Verkehrsunfallbilanz 2012: Mehr Unfälle, aber weniger Verletzte und Tote

15. März 2013 | Themenbereich: Schleswig-Holstein, Verkehr | Drucken

Mehr Unfälle, aber weniger Verletzte und Tote. Das ist die Bilanz des Verkehrssicherheitsberichts 2012 der schleswig-holsteinischen Landespolizei, den Innenminister Andreas Breitner und Landespolizeidirektor Burkhard Hamm am Freitag (15. März) der Presse in Kiel vorstellten. Danach ereigneten sich auf den Straßen Schleswig-Holsteins im vergangenen Jahr insgesamt 71.422 Unfälle. Dabei wurden 14.921 Menschen verletzt; 109 Personen kamen ums Leben. Im Vergleich zu 2011 stiegen die Gesamtunfallzahlen um 1,2 Prozent. Die Zahl der Verletzten verringerte sich um zwei Prozent. Und elf Menschen weniger als 2011 starben im Straßenverkehr.

Zahl der Verkehrsunfalltoten auf Tiefststand

 Mit 109 tödlich Verunglückten war 2012 das Jahr mit der zweitniedrigsten Zahl von Verkehrsunfalltoten seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik vor mehr als 60 Jahren. Den Tiefststand registrierte die Polizei 2010. Damals verloren 108 Menschen im Straßenverkehr ihr Leben. „“Jeder Verkehrstote ist einer zu viel““, sagte der Minister. Statistisch gesehen würden jeden Tag 41 Menschen im Straßenverkehr verletzt; an jedem dritten Tag sei ein Mensch an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben. „“Die Verkehrssicherheitsarbeit bleibt ein Schwerpunkt polizeilicher Alltagsarbeit““, sagte Breitner.

Besonders gefährdet: Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Zweiradfahrer

Rund die Hälfte der Getöteten und Schwerverletzten gehören nach Angaben von Breitner zu den relativ ungeschützten Verkehrsteilnehmern: Zehn Fußgänger, 13 Radfahrer und 24 Fahrer und ein Mitfahrer auf motorisierten Zweirädern wurden bei Verkehrsunfällen getötet. Schwer verletzt wurden 196 Fußgänger, 484 Radfahrer und 343 motorisierte Zweiradfahrer.

Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Kindern auf niedrigstem Niveau

Im vergangenen Jahr wurden in Schleswig-Holstein drei Kinder im Straßenverkehr getötet, davon ein Kind als Radfahrer und zwei als Mitfahrer in einem Fahrzeug. Die Anzahl der Verkehrsunfälle, an denen Kinder bis unter 15 Jahren beteiligt waren, sank wieder und erreichte mit 1.201 (ein Rückgang um 5,1 Prozent) den niedrigsten Stand seit Einführung der detaillierten Erfassung der Unfalldaten im Jahr 2003. Es verunglückten 1.310 Kinder, 2,1 Prozent weniger als 2011.Während die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Kinder als Fußgänger und Radfahrer je nach Altersgruppe teilweise sogar erheblich zurückging, stieg die der verletzten Kinder als Mitfahrer um 2,2 Prozent.

Mehr Unfälle mit Senioren, weniger mit jungen Fahrern

Die Anzahl der durch Senioren (65 Jahre und älter) verursachten Verkehrsunfälle stieg um 149 (5,9 Prozent) auf 2.664. Dabei verunglückten 2.085 Verkehrsteilnehmer, 5,7 Prozent mehr. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich die Anzahl der Getöteten um sechs auf 23 Personen. Bei den jungen Fahrern (18 bis 25 Jahre) gibt es einen gegenläufigen Trend: Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich die Anzahl der durch junge Fahrer verursachten Verkehrsunfälle um 119 auf 3.521, das entspricht einem Rückgang um 3,3 Prozent. Bei den Verunglückten wurde ein Rückgang von 169 auf 3.169 registriert, ein Minus von 5,1 Prozent. 21 Verkehrsteilnehmer wurden bei diesen Unfällen getötet.

Noch nie so wenig Fußgänger im Straßenverkehr getötet wie im vergangenen Jahr

1.085 Verkehrsunfälle mit Fußgängern zählte die Polizei. Das ist der dritte Anstieg infolge, diesmal um 6,1 Prozent. Die Anzahl der dabei Verunglückten stieg gleichzeitig um 47 auf 1.168 Verkehrsteilnehmer, ein Plus von 4,2 Prozent. Allerdings wurden noch nie so wenig Fußgänger im Straßenverkehr getötet wie im vergangenen Jahr.

Weniger Alkoholunfälle im Straßenverkehr

Nachdem 2011 die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen ein Beteiligter unter der Wirkung von Alkohol stand, um zehn Prozent angestiegen war, registrierte die Polizei für 2012 einen Rückgang um 11,6 Prozent auf 1.327 Unfälle. Unter Drogen standen 131 Unfallbeteiligte, zwei mehr als 2011.

Hauptunfallursache: Missachtung der Vorfahrt

Die drei häufigsten Hauptunfallursachen mit jeweils rund einem Fünftel oder leicht darüber sind Missachtung der Vorfahrt, Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren und nicht angepasste Geschwindigkeit. Die Rangfolge hat sich im Vergleich zu 2011 nicht verändert.

„Radfahrer als Täter und Opfer“

Ein Schwerpunkt in der Verkehrssicherheitsarbeit soll in diesem Jahr das Thema „Radfahrer als Täter und Opfer“ sein. „“Die Menschen benutzen wieder häufiger das Rad““, sagte Breitner. Dieser durchaus positive Trend spiegle sich aber auch im Verkehrsunfalllagebild wider. Im vergangenen Jahr wurden 3.715 Unfälle mit Radfahrern (4,4 Prozent mehr) von der Polizei aufgenommen. Das entspricht einem Fünftel aller Unfälle. Dabei verunglückten 3.468 Radfahrer und weitere 256 andere Verkehrsteilnehmer, womit ein Anstieg der Zahlen festgestellt wurde. Lediglich die Anzahl der getöteten Radfahrer reduzierte sich von 16 auf 13.

Andreas Breitner: „Es geht nicht um einseitige Schuldzuweisungen“

„“Viele Verkehrsunfälle mit Radfahrern werden von ihnen selbst verursacht““, sagte Breitner. Nach übereinstimmenden Berichten von Polizeibeamten sowie von Bürgern beachteten Radfahrer die Verkehrsregeln nur sehr eingeschränkt, teilweise würden sie sogar bewusst ignoriert. Das bestätigten auch die Verkehrsunfallzahlen. Breitner begrüßte daher die Absicht der Polizei, zusammen mit dem Verkehrsministerium, der Landesverkehrswacht (LVW) und dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) für mehr Radfahrsicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. „“Es geht dabei nicht um einseitige Schuldzuweisungen an eine bestimmte Gruppe von Verkehrsteilnehmern““, betonte der Minister. Die Verkehrssicherheitsaktion sehe Radfahrer auch nicht ausschließlich als Täter. „“Wir wissen, dass Radfahrer nicht selten auch Opfer im Straßenverkehr sind, weil Fußgänger und Autofahrer die Regeln verletzten““, sagte Breitner.

Verkehrsminister Reinhard Meyer: „“Radfahrer haben keine Knautschzone““

Verkehrsminister Reinhard Meyer warb für mehr Miteinander und Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Dazu gehöre vor allem, dass die Verkehrsregeln eingehalten würden: „“Radfahrer haben keine Knautschzone und gehören deshalb zu den schwächeren Verkehrsteilnehmern““, sagte Meyer. Die gestiegene Zahl der Fahrradunfälle mit Verletzungsfolgen belege dies leider. Die Benutzung eines Fahrradhelms verringere das Verletzungsrisiko erheblich. „“Radfahrer, die das Rotlicht missachten, auf der falschen Seite fahren oder im Dunkeln unbeleuchtet unterwegs sind, spielen mit Ihrer Gesundheit und ihrem Leben““, sagte Meyer.

Bei der detaillierten Betrachtung ergeben sich folgende Fakten:

1.534 (41,3 Prozent) der aufgenommenen Verkehrsunfälle mit Radfahrern wurden von ihnen verursacht. Sofern Radfahrer nicht Hauptunfallverursacher waren, setzten sie doch vielfach eine Mitursache: Die Benutzung der falschen Fahrbahn! Radfahrer waren nach den PKW-Fahrern am zweithäufigsten an Verkehrsunfällen mit Personenschaden beteiligt. Radfahrer verunglückten am zweithäufigsten im Straßenverkehr. Die meisten Unfälle mit Radfahrern ereigneten sich an Kreuzungen und Einmündungen sowie an Grundstückseinfahrten und Grundstücksausfahrten. Im Rahmen der Verkehrsüberwachung wurden im vergangenen Jahr 427 Radfahrer, die verbotswidrig ihr Handy während der Fahrt nutzten, und 575 Radfahrer, die das Rotlicht einer Lichtsignalanlage missachteten, angezeigt.

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