Rückgang der Zahl der Verkehrsunfalltoten auf historischen Tiefstand

9. April 2013 | Themenbereich: Mecklenburg-Vorp., Verkehr | Drucken

In der Verkehrsunfallentwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern konnte Innenminister Lorenz Caffier anlässlich der heute vorgestellten Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2012 einen sehr positiver Trend verzeichnen. Während im Vorjahr noch ein Anstieg bei den Getöteten- und Verletztenzahlen (1) mitgeteilt werden musste, ist in diesem Jahr ein deutlicher Rückgang festzustellen. Mit der Entwicklung der Verkehrsunfalllage in unserem Bundesland stehen wir bei der absoluten Zahl der Unfälle insgesamt entgegen dem Bundestrend. Während dort ein Anstieg von 1,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum festzustellen ist, sank die Zahl der in Mecklenburg-Vorpommern durch die Polizei registrierten Unfälle mit insgesamt 54.799 um 1,7 Prozent. (2011: 55.770)

Bei der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden ist in Mecklenburg-Vorpommern sogar ein überdurchschnittlicher Rückgang von 4,7 Prozent zu verzeichnen. Denn der Bundestrend lag hier bei einem Rückgang von nur 2,3 Prozent.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei der Zahl der Verkehrsunfalltoten. Während im Jahr 2011 noch 143 Todesopfer auf den Straßen unseres Landes zu beklagen  waren, sank die Zahl im Jahr 2012 auf 83 tödlich verunglückte Personen. Das entspricht einem Rückgang von 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mecklenburg-Vorpommern und liegt damit weit über dem Rückgang im Bundestrend von 11,2 Prozent.

Auch im bundesweiten Vergleich der Zahl der Verkehrsunfalltoten je eine Million Einwohner setzt sich die positive Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern fort. Während wir im Jahr 2010 gemessen an der Einwohnerzahl noch die meisten Verkehrstoten bundesweit hatten und im Vorjahr noch einen Platz im unteren Mittelfeld erreichten, stehen wir im Jahr 2012 auf Rang sechs der Flächenländer.

„Über den Rückgang der Zahl der Verkehrstoten in unserem Land bin ich besonders froh. Damit zeigt sich, dass die präventiven und repressiven Maßnahmen der Landespolizei greifen und zu einem besseren Verkehrsverhalten beitragen, so Innenminister Lorenz Caffier. „Dennoch ist jeder Verkehrsunfall mit Personenschaden einer zu viel. Deshalb wird die Landespolizei auch weiterhin konsequent ihre Verkehrssicherheitsarbeit auf allen Ebenen fortsetzen.“

Ebenfalls abgenommen hat im vergangenen Jahr die Zahl der bei Unfällen schwerverletzten Personen. Mit 1.232 Schwerverletzten wurde ein Rückgang von 9,9 Prozent registriert (2011: 1.386), hat aber noch nicht wieder den Tiefstand vom Jahr 2010 erreicht (2010:1.167). Die Zahl der leichtverletzten Personen ist 2012 um 203 auf 5.282 (-3,7 Prozent) gesunken.

Nicht zuletzt die Veränderung der Verkehrsströme durch den Ausbau von überörtlichen Straßen und der Umsetzung des Schutzplankenprogramms ist es zu verdanken, dass der Anteil der tödlichen Unfälle mit Baumberührungen um über 41 Prozent gesunken ist. Insgesamt 24 Menschen verloren 2012 ihr Leben bei einem Baumanprall. Im Jahr 2011 waren hier noch 44 Getötete zu beklagen.

Wie schon im Jahr 2011 sind junge Fahrerinnen und Fahrer, gemessen an ihrem Anteil in der Bevölkerung, auch diesmal wieder überproportional an schweren Verkehrsunfällen beteiligt. Die Altersgruppe der 15-24-jährigen stellt knapp 9 Prozent der Bevölkerung dar, ist jedoch immer noch mit über 20 Prozent der Verunglückten und über 13 Prozent der Getöteten repräsentiert.

Auch die Zahl der Verunglückten bei den sogenannten Disco-Unfällen ist stark rückläufig. Hierzu gehören alle Unfälle mit Personenschaden, bei denen der Hauptverursacher 18 bis 24 Jahre alt war und sich der Unfall im Zeitraum von Freitag bis Sonntag sowie vor bzw. an gesetzlichen Feiertagen jeweils von 20.00 bis 06.00 Uhr ereignet hat.

Bei den Disco-Unfällen starben im vergangenen Jahr fünf Jugendliche (2011: 11), 31 wurden schwer verletzt (2011: 40).

Caffier: „Die Zahlen zeigen, dass wir den jungen Fahrerinnen und Fahrern nach wie vor die größte Aufmerksamkeit in der Verkehrssicherheitsarbeit widmen müssen. So wurde mit Unterstützung der Verkehrssicherheitskommissionen und der Landespolizei im Januar dieses Jahres das Präventionsprojekt „Crash-Kurs“ eingeführt. Den Jugendlichen unseres Landes werden ungeschminkt die Folgen schwerer Verkehrsunfälle verdeutlicht. Bewährte Präventionsmaßnahmen wie zum Beispiel das erfolgreiche „Fifty-Fifty-Taxi“ oder die Aktion „Ich bin dein Schutzengel“ werden auch künftig fortgeführt.“

Auch die über 65-jährigen sind bei einem Bevölkerungsanteil von 21,96 Prozent mit 28 Prozent der bei Verkehrsunfällen getöteten Personen überproportional vertreten. Mit einem Anteil von 13,5 Prozent der Verunglückten liegt diese Altersgruppe jedoch auf Vorjahresniveau.(2011: 13,8 Prozent).

Bei der Betrachtung der Anzahl der Verunglückten zeigen sich bei allen Arten der Verkehrsbeteiligung Rückgänge, außer bei den motorisierten Zweiradfahrern. Hier kamen im Jahr 2012 mit insgesamt 571 Verunglückten insgesamt 12 Personen mehr zu Schaden als noch im Jahr 2011 (2011:559) Erfreulich ist in der Gesamtbetrachtung aber, dass die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer um 38,9 Prozent auf 11 Personen gesunken ist, während aber mit insgesamt 375 leichtverletzten Personen ein Anstieg in dieser Kategorie um 13 im Vergleich zum Vorjahr festgestellt wurde.

Immernoch bilden aber die PKW-Insassen mit 3.660 der insgesamt 5.207 Unfälle mit Personenschaden den Hauptanteil der Verletzten und Getöteten, wobei der Anteil in den letzten Jahren kontinuierlich sinkt. (2011: 3.989 von 5.466)

Auch wenn die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verunglückten Radfahrer um 79 auf 1.454 gesunken ist (-5,2 Prozent) und die Entwicklung über mehrere Jahre betrachtet insgesamt rückläufig ist, so bleibt festzustellen, dass der prozentuale Anteil der Radfahrer an Verkehrsunfällen steigt. Während 2008 der Anteil der Radfahrer an Verkehrsunfällen noch 19,4 Prozent betrug, liegt dieser im Jahr 2012 bei bereits 22 Prozent. Das hat sicherlich auch mit der steigenden Attraktivität des Fahrradfahrens zu tun.

Auch die Anzahl der bei Verkehrsunfällen beteiligten und verunglückten alkoholisierten Radfahrer ist von 98 auf 103 leicht angestiegen.

„Entsprechende Feststellungen gibt es auch in anderen Bundesländern. Ich begrüße daher die Bemühungen der Arbeitsgruppe der Verkehrsreferenten der Länder, die eine gesetzliche Absenkung der strafbaren Promille-Grenze bei Radfahrern (von 1,6 auf 1, 1 Promille), sowie die Schaffung eines Ordnungswidrigkeitentatbestandes ähnlich dem bei Kraftfahrzeugführern anstrebt“, hält Minister Caffier fest.

Caffier weiter: “ Bereits im letzten Jahr wurden landesweit 575 Strafanzeigen gegen zum Teil stark alkoholisierte Radfahrer erstattet, die nicht an einem Unfall beteiligt waren. Diese Entwicklung wird von uns sorgfältig beobachtet und den Ursachen entschieden entgegengewirkt.“

Die Rangfolge der Hauptunfallursachen hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. Nach wie vor ist die nicht angepasste bzw. überhöhte Geschwindigkeit eine der häufigsten Unfallursachen in Mecklenburg-Vorpommern, auch wenn sie sie unter den Unfallursachen im 5-Jahres-Vergleich einen rückläufigen Trend aufweist. Auch die anderen Hauptunfallursachen wie Nichtbeachten der Vorfahrt, Fahren unter Alkohol, Abstandsfehler oder falsches Überholen sind anteilig weiter zurück gegangen.

Zur Bekämpfung der Hauptunfallursachen setzt die Landespolizei auch weiterhin auf die polizeilichen Anhaltekontrollen.

„Durch die Anhaltekontrollen können nicht nur Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung festgestellt werden, sondern auch andere Straftaten und Ordnungswidrigkeiten“, so Innenminister Lorenz Caffier. „Die Landespolizei stellt im Rahmen ihrer täglichen Arbeit ein zum Positiven verändertes Fahrverhalten fest. Das die Überwachungsmaßnahmen greifen beweist die Tatsache, dass heute mehr Fahrzeuge als früher mit den Lasermessgeräten gemessen werden müssen, bis eine Geschwindigkeitsüberschreitung festgestellt wird.“

Im vergangenen Jahr ist dennoch die Zahl der polizeilich festgestellten Ordnungswidrigkeiten insgesamt um 8.000 gestiegen. Die Zahl der Ordnungswidrigkeiten „Geschwindigkeit“ stieg um fast 10.000. Bei polizeilichen Anhaltekontrollen musste in 57.514 Fällen die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit angezeigt werden. (2011: ca. 55.237). Der Anstieg der durch die Landespolizei festgestellten Ordnungswidrigkeitenverstöße ist darauf zurückzuführen, dass durch die Landespolizei rund 67.000 mehr Fahrzeuge kontrolliert worden sind.

Die Überprüfung der korrekten Nutzung von Gurten bildete auch im letzten Jahr einen Schwerpunkt der Kontrolltätigkeit der Landespolizei. Dabei wird davon ausgegangen, dass durch ein besseres Anschnallverhalten schwere Unfallverletzungen verhindert werden. Immer noch 12,2 Prozent der Ordnungswidrigkeiten werden in diesem Bereich festgestellt.

Die Anzahl der festgestellten Verstöße unter Einfluss von Alkohol bei der Teilnahme am Straßenverkehr ist im Jahr 2011 um ca. 4 Prozent auf insgesamt 3.240 gesunken. (2011: 3.365). Fast 56.852 Fahrzeugführer wurden zu Atemalkoholvortest durch die Polizei gebeten. (2011: 52.230)

Eine Ähnliche Tendenz ist bei den „Drogenkontrollen“ festzustellen. Während die Vortestkontrollen von 3.640 im Jahr 2011 auf insgesamt 4.361 Kontrollen im Jahr 2012 stiegen, wurden insgesamt 8,2 Prozent weniger Strafanzeigen bzw. Ordnungswidrigkeitenanzeigen in diesem Deliktsfeld zur Anzeige gebracht.

„Im Langzeitvergleich setzt tendenziell ein kontinuierlicher Rückgang der Unfälle mit Personenschäden fort, wobei wir mit den Getötetenzahlen einen Tiefstand erreicht haben. Deshalb konzentrieren sich die polizeilichen Überwachungstätigkeiten weiterhin an den Hauptunfallursachen. Wir werden den Kontrolldruck auf Raser sowie Alkohol- und Drogensünder weiterhin sehr hoch halten und so folgenschweren Unfällen entgegenwirken“, so Innenminister Caffier. „Bei aller positiven Entwicklung darf jedoch nicht vergessen werden, dass die gute Verkehrssicherheitsarbeit der Landespolizei nur durch den Einsatz von mehr Personal bei den Verkehrskontrollen geleistet werden konnte. Mit diesem hohen Aufwand der Landespolizei ist die den Polizistinnen und Polizisten zumutbare Belastungsgrenze erreicht“, fasst Innenminister Caffier zusammen.

 

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