Zehn Jahre Sozialtherapie in der JVA Lübeck

25. April 2013 | Themenbereich: Schleswig-Holstein, Strafvollzug | Drucken

In der Justizvollzugsanstalt Lübeck ist heute (25. April) an die Eröffnung der Sozialtherapeutische Abteilung vor zehn Jahren erinnert worden. In dieser speziellen Einrichtung des Strafvollzuges werden gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter behandelt und auf die Freiheit vorbereitet, um die Rückfallrisiken zu minimieren und die öffentliche Sicherheit zu erhöhen. In ihrem Grußwort erklärte Justizministerin Anke Spoorendonk: „“Die Behandlung und Wiedereingliederung von gefährlichen Straftätern ist eine bedeutsame Aufgabe des modernen Strafvollzuges in unserem Lande. “

„In der JVA Lübeck befindet sich die Sozialtherapie innerhalb der geschlossenen Anstalt. Eine solche Lösung bietet viele Vorteile, etwa bestehen für die Gefangenen gute Möglichkeiten, an den in der Hauptanstalt vorhandenen Arbeits- und Ausbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Gerade der Erhalt der Arbeitsfähigkeit ist eine wesentliche Bedingung für ein straffreies Leben. Dies im Zusammenwirken mit einem intensiven Therapieprogramm kann eine erneute Straffälligkeit vermeiden. Mein herzlicher Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die täglich daran mitwirken, diese große Herausforderung erfolgreich zu bewältigen“.“

Im April 2003 wurde die heutige Sozialtherapeutische Abteilung der JVA Lübeck eröffnet. Damit kann Sexualstraftätern jenes Behandlungsangebot gemacht werden, das der Gesetzgeber mit seinem Gesetz zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straftaten aus 1998 verlangt. Neben den Sexualstraftätern steht die Sozialtherapie in Lübeck aber grundsätzlich jedem Gefangenen offen, der die Zeit der Haft für eine Therapie nutzen will und dem mit den besonderen Mitteln der Sozialtherapie geholfen werden kann. Ziel der Therapie ist es, das Straftatrisiko der Gefangenen so weit zu reduzieren, dass sie erfolgreich in das Leben außerhalb der Anstalt integriert werden können und nicht mehr rückfällig werden. Insofern leistet Sozialtherapie einen wichtigen Beitrag zum Opferschutz.

Die Abteilung in der JVA Lübeck verfügt über 39 Haftplätze, verteilt auf drei Wohn-gruppen. Jede Wohngruppe wird von einem festen Behandlungsteam, bestehend aus einem Psychologen/einer Psychologin sowie sechs Mitarbeiterinnen oder Mitar-beitern des Allgemeinen Vollzugsdienstes betreut. Darüber hinaus gehören eine Kriminologin, eine Sozialpädagoge, ein Justizamtsinspektor und eine Schreibkraft in Teilzeit zum Team. Die Abteilung ist in einem eigenen Gebäude untergebracht. Das Behandlungskonzept der Sozialtherapeutischen Abteilung beruht auf sechs Säulen:

– Leben in einer therapeutischen Gemeinschaft,

– Einzeltherapie,

– Gruppentherapie,

– strukturierte Freizeitangebote,

– Erprobung in Vollzugslockerungen,

– Nachsorge nach Entlassung.

Das Konzept wurde vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und den bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts reichenden Praxiser-fahrungen eines humanen, an der Förderung des Gefangenen orientierten Strafvollzuges entwickelt.

Seit der Eröffnung der Abteilung wurden 195 Gefangene aufgenommen, 74 konnten nach erfolgreicher Therapie aus der Abteilung entlassen werden. 71 Prozent der aus der Abteilung Entlassenen wurden von der Sozialtherapie nachbetreut. Die restlichen 29 Prozent wurden in andere Betreuungen übergeleitet. Bisher sind bei lediglich drei Entlassenen Rückfälle bekannt geworden, wobei nur einer erneut mit einer Sexualstraftat auffällig wurde.

Im Schnitt verbringt ein Gefangener zwei Jahre und 11 Monate in der Einrichtung. Diese Zeit reicht oft nicht aus, eine Therapie abzuschließen. Zudem kommen in Freiheit neue Stressfaktoren auf die ehemaligen Gefangenen zu. Deshalb ist es von großer Bedeutung, einen guten Übergang in die Freiheit zu gestalten und zusammen mit anderen Einrichtungen der Straffälligenhilfe den Betroffenen noch eine Zeitlang zu begleiten. Nur so können die Therapieerfolge stabil und nachhaltig werden.

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