„Jugendgewalt sinkt innerhalb der letzten fünf Jahre um fast ein Drittel“

21. Mai 2013 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Innere Sicherheit | Drucken

„Der erfreuliche Trend bei der Jugendkriminalität hält auch 2012 an“, sagte Innenminister Reinhold Gall bei der Veröffentlichung des Jahresberichts 2012 zur Jugendkriminalität und Jugendgefährdung des Landeskriminalamts am Dienstag, 21. Mai 2013, in Stuttgart. Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren sei 2012 gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent auf 58.440 und im Zehnjahresvergleich sogar um 17,5 Prozent (-12.387 Tatverdächtige) gesunken. Diese positive Entwicklung führte er auch auf die vielfältigen Anstrengungen der polizeilichen Jugendsachbearbeiter sowie die zahlreichen Präventionsmaßnahmen zurück.

Die Entwicklung zeige sich in nahezu allen jugendtypischen Deliktsbereichen, wie Körperverletzung um -10,2 Prozent auf 12.350, Sachbeschädigung um -15,8 Prozent auf 6.112 und Diebstahl um -10,6 Prozent auf 20.100 Tatverdächtige. Ausnahme hiervon sei die Rauschgiftkriminalität, die im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent auf 7.207 Tatverdächtige angestiegen sei. Den Schwerpunkt bildeten dabei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz mit Cannabis(-produkten). Im Zehnjahresvergleich sei jedoch auch hier eine starke Abnahme der Tatverdächtigenzahlen um 37 Prozent zu verzeichnen, berichtete Minister Gall.

Besonders erfreulich sei der erneute deutliche Rückgang der Jugendgewalt um 15,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 6.524 Tatverdächtige. Innerhalb der letzten fünf Jahre sank die Jugendgewalt um fast ein Drittel (-29,1 Prozent). „Dies zeigt, dass die Polizei den Schwerpunkt ihrer Präventionsmaßnahmen richtig gelegt hat. Über 30 Prozent der insgesamt 20.244 kriminalpräventiven Veranstaltungen im Jahr 2012 widmeten sich gewaltpräventiven Themen. Insbesondere auch der Rückgang der Gewaltdelikte an Schulen um 16,5 Prozent auf 1.031 Fälle belegt die erfolgreiche Netzwerkarbeit von Schule und Polizei“, hob Gall hervor.

Dass die günstigen Trends nicht nur auf die demografische Entwicklung zurückzuführen seien, verdeutliche der gleichzeitige Rückgang der Tatverdächtigenbelastungszahl. Dabei handelt es sich um eine Verhältniszahl, welche die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen, bezogen auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils (ohne Kinder unter acht Jahren) darstellt. Demnach sei die Kriminalitätsbelastung unter 21-Jährigen gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent (2012: 3.912) und im Zehnjahresvergleich sogar um mehr als zwölf Prozent zurückgegangen.

„Trotz dieser Erfolge wird die Polizei in Baden-Württemberg auch in Zukunft ihre Anstrengungen zur Verhinderung und Eindämmung der Jugendkriminalität mit gleicher Intensität weiterführen und neue und innovative Maßnahmen ergreifen“, unterstrich der Innenminister. So liefen derzeit aufgrund der positiven Erfahrungen der Häuser des Jugendrechts in Stuttgart-Bad Cannstatt und Pforzheim weitere Planungen zum Betrieb entsprechender Einrichtungen, etwa in Mannheim. Auch durch die Polizeireform sei eine weitere Professionalisierung vorgesehen – durch eine engere Verzahnung des Jugendschutzes, der Diversion[1] und der Prävention zur optimalen Abstimmung geeigneter Maßnahmen.

Parallel zum ständig wachsenden Erfolgsprojekt „Netzwerk NEUE FESTKULTUR“ zur Gewährleistung des Jugendschutzes bei Festveranstaltungen, dem sich zwischenzeitlich Institutionen aus 17 Landkreisen Baden-Württembergs angeschlossen hätten, habe der Landkreis Sigmaringen das „Fairfest“-Siegel entwickelt, mit dem Veranstalter ihr Fest zertifizieren lassen können, wenn sie besondere Bestimmungen des Jugendschutzes einhalten. „Baden-Württemberg setzt in der Präventionsarbeit bundesweit Maßstäbe. Dies bestätigt auch die Verleihung des Hauptpreises an das „Netzwerk NEUE FESTKULTUR“ beim Bundeswettbewerb Alkoholprävention durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Februar 2013, bei dem außerdem zwei Projekte des vom Innenministerium initiierten Förderprogramms „Prävention alkoholbedingter Jugendgewalt“ ausgezeichnet wurden“, erklärte Minister Gall.

Nach wie vor seien Alkoholkonsum und -missbrauch sowie gruppendynamische Prozesse als wesentliche gewaltauslösende oder -verstärkende Faktoren bei jungen Menschen festzustellen. So sei 2012 jedes dritte Gewaltdelikt von Jungtätern unter Alkoholeinwirkung und jedes zweite aus der Gruppe heraus begangen worden. Deshalb würden Maßnahmen zur Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen, wie Alkoholtestkäufe, weiter fortgesetzt. Der Innenminister betonte: „Die vielfach hohen Beanstandungsquoten bei den Testkäufen unterstreichen die Notwendigkeit dieser Maßnahmen. So wurden bei rund der Hälfte der Kontrollen Verstöße festgestellt. Die Bekämpfung der Jugendkriminalität bleibt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Dem Handel und Gaststättengewerbe kommt bei der Einhaltung des Jugendschutzes durch Alterskontrollen eine hohe Verantwortung zu.“

[1] Im Rahmen der Diversion kann die Staatsanwaltschaft bei Ersttätern bzw. leichten und mittelschweren Delikten erzieherische Maßnahmen verhängen, wie etwa die Heranziehung zu gemeinnützigen Arbeiten, und so von der Eröffnung des richterlichen Strafprozesses absehen.

 

Quelle: Innenministerium Baden-Württemberg

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