Cremes an Früchten serviert.

Justizministerin Anke Spoorendonk nutzte die Gelegenheit, in diesem Rahmen Herrn Hans-Herrmann Henken, dem Schulleiter und Geschäftsführer des Berufsbildungszentrums Schleswig (BBZ) einen Förderbescheid über rund 1,45 Millionen zu übergeben. Mit den Fördermitteln, davon rund 470.000 Euro Landesmittel und rund 980.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds aus dem Zukunftsprogramm Arbeit* für Schleswig-Holstein, wird die Durchführung der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen in der Jugendanstalt Schleswig für weitere eineinhalb Jahre (bis Mitte 2014) gesichert.

Die Ministerin freute sich, weil „“das BBZ ein regional aufs Beste vernetzter, äußerst anerkannter Bildungsträger ist, der neben dem Berufsschulunterricht auch die fach-praktische vorberufliche Qualifizierung und die arbeitsmarktorientierte Integrationsbegleitung übernimmt. Ein wahrer Glücksfall für den Vollzug, denn wir arbeiten gemeinsam daran, die jungen Gefangenen zu befähigen, zukünftig ein Leben ohne Straftaten und in sozialer Verantwortung zu führen. Eine vorberufliche Qualifizierung ist eine sehr gute Voraussetzung für einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz – einem der wesentlichen Bausteine, wenn es darum geht, Rückfälle zu vermeiden“.“

Hans-Herrmann Henken betonte: „“Unser Bemühen um eine gute schulische und berufliche Qualifizierung der jugendlichen Gefangenen ist auch ein Beitrag gegen den wachsenden Fachkräftemangel. Diejenigen, die wir heute im Vollzug auf eine Berufsausbildung vorbereiten und nach der Haftentlassung in eine Berufsausbildung vermitteln und unterstützen, sind auf dem besten Weg, zukünftig zu den gesuchten Fachkräften am Arbeitsmarkt zu gehören“.“

Das BBZ Schleswig bietet in der Jugendanstalt Schleswig insgesamt 70 Qualifizierungsplätze, davon 64 in der Berufsvorbereitung in sechs Bereichen an (Holz, Metall, Farbe, Bau-/Baunebenberufe, Gebäudereinigung und Gastronomie) sowie sechs arbeitstherapeutische Qualifizierungsplätze. Integraler Bestandteil des Angebotes sind ein arbeitsmarktorientiertes Profiling sowie EDV-Schulungen. Hinzu kommt das Angebot der Integrationsbegleitung (Übergangsmanagement), um die Chancen auf eine dauerhafte Integration zu verbessern. Dazu vermitteln sie zwischen den Jugendlichen und Arbeitsgebern aber auch Behörden wie Arbeitsagenturen und Jobcentern. Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Haftentlassung ist ein stabiles Netzwerk wichtig, um den im Vollzug begonnen Weg fortzuführen. Die Integrationsbegleiterinnen und -begleiter stehen in der Regel bis zu sechs Monaten nach der Entlassung, im Einzelfall auch länger, den Gefangenen im Rahmen eines landesweiten Netzwerkes zur Seite.

Konzeptionell ist das Angebot an Berufsvorbereitende Maßnahmen der Agentur für Arbeit außerhalb des Vollzugs angelehnt. Geeignete Gefangene können im Rahmen der Teilnahme auch einen Hauptschulabschluss erwerben. Qualifiziert werden Gefangene im Alter von 14 bis 24 Jahren. Das BBZ Schleswig setzt zur Qualifizierung und Integrationsbegleitung 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vollzug ein.

Das Zukunftsprogramm Arbeit ist das Arbeitsmarktprogramm der Landesregierung für die Jahre 2007 – 2013. Die Förderangebote zielen auf den Abbau der Jugendarbeitslosigkeit, eine höhere Erwerbsfähigkeit von Unternehmen und Beschäftigten und die Integration be-nachteiligter Personen in den Arbeitsmarkt. 216 Millionen stehen an Fördermitteln zur Verfügung. 100 Millionen kommen davon aus dem europäischen Sozialfond (ESF).

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