Die Veröffentlichung der PKS oder der jährliche Blick in die Glaskugel

22. März 2013 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Mecklenburg-Vorp. | Drucken

Obwohl der BDK seit Jahren ein Ende der ausschließlichen Beurteilung der Kriminalitätslage an Hand der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) fordert, verkündete Landesinnenminister Lorenz Caffier am 19. März 2013 wieder einmal die jüngsten polizeilichen Erfolge, die die PKS für das Jahr 2012 auswies.

Die blanken Zahlen erklären einen Rückgang der erfassten Fälle auf 126.677, was einem Minus von 1.749 Fällen entspricht. Rückgänge gab es bei den Tötungsdelikten, bei Vergewaltigungen, Körperverletzungen oder bei Raubdelikten. Dagegen sei die Computerkriminalität angestiegen. Soweit die mathematischen Erkenntnisse, die Minister Caffier wie immer in den letzten Jahren äußern ließen, dass Mecklenburg-Vorpommern sicherer geworden sei.

Und genau bei dieser Feststellung müssen wir als Berufsverband der Kriminalpolizei, auch wie jedes Jahr – Einspruch erheben, denn ein Steigen oder Sinken der Kriminalität kann und darf auch ein Minister nur nach der eigenen Deutung der Fallzahlen der PKS eigentlich nicht erkennen. Wie schrieben doch die Kollegen des BDK-Landesverbandes Niedersachsen vor einer Woche so treffend: „Die PKS spiegelt kaum die Realität des Kriminalitätsgeschehens wieder, ist zum Teil unlogisch und widersprüchlich und erzeugt immer wieder „Begehrlichkeiten für Manipulation und Verzerrung“ der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung“.

Verantwortliche in Politik und Polizei verschweigen bei der Veröffentlichung und Deutung der PKS immer, dass sie nicht die Kriminalität beschreiben, sondern nur die Fallzahlen einer Ausgangsstatistik. Die tatsächliche Kriminalität aber setzt sich aus dem Hell- und dem Dunkelfeld zusammen. Selbst wenn wir das Hellfeld mit der PKS gleichsetzen, fehlt immer noch das Dunkelfeld. Erst wenn dieses hinreichend wissenschaftlich beschrieben ist, sind überhaupt Aussagen zu Tendenzen der Kriminalitätsentwicklung möglich und können als seriös gelten.

Zur Erforschung des Dunkelfeldes der Kriminalität wäre eine Expertenkommission hilfreich, die von externen Sachverständigen geleitet werden müsste und in der auch die Fachgewerkschaften ihren Platz hätten. Die gleiche Forderung erhob übrigens vor einigen Tagen der BDK-Landesverband Brandenburg. In Niedersachsen hingegen ist man bereits einen wichtigen Schritt weiter. Dort kündigte das Landeskriminalamt eine Dunkelfeldstudie zur Erforschung der Kriminalitätslage an.

Außer Acht gelassen wird auch gern die Betrachtung der Opfer. Die Opferzahlen jedoch sind ein wesentliches Indiz für die Bewertung der Kriminalitätslage in einem Bereich. Hierzu forderte schon der BDK-Bundesverband vor langer Zeit, endlich eine aussagefähige Opferstatistik einzuführen und diese gegebenenfalls gegen die PKS auszutauschen.

Es gibt genügend Gründe, der einseitigen Deutung der PKS zu misstrauen. Als BDK-Landesverband verzichten wir auch in diesem Jahr wieder auf die Auseinandersetzung mit den Trends einzelner Deliktsbereiche, eben wegen der nicht bekannten Dunkelfelder.

Bei allen kritischen Anmerkungen wollen wir jedoch nicht vergessen, das Engagement und die Leistungen aller Kolleginnen und Kollegen bei der Verhütung und Aufklärung von Straftaten zu loben, die trotz aller Widrigkeiten wie der ständigen Personalreduzierung, der stetigen Aufgabenerhöhung oder der zu langsamen Reaktion der Polizei auf neue oder veränderte Kriminalitätsphänomene in vorbildlicher Weise ihren Dienst verrichten.

 

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