Posttraumatischer Stress im Polizeidienst

29. April 2013 | Themenbereich: Bayern, Deutsche Polizeigewerkschaft, Interessenvertretungen | Drucken

Die Stiftung der DPolG, die sich für traumatisierte und verletzte Polizisten, Rettungskräfte und Justizbeamte und deren Familien und Hinterbliebene einsetzt, lädt zum Festakt am Dienstag, 14. Mai 2013 um 11:00 Uhr nach Lenggries/Fall ein.

Rettungskräfte, Feuerwehrleute und Polizeibeamte sind im Dienst immer öfter Gefahren ausgesetzt. Vor allem die Gewalt gegenüber Polizisten nimmt stetig zu. Derzeit wird beispielsweise in Augsburg den beiden Brüdern der Prozess gemacht, die im Oktober 2011 bei einer Kontrolle den damals 41jährigen Polizeibeamten Mathias Vieth mit acht Schüssen ermordeten und seine Kollegin anschossen. Der Vater von zwei Kindern ist nur eines der tragischen Beispiele dafür, welche Opfer der Dienst an der Gesellschaft fordert.

Für die Witwe des Polizisten und ihre zwei Söhne ein traumatisches Erlebnis, ebenso wie für die angeschossene Kollegin und die Beamten der betroffenen Nachtschicht. Hilfe in solchen Fällen bietet die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Sie arbeitet bundesweit und unabhängig einer Gewerkschaftszugehörigkeit. Die Stiftung kümmert sich z.B., wie in diesem Fall, um Hinterbliebene und ermöglichte der Augsburger Familie einen kostenlosen Erholungsaufenthalt. Dazu unterhält die 1997 gegründete Stiftung seit 2001 mehrere Häuser – u.a. in Fall am Sylvensteinsee und in Lenggries.

Aber nicht nur Hinterbliebenen wird geholfen, sondern auch Feuerwehrleuten, Rettungskräften, Justizbeamten und Polizisten, die durch Erlebnisse im Dienst an posttraumatischem Stress leiden, an Burnout und Depressionen oder anderweitig geistig oder körperlich verletzt wurden. Solche außerordentlichen Belastungen in Deutschland – z.B. durch Gewalt gegen Polizisten oder Selbstmorde unter Kollegen wie der Fall der jungen Polizisten in Nürnberg vor einigen Jahren – nehmen leider weiterhin zu und die nicht bewältigten Traumata führen zu immer größeren Personalverlusten. Viele Betroffene und miteingebundene Polizeibeamte steigen nach Jahren völlig ausgebrannt aus ihrem Dienst aus. Ein Beispiel dazu ist der Amoklauf von Winnenden. Zwanzig der damals eingesetzten Polizeibeamten nahmen die Hilfe der Stiftung in Anspruch. Doch einige dieser Beamten sind heute nicht mehr bei der Polizei oder wurden in den Innendienst versetzt, da sie den Belastungen nicht mehr gewachsen waren.

Ähnlich ist es auch bei einem Fall aus Schleswig-Holstein. Nicht alle der Beamten, deren Kollege damals bei einem Schusswechsel ums Leben kam, sind heute noch im Dienst. Einer, der nun nach 16 Jahren das traumatische Erlebnis bewältigt hat und auch bereit ist darüber zu sprechen, ist Kai-Uwe Nielsen aus Itzehoe. Er gewährt – was in Polizeikreisen selten ist – einen Einblick in das Seelenleben eines Polizisten, in dessen Umfeld sich so etwas Tragisches und für Jahre Belastendes ereignet hat und steht der Presse für Interviews zur Verfügung.

Außerdem werden der Polizeipfarrer a.D. Erwin Wild und Hans Schels, EPHK a.D. vom Polizeipsychologischen Dienst, alle Fragen rund um das Thema posttraumatische Belastungen beantworten. Auch die Schirmherrin der Veranstaltung, Charlotte Knobloch, steht für Interviews zur Verfügung und wird die Festrede halten.

Über die unterschätzten Belastungen von Soldaten nach der Heimkehr aus Kriegsgebieten wird Oberst a.D. Manfred Benkel sprechen. Die Stiftung der DPolG unterstützt ihn beim Aufbau seines Sozialwerkes für die heimkehrenden Gebirgstruppen der Bundeswehr, die am Hindukusch im Einsatz waren.

Pressevertreter sind nicht nur herzlich zum Festakt und zu Gesprächen mit Betroffenen, Experten und Helfern eingeladen, sondern können selbstverständlich auch die Stiftungshäuser besichtigen und sich detailliert über die verschiedenen Hilfsangebote der Stiftung informieren. Unterstützung bekommen sie dabei von den beiden Polizeibeamten Dirk Hallmann aus Niedersachsen und Gerhard Eichberger aus Bayern, der auch stellvertretender Vorsitzender der Stiftung ist.

 

Prominente Gäste:

  •  Christine Stahl, MdL bayerische Landtagspräsidentin, Bündnis 90, Die Grünen
  •  Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde
  •  Dr. Florian Herrmann, MdL Innenausschuss und Vorsitzender Kommunales
  •  Erwin Wild, Polizeipfarrer a. D.
  •  Hans Schels, EPHK a.D. Polizeipsychologischer Dienst Bayern
  •  Rainer Wendt, Bundesvorsitzender den Deutschen Polizeigewerkschaft
  •  Hermann Benker, Landesvorsitzender der DPolG
  •  Berend Jochem, Stiftungsvorsitzender

Insgesamt sind über 250 Teilnehmer angemeldet. Ein Stiftungshaus wird nach der „Treuhandstiftung Walter Sporer“ benannt und eine Gedenktafel enthüllt. Zudem werden die zwei neuen Dienstfahrzeuge der Stiftung durch Alexander Thorwirt vom Kooperationspartner BMW übergeben und vom Tölzer Stadtpfarrer Rupert Frania geweiht.

 

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