Burn-out ist Sprengstoff für die tägliche Arbeit von Polizistinnen und Polizisten

26. April 2013 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Die zunehmende Zahl von Burn-out-Erkrankungen in Deutschland macht offenbar auch vor der Polizei keinen Halt. Wie Universitätsprofessorin Andrea Fischbach von der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Münster unter Berufung auf eine aktuelle Studie der Bundes-Psychotherapeutenkammer sagte, gibt es einen „ganz klaren Trend zu einem Anstieg der Burn-out-Zusatzdiagnose“. Als eine Ursache für diese beunruhigende Entwicklung nennt die Wissenschaftlerin in einem vorab veröffentlichten Interview mit der Zeitschrift DEUTSCHE POLIZEI (Mai-Ausgabe) häufig erlebte Aggressivität, persönliche Verletzungen und Beschimpfungen bei der Arbeit. Risikofaktoren seien zudem Zeitdruck, Arbeitsdichte, sinnlose Tätigkeiten sowie mangelnde Kontroll- und Einflussmöglichkeiten auf Arbeitsausführung und -ergebnis. Prof. Dr. Fischbach: „Das ist Sprengstoff für die Entwicklung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, was sich zu Angststörungen, Depressionen oder eben Burn-out entwickeln kann.“

Studien zufolge hat einer von zehn Polizeibeamtinnen und -beamten im Polizeivollzug ein starkes Risiko, an Burn-out zu erkranken. Dabei erhöhten langjährige Wach- und Wechselschichtdienste die Gefahr einer schweren Beeinträchtigung der seelischen Gesundheit. Fischbach regte ein „groß angelegtes Burn-out-Forschungsprojekt in den Polizeien in naher Zukunft“ an.

Ohne eine gesunde und leistungsfähige Polizei sei Sicherheitsdienstleistung nicht möglich, sagte die Professorin. Dabei spiele für die Polizei in der kommenden Dekade eine gesundheitsförderliche Führung die zentrale Herausforderung. Fischbach kritisierte: „Zum Beispiel bleibt für Themen wie Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement und das Hamburger Modell gerade mal eine Viertelstunde im Rahmen meiner Vorlesung. Hier sehe ich deutlichen Handlungsbedarf für eine stärkere Schwerpunktsetzung.“ Die Deutsche Hochschule der Polizei ist die zentrale Ausbildungsstätte angehender polizeilicher Führungskräfte.

Die Wissenschaftlerin warnte davor, das Sich-Ausgebrannt-Fühlen zu einer Modeerscheinung werden zu lassen. „Aber das Gute ist, es hat einen gesellschaftlichen Prozess gegeben, in dem Burn-out einfach aus der Tabuzone herausgetreten ist.“ Die Kehrseite der Medaille sei aber, „wenn plötzlich jedes persönliche Unwohlsein, allgemeine Unlust und Unzufriedenheit und mangelnde Arbeitsmotivation sofort mit Burn-out gleichgesetzt und quasi als Entschuldigung vorgeschoben wird.“ Ein Phänomen, von dem Fischbach zufolge ihr zunehmend genervte Kollegen, Vorgesetzte, Personalräte, Psychotherapeuten und Ärzte berichten.

1 Kommentar
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  1. leider ist die Studie zu bestätigen aber es gibt für die Betroffenen und die gesamte Polizeiorganisation Hoffnung, da ein Forscherteam nach nun 10 Jahren wiss. Arbeit die einzigste mit klinischen Tests wirksame Therapie zur Behandlung und Prävention veröffentlicht hat. Diese soll auch in der US Army bei PTBS nun eingesetzt werden siehe http://www.sanoson-prevent.com

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