Modellprojekt für mehr Migranten in Hilfsorganisationen

17. April 2013 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Bevölkerungsschutz | Drucken

Die Installation „Kunstprojekt für den Frieden“ auf der Gustav-Heinemann-Brücke in Berlin der Künstlerin Jelica Hilgraf zeigt die Flaggen der Staaten der Vereinten Nationen (Bild: dpa).

Auf Initiative von Ministerin Bilkay Öney startet der Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Roten Kreuzes gemeinsam mit dem Ministerium für Integration ein Modellprojekt zur interkulturellen Öffnung von Hilfsorganisationen.

Ziel des Projektes ist es, mehr Menschen mit Migrationshintergrund für die Arbeit in DRK-Verbänden zu gewinnen und Wege zu erproben, wie sich die Verbände noch stärker für Vielfalt öffnen können.

Für das Modellprojekt wurden vom Ministerium für Integration und dem DRK-Landesverband zwei Kreisverbände ausgewählt. Sie gehen die interkulturelle Öffnung in unterschiedlichen Bereichen an: Der Kreisverband Göppingen erprobt Maßnahmen zur Öffnung seiner Verbandsarbeit, der Kreisverband Schwäbisch Gmünd entwickelt Maßnahmen zur Öffnung seines Mehrgenerationenhauses.

Umfragen zufolge ist der Anteil von Migrantinnen und Migranten in klassischen Verbänden und Hilfsorganisationen bislang gering. Während etwa drei Prozent der einheimischen Deutschen hier aktiv sind, sind es bei Menschen mit Migrationsgeschichte nur etwa ein Prozent. „Die haupt- und vor allem ehrenamtliche Tätigkeit in Verbänden und Vereinen ist ein Gradmesser für gesellschaftliche Teilhabe. Sie ist daher nicht nur eine Frage der Vereine selbst, sondern auch eine Frage der Integrationspolitik. Bürgerschaftliches Engagement ist der Humus, auf dem Integration erst gedeihen kann,“ sagte der Ministerialdirektor des Integrationsministeriums, Manfred Stehle, heute (17. April 2013) in Stuttgart. Der Präsident des DRK-Landesverbands, Dr. Lorenz Menz, formulierte die Erwartungen des Roten Kreuzes an das Modellprojekt: „Ich wünsche, dass dieses Projekt im Alltag dazu beiträgt, erfahrbar zu machen, dass es ein Gewinn für uns alle ist, nicht nur nebeneinander sondern miteinander leben zu dürfen.“

Nach dem Freiwilligensurvey 2009 waren fast 4,5 Millionen Baden-Württemberger freiwillig aktiv und damit 41 Prozent der Bevölkerung. Beim ehrenamtlichen Engagement bestehen jedoch noch Unterschiede zwischen Menschen mit (26,2 Prozent) und ohne Migrationshintergrund (37,9 Prozent). Gleichzeitig ist die Bereitschaft zum Ehrenamt bei Migrantinnen und Migranten (41 Prozent) höher als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (32 Prozent). Menschen mit Migrationshintergrund weisen somit ein großes Potenzial auf. „Genau dieses Potenzial müssen wir nutzen. Wir müssen Wege finden, damit dieser Bereitschaft auch Taten folgen. Hier setzt unser Projekt an. Wir erhoffen uns von diesem Modellprojekt auch auf andere Bereiche übertragbare Erkenntnisse,“ erklärte Stehle die Ziele des Ministeriums. Letztlich gehe es um die Frage, wie die kulturelle Vielfalt des Landes noch stärker zum Wohl aller genutzt werden könne. „Die interkulturelle Öffnung ist keine Gefälligkeit, sondern eine gesellschaftliche Verpflichtung“, so Stehle.

Dr. Menz fügte hinzu: „Seit Henry Dunant vor 150 Jahren das Rote Kreuz gegründet hat gehört es zu den fundamentalen Überzeugungen des Roten Kreuzes, dass Mitmenschlichkeit nicht an politischen, ethnischen oder religiösen Grenzen halt machen darf.“ Der DRK-Landesverband Baden-Württemberg hat 34 Kreis- und 672 Ortsverbände sowie 707 Jugendrotkreuzgruppen. Mit knapp 48.000 ehrenamtlich Aktiven ist er ein Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege.

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