Neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis für die Einsatznachsorge im THW

12. März 2013 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Rund 100 Kameraden und Kameradinnen aus den Einsatznachsorgeteams des THW reisten aus allen acht Landesverbänden und somit aus dem gesamten Bundesgebiet nach Bad Neuenahr-Ahrweiler, um sich über ihre Erfahrungen und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in der Psychosozialen Notfallversorgung auszutauschen und fortzubilden. Die Veranstaltung fand dort vom 22. bis 24 Februar statt.

„„Psychosoziale Hilfe für Helfer und Helferinnen nach belastenden Einsätzen gehört längst zum anerkannten Standard innerhalb des Technischen Hilfswerks““ so BBK-Vizepräsident Ralph Tiesler in seiner Eröffnungsrede.

Die Veranstaltungsreihe an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wird seit 2009 in enger Zusammenarbeit zwischen BBK und der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) durchgeführt. Seitdem stellt sie eine nachgefragte Plattform für den Erfahrungs- und Fachaustausch der THW-Einsatznachsorgeteams dar.

Das Symposium geht zurück auf ein Abkommen zwischen den beiden Behörden aus dem Jahre 2006, wonach das BBK dem THW seine fachliche Expertise in psychosozialen Fragen zur Verfügung stellt. Auch bei den so genannten Konsensuskonferenzen 2008 – 2010 zur Qualitätssicherung in der Psychosozialen Notfallversorgung, einem Arbeits- und Abstimmungsprozess unter Moderation des BBK, war das THW aktiv einbezogen und unterzeichnete, gemeinsam mit anderen Kooperationspartnern aus der Gefahrenabwehr, das erarbeitete Leitlinienpapier.

Beim diesjährigen Symposium konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in insgesamt zehn Workshops und zahlreichen interdisziplinären Fachvorträgen einen Überblick über die Weiterentwicklung des noch recht jungen Fachgebiets der Einsatzvorbereitung und Nachsorge verschaffen.

So gab beispielsweise Prof. Dr. Irmtraud Beerlage von der Hochschule Magdeburg-Stendal eine Zusammenfassung ihrer Studie über Gesundheit und Engagement im THW-Ehrenamt wieder. Zu den Angeboten und Hilfestellungen aber auch den Grenzen der Seelsorge in Bezug auf Einsatzkräfte berichtete Pastorin Erneli Martens der Landesfeuerwehrseelsorge Hamburg aus ihren langjährigen Erfahrungen. Prof. Dr. Harald Karutz von der Medical School Hamburg referierte zu der Problematik der direkten Konfrontation von Einsatzkräften mit persönlich bekannten Notfallopfern und den daraus möglicherweise resultierenden Belastungen sowie Strategien zum Umgang mit solchen Situationen.

Aus Luxemburg war der Begründer und Leiter der dortigen „Groupe de Support Psychologique de Protection Civile“ (Psychologischer Dienst des Zivilschutzes), Prof. Léon Krauss, nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gekommen, um von den Erfahrungen in der Primären Prävention in Luxemburg zu berichten. Über die grenzübergreifende Zusammenarbeit mit der „Groupe des Support Psychologique de Protection Civile“ im Rahmen eines EU-Experten-Austauschs sprach Tom Kagel, Mitglied des Einsatznachsorgeteams des Landesverbandes Bremen, Niedersachsen. Andreas Bartels und Nils Freiherr Grote, ebenfalls aus dem Landesverband Bremen, Niedersachsen, diskutierten über die Bedeutung des Stressmanagements in Einsätzen und die mögliche Rolle der Einsatznachsorgeteams im Ereignisfall.

Weitere Inhalte der Veranstaltung waren die professionelle Einsatzbegleitung von Einsatzkräften, aktives Fehlermanagement in der Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Teamkollegen und –kolleginnen, die Screening-Instrumente zur Sicherstellung einer frühzeitigen bedarfsgerechten psychosozialen Versorgung sowie der grundsätzliche Austausch über Einsatzerfahrungen und daraus resultierenden Erkenntnissen.

Dass eben dieser Austausch auch weiterhin notwendig ist, betonte THW-Vizepräsident Gerd Friedsam: „„Technisch-humanitäre Hilfe bedeutet für die Helferinnen und Helfer vor allem einen immensen Kraftakt, nämlich den Einsatz von Körper und Seele – oft bis an die Grenze der Belastbarkeit. Gerät nur eines der beiden – Körper oder Seele – aus dem Gleichgewicht, kommt es zur emotionalen Schieflage. „Hilfe für Helferinnen und Helfer im THW“ hilft, Menschen zu sensibilisieren, Themen und Fragestellungen in das Bewusstsein zu rücken und bietet Lösungsmöglichkeiten an.““

Aufgrund des erfolgreichen Verlaufes der Veranstaltung, der breiten Akzeptanz und des ausdrücklichen Wunsches der Teilnehmer und Teilnehmerinnen wird 2015 das fünfte gemeinsame Symposium von BBK und THW zum Thema „Hilfe für Helferinnen und Helfer“ stattfinden.

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