Straftaten erneut gesunken – Aufklärungsquote auf Rekordhoch

13. März 2013 | Themenbereich: Hessen, Kriminalität | Drucken

Innenminister Boris Rhein hat heute die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2012 für das Land Hessen vorgestellt und eine positive Bilanz gezogen. Die Anzahl der Straftaten ist erneut gesunken, auf 395.625 Fälle. Dies ist ein Rückgang im Vergleich zum Jahr 2011 um mehr als 1.200 Fälle (- 0,3%). Im Gegensatz dazu stieg die Aufklärungsquote auf eine neue Höchstmarke von 58,8%, der beste Wert seit Einführung der EDV-gestützten PKS im Jahr 1971. Die Häufigkeitszahl (Zahl der registrierten Fälle auf 100.000 Einwohner) beträgt 6.494 und ist damit auf dem niedrigsten Stand seit 1979.

Innenminister Boris Rhein: „Hessen ist erneut eines der sichersten Bundesländer. Wir konnten die Aufklärungsquote zum zehnten Mal in Folge steigern. Dafür möchte ich mich bei allen Polizistinnen und Polizisten herzlich bedanken, die mit ihrem engagierten Einsatz diese Bilanz möglich gemacht haben. Dieser Erfolg im Kampf gegen die Kriminalität ist aber auch Ergebnis unserer nachhaltigen Sicherheitspolitik. Die Landesregierung hat die günstigen Rahmenbedingungen geschaffen, damit die Polizei eine Mischung aus konsequenter polizeilicher Strategie und Prävention, möglichst effektiv umsetzen kann. Dazu gehört eine moderne Ausstattung genauso wie genügend Personal. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, haben wir auch für 2014 festgeschrieben, dass 13.764 Polizeibeamte – so viele wie noch nie in Hessen – ihren Dienst versehen.“

Deliktsfelder

Am häufigsten registrierte die Polizei 2012 Diebstahlsdelikte. Sie machen fast 37% (- 2,2% zum Vorjahr) aller Straftaten in Hessen aus. Insgesamt gab es hier einen Rückgang um 3.286 Fälle auf 145.867 Fälle. Erfreulicherweise sind die Rückgänge allesamt beim schweren Diebstahl zu verzeichnen. Hier zeigt sich u.a., der Erfolg der Präventionsoffensive insbesondere gegen den Wohnungseinbruch. Erstmals seit 2008 registrierte die Polizei einen Rückgang beim Wohnungseinbruchsdiebstahl um – 2,8 % (304 Fälle) auf insgesamt 10.570 Fälle.

„Mit dem Rückgang der Einbrüche haben wir eine Trendwende eingeleitet. Besonders erfreulich ist, dass unsere Polizistinnen und Polizisten die Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruch um 3,5% auf 20,7% steigern konnten. Dies ist das zweitbeste Ergebnis der letzten 20 Jahre und ein Produkt intensiver polizeilicher Arbeit. Die hessische Polizei stellt sich den Herausforderungen – sowohl politisch, strategisch als auch operativ. Denn die Sicherheit unseres Landes ist kein Produkt des Zufalls. Wir haben großen Wert darauf gelegt, die hessische Polizei für ihren Auftrag als „Garant der Sicherheit in Hessen“ top aufzustellen. Nachhaltige Strategien, fortgeschriebene Konzepte, immer an der Lage orientiert, ermöglichen es auch zukünftig, unseren hohen Sicherheitsstandard aufrecht zu halten“, erläuterte Innenminister Boris Rhein.

Vermögens- und Fälschungsdelikte bilden knapp ein Viertel (23%) aller Taten (+ 0,3% zum Vorjahr). Vor allem Betrugsdelikte, Fälschungs- und Vermögensdelikte sind insgesamt mit rund 91.000 Straftaten (+ 266) nahezu unverändert geblieben, ebenso die hervorragende Aufklärungsquote von 78,5 %. Die darin enthaltene Internetkriminalität ist um + 5,2 %, (927 Fälle), auf 18.878 Straftaten gestiegen, bei einer Aufklärungsquote von 63,0% (2011: 65,3%).

Kein anderes Deliktsfeld ist einer so rasanten Entwicklung unterlegen wie die Cyberkriminalität. Hier hat sich die hessische Polizei sehr frühzeitig auf die heutigen Entwicklungen eingestellt. Nicht nur mit der Einrichtung von Internetkommissariaten in allen hessischen Polizeipräsidien – als bundesweiter Vorreiter –, sondern auch mit der neuen Cybercrime-Abteilung im Hessischen Landeskriminalamt tritt Hessen den Herausforderungen rund um die kriminellen Möglichkeiten im Internet offensiv entgegen.

„Mein Ziel ist es, die technischen, operativen und vor allem personellen Kompetenzen bei der Bekämpfung der Cyberkriminalität stetig weiterzuentwickeln und auszubauen. Genauso verhält es sich mit unserer Philosophie, die „Regionale Sicherheit“ weiter zu stärken. Dies bedeutet vor allem, durch stärkere Präsenz der Polizei die Sicherheit im öffentlichen Raum herzustellen. Nicht nur verschiede Delikte der sogenannten „Straßenkriminalität“ stehen hier im Fokus, auch die Rauschgiftkriminalität, sowohl mit internationalen Bezügen durch organisierte Täterbanden, als auch der sogenannte Straßenhandel, den wir ebenfalls entschieden bekämpfen wollen“, erklärte Innenminister Boris Rhein.

Diese Fälle ergeben rund 28% aller Straftaten in Hessen und sind unter „sonstigen Straftaten nach dem StGB“, (hier vor allem die Sachbeschädigung) und Straftaten nach „strafrechtlichen Nebengesetzen“ registriert – hierunter fallen Verstöße gegen das Waffengesetz, sämtliche ausländerrechtliche Delikte, wie die illegale Einreise oder der illegale Aufenthalt, aber auch die Rauschgiftdelikte. Insgesamt haben wir, wie im Vorjahr, auch 2012 fast 20.000 Rauschgiftdelikte registriert und diese zu 95% klären können (+0,2%). Die Straßenkriminalität, häufig auch Beschaffungskriminalität für Rauschgift, ist mit etwa 75.000 Fällen um 4.000 Straftaten zurückgegangen. Der Schwerpunkt hierbei liegt beim Straßendiebstahl mit über 45.000 Fällen (- 2.661 Fälle). Der Straßenraub als besonders sicherheitsrelevantes Delikt ist um 100 Fälle auf knapp 1.924 Straftaten zurück gegangen; fast jede zweite Tat (45%) konnte geklärt werden.

Die Obergruppe der Gewaltdelikte einschließlich Tötungsdelikte, Raub und Körperverletzung, bilden rund 11 % aller Straftaten (2011: -2,7%). Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität (PMK) registrierte die Polizei einen leichten Rückgang von – 2,2% haben. Im Bereich PMK RECHTS liegt der Rückgang sogar bei – 4,4%.

Innenminister Boris Rhein: „Sorge bereitet mir die PMK LINKS, hier gibt es einen Anstieg um + 6,4 % und eine erschreckende Zunahme der Gewaltdelikte um + 189,5% auf 110 Fälle. Dieser Anstieg ist insbesondere auf die Gewalteskalation während der M31 Proteste zurückzuführen, bei denen linke Chaoten einen Polizeibeamten durch gezielte Angriffe sehr schwer verletzt haben.“

Rückgänge haben sich insbesondere in folgenden Deliktsbereichen ergeben:

Straßenkriminalität -4.002 Fälle -5,0 %

Diebstahl in/aus Kraftfahrzeugen -2.672 Fälle -15,9 % Ladendiebstahl -1.680 Fälle -6,7 %

Diebstahl von unbaren Zahlungsmitteln -1.131 Fälle -8,8 %

Anlagebetrug -926 Fälle -89,6 % Computerkriminalität -910 Fälle -13,9 %

Sachbeschädigung -874 Fälle -2,2 %

Diebstahl unter erschw. Umständen in/aus Dienst-/Büroräumen -690 Fälle -8,2 %

Zunahmen haben sich u. a. bei folgenden Delikten ergeben:

AufenthaltG/AsylVfG/FreizG +3.017 Fälle +17,9 %

Wirtschaftskriminalität +1.945 Fälle +54,7 % Leistungsbetrug +1.872 Fälle +58,2 %

Erschleichen von Leistung +806 Fälle +3,6 % Warenbetrug +674 Fälle +12,8 %

Tankbetrug +542 Fälle +9,3 %

 

 

Tatverdächtige

Die Zahl der in der PKS registrierten Tatverdächtigen ist um 6.340 Personen (+ 4,2%) gestiegen und beträgt insgesamt 158.410 Personen. Auch der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen hat von 34,7% auf 36,5% zugenommen. Langfristig sind die Anteile nichtdeutscher Tatverdächtiger jedoch rückläufig. 25,4% der Tatverdächtigen sind weiblich, 74,6% männlich. Schäden Im Jahr 2012 registrierte die Polizei Schäden in Höhe von ca. 462 Millionen Euro (Vorjahr: ca. 423 Millionen Euro).

Die gestiegenen Schäden sind im Wesentlichen über mehrere Sammelverfahren im Bereich des Betruges bzw. der Wirtschaftskriminalität zu erklären. Beispielsweise hat das Polizeipräsidium Frankfurt ein Ermittlungsverfahren wegen Abofallen im Internet geführt bei dem es bundesweit ca. 200.000 Geschädigte gab und die Schadenssumme hier allein bei ca. € 9 Mio. lag.

Deliktsspezifisch waren die Schäden sehr unterschiedlich. Beim Erschleichen von Leistungen betrug der durchschnittliche Schaden pro Fall knapp 25 Euro, beim Wohnungseinbruchdiebstahl durchschnittlich 4.731 Euro, beim Diebstahl von Kraftwagen durchschnittlich 18.249 Euro, bei Fällen der Wirtschaftskriminalität durchschnittlich 47.390 Euro, beim Betrug im Zusammenhang mit Kapitalanlagen durchschnittlich 41.076 Euro, bei Untreue bei Kapitalanlagegeschäften durchschnittlich 54.499 Euro.

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