Rauschgiftkriminalität 2012 deutlich angestiegen

15. März 2013 | Themenbereich: Kriminalität, Sachsen | Drucken

Die Rauschgiftkriminalität ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Insgesamt wurden 8 875 Straftaten registriert, 779 Fälle bzw. 9,6 Prozent mehr als 2011.

Die Gesamtaufklärungsquote bei den Rauschgiftdelikten betrug 95,3 Prozent. Zu 8 457 aufgeklärten Fällen wurden 7 309 Tatverdächtige ermittelt. Davon 581 nichtdeutsche Tatverdächtige. 24 Prozent stammten aus der tschechischen Republik, häufig ermittelt wurden ferner Tatverdächtige aus Polen, Tunesien und der Türkei.

2012 wurden neun Rauschgifttodesfälle registriert. 2011 starben zwölf Personen im Zusammenhang mit Rauschgiftkonsum.

Innenminister Markus Ulbig: „Die Entwicklung der Rauschgiftkriminalität stellt für die Ermittlungsbehörden eine neue Herausforderung dar. Der Absatzmarkt für synthetische Drogen ist in den vergangenen Jahren europaweit zunehmend gewachsen. Dabei spielt in Sachsen und anderen Bundesländern die Droge Crystal oder auf tschechischer Seite auch Pervitin genannt eine bedeutende Rolle. Beim Verkauf derartiger Produkte und Substanzen werden immense Gewinne erzielt. In der Szene scheint Amphetamin als vermeintlich besonders „reine“ Droge angesehen zu werden. Andere Drogen wie Heroin oder Kokain verlieren zunehmend an Bedeutung.“

In der regionalen Verteilung gibt es ein unterschiedliches Bild. Während in den Landkreisen Bautzen und Görlitz ein deutlicher Anstieg von über 20 Prozent zu verzeichnen war, gingen die Rauschgiftdelikte im Erzgebirgskreis und im Stadtgebiet Leipzig leicht zurück (siehe Anlage).

Im Bereich der sächsischen Außengrenze wurden 1.250 Rauschgiftdelikte registriert, 175 Straftaten bzw. 16,3 Prozent mehr als 2011.

Stark zugenommen haben Rauschgiftdelikte im Zusammenhang mit Amphetamin/Methamphetamin (Crystal). Die Fallzahlen entwickelten sich von 2008 bis 2012 in der Folge 1 771 ? 1 721 ? 2 551 ? 3 802 ? 4 763.

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 6.935 Fälle (+ 10 Prozent) im Bereich der allgemeinen Verstöße (Konsumentendelikte). Darunter 212 Fälle mit Heroin (- 42,7 Prozent), 56 Fälle mit Kokain einschließlich Crack (- 47,2 Prozent) und 2 672 Fälle mit Cannabis (+ 4,5 Prozent).

Mit 3 800 Fälle (+ 24,5 Prozent) gab es im Zusammenhang mit Amphetamin/ Metamphetamin (Crystal) die höchsten Zunahmen.

Im Bereich des illegalen Handels und Schmuggels von Rauschgiften verzeichneten die Fahnder im vergangenen Jahr 1.173 Drogendelikte (+ 0,1 Prozent). Der größte Anteil auch hier mit 712 Fälle (+ 23,6 Prozent) der Bereich Amphetamin/Methamphetamin gefolgt von 353 Fälle (- 15,8 Prozent) mit Cannabis.

Die größten Sicherstellungsmengen gab es im vergangen Jahr im Bereich Crystal, Insgesamt wurden 7,69 Kilogramm sichergestellt. In den ersten beiden Monaten 2013 bereits schon über ein halbes Kilogramm Crystal.

 20 Jahre GER

Die GER Ostsachsen, wurde am 8. Februar 1993 mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit der sächsischen Polizei und des Zolls im Freistaat bei der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität zu verbessern und damit wirksamer zu gestalten. Bereits von Beginn an konzentrierten sich die Ermittlungen auf die schwere und organisierte Rauschgiftkriminalität und das Aufdecken von Lieferschienen von Betäubungsmitteln aus anderen EU-Staaten oder Drittländern sowie die Identifizierung der Hauptabnehmer und -verteiler in Sachsen.

2010 folgte eine zweite Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift mit Sitz in Leipzig. Die Ermittler reagierten damit auf die Rolle des Großraums Leipzig als wichtigen Dreh- und Angelpunkt für den Rauschgifthandel in Sachsen.

Dabei spielt die internationale Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Exemplarisch ein Fall aus dem Jahr 2009:

Nach umfangreichen Ermittlungen und in enger Zusammenarbeit mit der niederländischen Polizei in Maastricht konnten 10 Kilogramm Kokain, 24 Kilogramm Streckmittel, 6 Liter Grundstoff zur Herstellung von Ecstasy und eine Schusswaffe sicherstellt werden. Zwei in Dresden lebende Tatverdächtige italienischer Nationalität wurden festgenommen. Bei dem Zugriff kurz vor einer geplanten Rauschgiftübergabe gingen den Beamten der GER Ostsachsen und deren niederländischen Kollegen außerdem noch zehn weitere Tatverdächtige hauptsächlich türkischer Nationalität ins Netz. Ein weiterer Tatverdächtiger, den die GER bereits im Visier hatte, konnte durch Zielfahnder des LKA Sachsen einen Tag später in Rheinland-Pfalz festgenommen werden.

Die wichtigsten Sicherstellungsmengen 1993 bis 2012:

Heroin 205,588 Kg

Kokain 48,698 Kg

Marihuana 107,035 Kg

Haschisch 147,552 Kg

Amphetamin 44,124 Kg

Methamphetamin 12,123 Kg

Ecstasy 17813 Konsumeinheiten

Legt man die aktuellen Straßenverkaufswerte zu Grunde, hatten diese ca. 570 Kilogramm Betäubungsmittel einen Marktwert von rund 15 Millionen Euro.

Insgesamt wurden ca. 280 Haftbefehle in den 20 Jahren erlassen.

Derzeitiger Schwerpunkt der GER – Ermittlungsverfahren mit Crystal-Bezug und Marihuana. 2012 war das Jahr mit den größten Marihuana-Sicherstellungen (43,474 kg).

 

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