Weniger Straftaten im Land Brandenburg, Aufklärungsquote steigt leicht

15. März 2013 | Themenbereich: Brandenburg, Kriminalität | Drucken

In Brandenburg ging die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent zurück. Insgesamt wurden 195.146 Straftaten erfasst, 2.518 Fälle weniger als noch im Jahr zuvor. Wie Innenminister Dietmar Woidke am Freitag in Potsdam erläuterte, konnte die Polizei die Ermittlungen zu mehr als 104.055 Straftaten erfolgreich abschließen.

„Die Zahl der Straftaten entspricht dem niedrigsten Wert seit 1994. Zugleich liegen wir zum zweiten Mal unter der Grenze von 200.000. Erfreulich ist, dass sich die Aufklärungsquote gleichzeitig erholt hat“, sagte Woidke. Die Aufklärungsquote erhöhte sich 2012 um 2,3 Prozentpunkte auf 53,3 Prozent. Die Polizei ermittelte 68.497 Tatverdächtige. Erneut lag die sogenannte „Häufigkeitszahl“, die Anzahl der Straftaten bezogen auf 100.000 Einwohner, mit 7.819 deutlich unter 8.000 (2011: 7.896). Die polizeiliche registrierte Kriminalität sank damit seit 1994 um 40,6 Prozent.

„Dem Trend rückläufiger Kriminalitätszahlen in den vergangenen Jahren stehen einzelne Delikte mit deutlichem Zuwachs gegenüber. Besonders differenzierte Entwicklungen beobachten wir im Bereich der Eigentumskriminalität“, wie der Minister bei seiner heutigen gemeinsamen Bilanzpressekonferenz mit Polizeipräsident Arne Feuring zur aktuellen Kriminalitätsentwicklung hervorhob.

Politisch Motivierte Kriminalität: Mehr Propaganda- und Gewaltdelikte

Ausführlich ging Woidke auf die Entwicklung der Politisch Motivierten Kriminalität (PMK) im Land ein. Im Vorjahr wurden insgesamt 1.627 PMK-Delikte gezählt, ein Anstieg um 217 Fälle. Der Zuwachs lässt sich vor allem auf ein erhöhtes Straftatenaufkommen im Bereich der politisch rechts motivierten Kriminalität zurückführen. Knapp die Hälfte aller politisch motivierten Straftaten konnte von der Polizei aufgeklärt werden. Mit 1.354 Fällen war die überwiegende Mehrzahl der Delikte politisch rechts motiviert. „Die größte Herausforderung im Bereich der politisch motivierten Kriminalität geht auch weiterhin von der rechtsextremen Szene und ihren Akteuren aus. Daran hat sich nichts geändert“, betonte Woidke. Etwa zwei Drittel aller politisch motivierten Straftaten seien Propagandadelikte. 5,4 Prozent waren Gewaltstraftaten, 32 Prozent sonstige Straftaten, wie beispielsweise Beleidigungen, Bedrohungen oder Sachbeschädigungen.

2012 wurden 58 rechtsmotivierte Gewaltstraftaten registriert, 22 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der linksmotivierten Gewaltdelikte blieb mit 27 (2011: 25) etwa auf Vorjahresniveau. „Die Bekämpfung der politisch motivierten Kriminalität bleibt ein Schwerpunkt. Nach dem deutlichen Rückgang der Fallzahlen im Jahr 2011, zeigt die aktuelle Statistik, wie wichtig es ist, in diesem Bereich mit unseren Anstrengungen nicht nachzulassen“, betonte Woidke. Die Aufklärungsquote bei PMK- Gewaltdelikten beträgt 80 Prozent.

Kinder- und Jugendkriminalität geht weiter zurück

Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren nahm 2012 um 9,5 Prozent ab. Die Zahl der Brandenburger unter 21 Jahren sank im selben Zeitraum jedoch nur um 2,3 Prozent. Kinder und Jugendliche sind gemessen am Bundesdurchschnitt in Brandenburg seltener Täter. 13.026 (2011: 14.387) Personen unter 21 wurden 2012 als Tatverdächtige ermittelt. Die Zahl der Tatverdächtigen zwischen 14 bis 21 Jahren ging im Zehnjahresvergleich um 56,6 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum nahm auch der Anteil der jugendlichen Wohnbevölkerung in Brandenburg ab (-54,3 Prozent).

Gewaltkriminalität: Gewaltdelikte in Brandenburg auf Vorjahresniveau

Die Zahl der Gewaltdelikte blieb 2012 mit 4.605 in etwa auf dem Stand des Vorjahres, es wurden 38 Straftaten mehr registriert (+0,8 Prozent). Auch die Aufklärungsquote veränderte sich mit 79,4 Prozent (2011: 80,6%) nicht wesentlich. Zuvor ging die Zahl der Gewaltdelikte seit 2008 zurück. „Der Anteil an der Gesamtkriminalität macht 2,4 Prozent aus. Die Aufklärungsquote liegt bei knapp 80 Prozent. Das ist ein guter Wert“, bilanzierte der Innenminister. Einfache Körperverletzungsdelikte stiegen allerdings um 434 Fälle auf 13.228 an. Hier konnte in neunzig Prozent der Fälle ein Täter ermittelt werden. „Im Ländervergleich ist Brandenburg eher gering von Gewaltkriminalität betroffen. Das Risiko, hier Opfer einer Gewaltstraftat zu werden, ist wesentlich niedriger als in den meisten anderen Bundesländern. Wir gehören bei diesen Kriminalitätsphänomenen zu den sichersten Ländern in Deutschland und liegen etwa auf dem Niveau von Baden-Württemberg“ hob Woidke hervor.

 Insgesamt weniger Diebstähle, mehr Einbrüche in Einfamilienhäuser

Ausschlaggebend für den Rückgang der Kriminalität war 2012 in erster Linie die Entwicklung im Bereich der Diebstahlsdelikte. Mit 40,9 Prozent der im vergangenen Jahr erfassten Straftaten machen Diebstahlsdelikte jedoch nach wie vor den größten Anteil am Kriminalitätsgeschehen aus.

Die Anzahl der Diebstahlsdelikte ging gegenüber dem Vorjahr um 3.721 Fälle bzw. 4,5 Prozent zurück (2012: 79.884 Fälle 2011: 83.605 Fälle). So sank die Zahl der entwendeten Kraftfahrzeuge um 15,3 Prozent, auch aus Fahrzeugen wurde deutlich weniger gestohlen (-5,4 Prozent). Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte wurden in 788 Fällen entwendet, 2011 waren 973 Mal Landmaschinen als gestohlen gemeldet worden.

Gegenläufig entwickelte sich die Zahl der Diebstähle aus Wohnungen und Einfamilienhäusern (+17 %, 2012: 5.228, 2011: 4.470 Fälle). 1.677 Tatverdächtige wurden ermittelt, damit liegt die Aufklärungsquote wie im Vorjahr bei 36,9 Prozent. „Wohnungseinbruchdiebstahl nimmt seit 2007 kontinuierlich zu. 2012 verzeichnen wir einen besonders starken Anstieg von 4.470 auf 5.228 Fälle. Insbesondere das Berliner Umland ist von dieser Heimsuchung stark betroffen“, erläuterte Innenminister Woidke. Er verwies auf die Arbeit der gemeinsame Ermittlungsgruppe Berlin-Brandenburg (GEG) mit Sitz in Potsdam. Die Ermittler der GEG widmen sich schwerpunktmäßig der Bekämpfung schwerer, länderübergreifender Eigentumskriminalität. 42 Prozent aller im Land Brandenburg registrierten Diebstähle ereigneten sich im engeren Verflechtungsraum von Berlin und Brandenburg.

 Einzeldelikte: Zuwachs bei Betrug und Unterschlagung

Eine deutliche Steigerung um 41,3 Prozent wurde 2012 bei Unterschlagungen registriert. Der Anstieg ist vorrangig auf ein Großverfahren gegen zwei Tatverdächtige aus Kleinmachnow zurückzuführen. Die Männer unterschlugen Postsendungen mit elektronischen Geräten. Betrugsdelikte stiegen um 4,3 Prozent an. Wesentlichen Anteil hatten hierbei zwei umfangreichen Sammelverfahren gegen zwei Tatverdächtige wegen Warenkreditbetruges. Allein in diesen beiden Sammelverfahren wurde zu 1.460 Einzeldelikten ermittelt.

In Auswertung der aktuellen Bilanz bleibt für Woidke das Problem der steigenden Einbruchsdiebstähle im Land ein Schwerpunkt polizeilicher Kriminalitätsbekämpfung. „Die Unruhe in der Bevölkerung nimmt spürbar zu. Ich verkenne das nicht. Und das ist vor dem Hintergrund der Zahlen auch sehr verständlich. Wir werden uns mit diesem Problem ganz gesondert und gezielt auseinandersetzen müssen“, unterstrich der Innenminister.

 

 

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