Kriminalstatistik 2012: So wenige Straftaten wie seit 1980 nicht mehr

7. März 2013 | Themenbereich: Kriminalität, Schleswig-Holstein | Drucken

In Schleswig-Holstein gab es im vergangenen Jahr so wenige Straftaten wie seit 1980 nicht mehr. Die Polizei zählte insgesamt rund 212.000 Delikte, 3,5 Prozent weniger als 2011. Im Zehn-Jahres-Vergleich sank das Kriminalitätsniveau um fast 20 Prozent. „“Schleswig-Holstein ist insgesamt ein sicheres Land““, sagte Innenminister Andreas Breitner bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2012 am Donnerstag (7. März) in Kiel.

Ein Indikator dafür ist die so genannte Häufigkeitszahl. Sie gibt an, wie stark die Bevölkerung eines Landes mit Kriminalität belastet ist. 2012 entfielen rechnerisch 7.468 Straften auf 100.000 Einwohner, 2011 waren es noch 7.751 Delikte. Unter den insgesamt 72.920 Tatverdächtigen, 3,2 Prozent weniger als 2011, waren 11.803 Ausländer, das entspricht einem Anteil von 16,2 Prozent, das ist eine leichte Steigerung zum Vorjahr um 1,3 Prozentpunkte.

Frauen und ältere Menschen werden am wenigsten Opfer von Straftaten

In Schleswig-Holstein wurden im vergangenen Jahr 37.911 Opfer von Kriminalität registriert, das sind 900 oder 2,3 Prozent weniger als 2011. Von den insgesamt 37.911 Opfern waren 23.737 (62,6 Prozent) männlich und 14.174 (37,4 Prozent) weiblich. „“Eine besondere Gefährdung von Frauen und älteren Menschen, Opfer einer Straftat zu werden, lässt sich aus der Statistik nicht erkennen““, sagte Breitner. Jugendliche und Heranwachsende würden häufiger Opfer im Rahmen körperlicher Auseinandersetzungen zwischen „Gleichaltrigen“. Die Opfergefährdung dieser Altersgruppen sei deshalb erheblich höher als die anderer Altersgruppen, im Vergleich zum Vorjahr jedoch erfreulich gesunken.

Nahezu jede zweite Tat wurde aufgeklärt

Die Aufklärungsquote von rund 48 Prozent blieb nahezu konstant. Das heißt, im Vergleich zu 2011 wurde auch im zurückliegenden Jahr fast jede zweite Straftat aufgeklärt. Erfreulich hoch mit jeweils rund 75 Prozent sind nach Aussage des Ministers die Aufklärungsquoten bei der Gewaltkriminalität und den Vermögens- und Fälschungsdelikten.

Problem Diebstahlskriminalität

„“Unser Problem bleibt weiterhin die Bekämpfung der Diebstahlskriminalität““, sagte Breitner. Bei der Polizei wurden im letzten Jahr zwar rund 1.900 Diebstähle weniger angezeigt, dennoch ist weiterhin nahezu jede zweite Straftat in Schleswig-Holstein ein Diebstahl, und davon wurde lediglich jede fünfte Tat aufgeklärt. Das drückt nach Aussage des Ministers auch die Aufklärungsquote. „“Bei Diebstählen fehlen oft die Ermittlungsansätze““, sagte Breitner. Gelegenheitsdiebe seien besonders schwer zu fassen. Gegen organisierte Einbrecherbanden sei die Polizei jedoch nicht machtlos. Das hätten die Festnahmen von 22 Tatverdächtigen in den letzten drei Monaten gezeigt.

Mit klugen Konzepten und gezielten Ermittlungen zum gewünschten Erfolg

Der Erfolg der Landespolizei im Kampf gegen Wohnungseinbrüche organisierter Banden sei das Ergebnis intensiver kriminal- und einsatztaktischer Beharrlichkeit. „“Der Schlag gegen die Einbrecher zeigt, dass die Polizei ihre Schwerpunkte richtig setzt““, sagte Breitner. Akribische Tatortarbeit, gezielte Streifen, systematische, auch länderübergreifende Auswertungen und Ermittlungen sowie durchdachte Einsatzkonzepte führten letztlich zu dem gewünschten Ergebnis. Die Festnahmen der Täter verbesserten die objektive Sicherheitslage und stärkten das Sicherheitsgefühl der Menschen und deren Vertrauen in die Polizei.

Unsere Gesellschaft wird nicht immer brutaler

Die Gewaltkriminalität sank im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 Prozent auf insgesamt 6.872 Straftaten. Gefährliche und schwere Körperverletzung hat mit insgesamt 4.770 Straftaten um 334 Fälle (6,5 Prozent) abgenommen. Um 240 Fälle oder 12,5 Prozent deutlich zurückgegangen sind Raubdelikte. Der Anteil der Gewaltkriminalität an allen Straftaten beträgt 3,2 Prozent. „“Die Zahlen lassen an der landläufigen Meinung von immer mehr und immer brutalerer Gewalt in der Gesellschaft berechtigte Zweifel zu““, sagte Breitner. Dennoch lege die Polizei weiterhin einen besonderen Schwerpunkt auf die Prävention und Verfolgung von Gewaltstraftaten.

Jugendkriminalität entwickelt sich „verhalten positiv“

Im Bereich der Jugendkriminalität gibt es eine, wie Breitner sagte, „verhalten positive Entwicklung“. 18.040 junge Leute unter 21 Jahren, 1.617 weniger als 2011, wurden von der Polizei als Tatverdächtige gezählt. Das entspricht einem Anteil von 24,7 Prozent. „“Für eine Entwarnung ist es jedoch zu früh““, sagte Breitner. Denn bei Raubdelikten seien Jugendliche überdurchschnittlich vertreten. So sei jeder zweite ermittelte Räuber unter 21 Jahren. 44 Prozent der Tatverdächtigen, denen gefährliche und schwere Körperverletzung in der Öffentlichkeit zur Last gelegt werde, seien Jugendliche.

Junge Leute begehen häufig ihre Taten unter Alkoholeinfluss

Insbesondere im Bereich der Gewalt- und Rohheitsdelikte ist der Anteil der jungen Tatverdächtigen, die bei ihrer Tat unter Alkoholeinfluss standen, mit rund 43 Prozent beziehungsweise 42 Prozent sehr hoch und gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht gestiegen. Wurden die Gewalttaten auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen begangen, waren sogar mehr als die Hälfte der ermittelten Tatverdächtigen unter 21 Jahren alkoholisiert. „“Die Polizei wird auch in der Zukunft mit einer Mischung aus Prävention und Repression gegen Jugendkriminalität vorgehen““, sagte Breitner.

Rauschgiftkriminalität auf niedrigem Niveau

Der Umfang der registrierten Rauschgiftkriminalität nahm in Schleswig-Holstein im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um 288 Fälle (minus 4,7 Prozent) ab und bewegt sich nunmehr auf dem derzeit niedrigsten Niveau der letzten zehn Jahre. Nach wie vor ist Cannabis die am meisten verbreitete illegale Droge. Für die Delikte im Zusammenhang mit der Rauschdroge Heroin sind durchweg rückläufige Zahlenwerte zu beobachten. „“Insgesamt gibt es einen Trend weg vom sedierenden Heroin hin zu aufputschenden Drogen““, sagte Breitner. Kristallines Methamphetamin, so genanntes Chrystal, das von Tschechien ausgehend eine zunehmende Verbreitung im Süden Deutschlands erfährt und bei den Konsumenten zu massiven Verelendungsprozessen führt, spiele in Schleswig-Holstein zurzeit noch keine Rolle. Die Zahl der Drogentoten bewege sich seit Jahren auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Dennoch starben 2012 nach Polizeiangaben 26 Menschen, neun weniger als im Vorjahr, an den Folgen des Rauschgiftmissbrauchs. „“Die Polizei wird ihren Verfolgungsdruck im Bereich der Rauschgiftkriminalität aufrechterhalten““, sagte Breitner. Denn viele Raubtaten gehörten zur Beschaffungskriminalität von Drogenabhängigen.

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