Mehr Opferhilfe für Berliner mit türkischem Migrationshintergrund

12. März 2013 | Themenbereich: Berlin, Innere Sicherheit | Drucken

Um den Opferschutz in der Stadt weiter auszubauen, sollen gezielter als bislang auch Opfer mit türkischem Migrationshintergrund angesprochen werden. Darauf haben sich der Senator für Justiz und Verbraucherschutz, Thomas Heilmann, und der türkische Generalkonsul in Berlin, Ahmet Ba?ar ?en, verständigt. Gemeinsam mit den Opferhilfevereinen Weisser Ring e.V. und der Opferhilfe Berlin e.V. gaben sie gestern den Startschuss für eine engere Zusammenarbeit.

Initiiert hatte den Dialog der türkische Generalkonsul gemeinsam mit dem Opferbeauftragten des Landes Berlin, Roland Weber. Senator Heilmann: „Ungefähr 200.000 Berliner mit türkischem Pass oder zumindest türkischen Wurzeln leben in unserer Stadt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im bundesdeutschen Durchschnitt. Wir wissen von Studien zur Jugendkriminalität, dass circa 85 Prozent der Taten, in denen auf Täter- und Opferseite Jugendliche mit Migrationshintergrund stehen, nicht angezeigt werden. Das wollen wir ändern. Denn nur wenn die Opfer sich melden, können wir die Täter verfolgen. Die Zusammenarbeit mit dem türkischen Konsulat ist damit auch ein Stück praktische Integration.“

Generalkonsul ?en: „Ich freue mich sehr über diese Kooperation. So können wir den in Berlin lebenden Türken und den Berlinern mit türkischem Migrationshintergrund kompetent Wege aufweisen, wo sie individuelle Hilfe erfahren. Wir möchten unsere vorhandene Hilfeleistung für unsere türkischen Bürger durch die Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden und den Opfervereinen ausweiten. Insbesondere ist es uns wichtig, dass auch die kleinste Tat angezeigt wird, die einen ausländer- bzw. türkenfeindlichen Hintergrund hat.“ Er kündigte an, sich für die Vernetzung von türkischen Kulturvereinen mit den Opferhilfevereinen der Stadt einzusetzen.

Die Landesvorsitzende des Weissen Rings, Sabine Hartwig, wirbt in diesem Zusammenhang dafür, dass sich mehr Migranten für Kriminalitätsopfer engagieren (www.weisser-ring.de/Berlin). Bislang hätten nur zwei von rund 120 ehrenamtlichen Mitarbeitern des Weissen Rings in Berlin einen Migrationshintergrund. Ein solcher Hintergrund sei aber wichtig für das Verständnis untereinander.

 

Um die Akzeptanz der Angebote zu stärken, wird der Weisse Ring Vertretungen der türkischen Bürgerinitiativen über die Rechte der Opfer informieren. Die türkischen Zivilorganisationen können dann hilfesuchende Bürger vorab informieren und fallorientiert an die entsprechenden Stellen weiterleiten. Hilfesuchende werden eingehend beraten – in Einzelfällen geht es an-schließend z.B. direkt zum Therapeuten, in die Traumaambulanz oder zum Versorgungsamt zur Geltendmachung von Entschädigungsansprüchen. Auch „Hausbesuche“ gehören zum Beratungsangebot – bei Bedarf in Begleitung einer türkischsprachigen Person. Der Weisse Ring stattet das Generalkonsulat und die türkischen zivilgesellschaftlichen Organisationen darüber hinaus mit türkischsprachigem Informationsmaterial zu den Hilfsangeboten aus. Auch die Geschäftsführerin der Berliner Opferhilfe, Janice Bridger, lässt derzeit ihre komplette Website in die türkische Sprache übersetzen, um Opfern mit türkischem Migrationshintergrund den Zugang zu den Hilfsangeboten zu erleichtern (www.opferhilfe-berlin.de).

Auch der Leitfaden zur schnellen Hilfe für Opfer von Gewaltstraftaten des Opferbeauftragten Roland Weber ist bereits in türkischer Sprache abrufbar: http://www.berlin.de/sen/justiz/opferbeauftragter/hilfsangebote_turk.html.

 

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