Kriminalbeamte und Wissenschaftler fordern höheren Stellenwert der Strafverfolgung

25. März 2013 | Themenbereich: Brandenburg, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) – Landesverband Brandenburg – hat heute in der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) im Rahmen seines Landesdelegiertentages nun schon zum dritten Mal den „Hans-Gross-Preis für herausragende Verdienste um die Kriminalistik“ verliehen. Diesjähriger Preisträger ist der Hochschullehrer, Wissenschaftler und Kriminalist Prof. Dr. jur. habil. Armin Forker (81).

Während seiner nun schon 50jährigen Berufslaufbahn, zuletzt als Hochschullehrer für Kriminalistik und Strafprozessrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena habe er sich mit unzähligen Fachbeiträgen und kriminalistischen Veröffentlichungen insbesondere um die Einbindung der Kriminalistik in den universitären Lehrbetrieb und die Publizierung und Bewahrung der Geschichte der Kriminalistik verdient gemacht.

„Wenn heutzutage … unter Missachtung des Stellenwerts der Strafverfolgung haushaltspolitische Erwägungen die Kriminalitätsbekämpfung begrenzen und aufopferungswillige Kriminalistinnen und Kriminalisten um Anerkennung und Wertschätzung ihres Berufes ringen müssen, weil man sich vom Grundsatz ‚Sicherheit braucht Kriminalpolizei‘ verabschieden möchte, dann kann ihnen Hans Gross … ein Leitbild sein, da er sich auch schon üblen Tendenzen der Geringschätzung seiner Arbeit ausgesetzt sah und sich energisch dagegen verwahren musste“, betonte der diesjährige „Hans-Gross-Preisträger“, Prof. Dr. jur. habil. Armin Forker in seiner Dankesrede.

Gerade die jüngsten Entwicklungen hin zu einer „Ökonomisierung des Strafverfahrens“, sei es durch Personal- und Mittelkürzungen oder das jüngste Grundsatzurteil zum so genannten „Deal“, müssten – so die Überzeugung Forkers – als „epochale Umwälzung des Rechtssystems“ begriffen werden.

„Was muss man aber als Kriminalistin oder Kriminalist empfinden, wenn der Stellenwert der Strafverfolgung abgebaut, das Sicherheitserfordernis kriminalpolizeilicher Spezialisierung als überholt erachtet, durch fragwürdige Absprachen im Gericht die Wahrheitsfindung auf der Strecke bleibt, die Gerechtigkeit zur Ware verkommt und durch das ausgetüftelte Geständnis die Motivation zu aufwändiger, mühevoller selbstaufopfernder kriminalistischer Ermittlung mehr und mehr gemindert und damit ihr berufliches Selbstbewusstsein zerstört wird?“, so die Überzeugung des diesjährigen Preisträgers.

Leider erhalte auch 100 Jahre nach Hans Gross die Kriminalistik und die Strafverfolgung noch immer nicht die politische und gesellschaftliche Wertschätzung, die ihnen gebühre, so der BDK. Kriminalistik und Strafverfolgung bräuchten deshalb eine Lobby, bräuchten die öffentliche Wahrnahme.

Auch deshalb verleiht der BDK Brandenburg nun zum dritten Male seinen „Hans-Gross-Preis“. Dieser ist benannt nach dem Begründer der Kriminalistik als Wissenschaft sowie hervorragenden Kriminologen und Strafrechtler, Professor Hans Gross (1847-1915), Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich. Mit diesem Preis ehrt der BDK Brandenburg Persönlichkeiten für ihre Verdienste um die Förderung der Verbrechensbekämpfung, der Kriminalpolizei und der Kriminalwissenschaften.

Erster Preisträger war 2009 Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg. 2011 wurde der wurde der Jurist, Kriminalist, Hochschullehrer und Wissenschaftler Prof. Dr. sc. jur. Rolf Ackermann für sein kriminalwissenschaftliches Lebenswerk ausgezeichnet.

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