Kriminalstatistik Bayern

4. März 2013 | Themenbereich: Bayern, Kriminalität | Drucken

„Die Kriminalstatistik des Jahres 2012 bestätigt die ausgezeichnete Sicherheitslage in Bayern. Insbesondere dank der hervorragenden Arbeit der Bayerischen Polizei können die Bürgerinnen und Bürger im Freistaat Bayern sicherer leben als anderswo.“ Davon ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nach der heutigen Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik in München besonders aus zwei Gründen überzeugt: Zum einen sei die äußerst niedrige Kriminalitätsbelastung von 4.977 Straftaten pro 100.000 Einwohner (2011: 4.969) ein Spitzenwert in Deutschland. Zum anderen konnte die Polizei mit 63,2 Prozent knapp zwei Drittel aller Straftaten aufklären (2011: 64 Prozent). Herrmann: „Im Bundesdurchschnitt kann regelmäßig etwa nur die Hälfte der Delikte aufgeklärt werden.“

Im vergangenen Jahr ist in Bayern die Zahl der insgesamt erfassten Straftaten zwar leicht um 0,6 Prozent auf 626.865 Fälle angestiegen. „Trotz dieses leichten Anstiegs liegen wir aber auf einem ähnlich guten Niveau wie 2011“, erläuterte Herrmann und verdeutlichte, dass die Kriminalitätsbelastung zehn Jahre vorher noch bei mehr als 5.700 Straftaten pro 100.000 Einwohner lag.

Straftaten im und mit dem Internet spielen nach den Zahlen der Kriminalstatistik eine immer größere Rolle. Die Bandbreite der 21.963 Fälle im Jahr 2012 (plus 6,6 Prozent) reicht von Kinderpornografie über Betrug bis hin zur Beleidigung. „Die Zahlen steigen auch, weil das Risiko für Straftäter, im weltweiten Netz erwischt zu werden, zu gering ist“, ergänzte der Innenminister mit Blick auf die Aufklärungsquote von gut sieben Prozent. Problematisch für die Polizei sei insbesondere der fehlende Rückgriff auf Verbindungsdaten. Herrmann forderte daher mit Nachdruck die Bundesjustizministerin auf, beim Thema ‚Vorratsdatenspeicherung‘ endlich ihre Blockadehaltung aufzugeben. „Wir müssen im Fall schwerer Straftaten herausfinden können, wer hinter einer IP-Adresse steckt“, betonte Herrmann. „Das Internet darf keinesfalls zum rechtsfreien Raum werden.“

Die Bayerische Polizei geht gegen Internetkriminelle mit eigenen Schwerpunktkommissariaten und speziellen Netzwerkfahndern vor. Seit letztem Jahr verstärken zudem 25 zu Polizisten ausgebildete Informatiker die Ermittlungsarbeit in Bayern. Herrmann plant in den nächsten Jahren weitere IT-Experten bei der Polizei einzustellen: „Neben den 840 zusätzlichen Stellen im Doppelhaushalt 2013/2014 intensivieren wir mit weiteren 100 Planstellen auch den Kampf gegen die Cyberkriminalität.“

Die Diebstahlskriminalität hatte 2012 mit 193.514 Delikten (plus 0,7 Prozent) den größten Anteil (31 Prozent) an der Gesamtkriminalität. Der Schaden erhöhte sich um 2,4 Millionen Euro auf insgesamt mehr als 175 Millionen Euro. Während der Diebstahl von Kraftfahrzeugen deutlich um 10,4 Prozent auf 2.076 Fälle zurückging, stieg die Zahl der Diebstähle abgesperrter Fahrräder um 5,7 Prozent auf 19.371. „Ich appelliere daher an alle Fahrradbesitzer, ihre Räder mit einem hochwertigen Schloss zu sichern“, so Herrmann. Daneben habe die Bayerische Polizei ihre Fahndungs- und Präventionsmaßnahmen verstärkt.

Intensivere Polizeimaßnahmen kündigte Herrmann auch gegen das Phänomen der vermehrten Wohnungseinbrüche an. Entsprechend dem bundesweiten Trend gab es 2012 auch in Bayern einen Anstieg um neun Prozent auf 5.709 Fälle. Herrmann hat sich daher schon im vergangenen Jahr bei der Innenministerkonferenz für bundesweit eng abgestimmte Bekämpfungsmaßnahmen eingesetzt und mit den anderen Innenministern auf eine gemeinsame Vorgehensweise verständigt.

Besonders stark sind 2012 in Bayern auch die Taschendiebstähle mit 6.696 Delikten angestiegen (plus 14,3 Prozent). „Gerade bei Menschenansammlungen ist die Gefahr von Taschendiebstählen am größten“, erklärte Herrmann und verwies auf die speziellen Taschendiebfahnder, die vor allem bei Straßenfesten und Weihnachtsmärkten verstärkt kontrollieren. „Tragen Sie Ihre Wertsachen immer möglichst körpernah und am besten in verschlossenen Innentaschen Ihrer Kleidung“, rät der Innenminister.

Die Vermögens- und Fälschungsdelikte hatten 2012 mit 18 Prozent den zweitgrößten Anteil an der Gesamtkriminalität. Hier stieg die Zahl der Straftaten um 1,1 Prozent auf 112.132 Fälle. Die größte Abnahme gab es beim sogenannten ‚Schwarzfahren‘ in öffentlichen Verkehrsmitteln (minus 5,9 Prozent auf 17.103 Delikte). Der Betrug mittels rechtswidrig erlangter Daten von Zahlungskarten stieg hingegen sehr deutlich um 25,6 Prozent auf 2.789 Fälle an. „Das heimliche Ausspähen oder Kopieren von Zahlungskartendaten, auch Phishing oder Skimming genannt, ist weiterhin ein großes Problem.“ Neben mehr Sorgfalt beim bargeldlosen Zahlungsverkehr sieht der Herrmann insbesondere auch die Banken und Kreditkartenunternehmen in der Pflicht, die Sicherungsmechanismen noch weiter zu optimieren.

Eine positive Entwicklung war 2012 bei der Gewaltkriminalität festzustellen. Die Zahl der Straftaten ging um 1,4 Prozent auf 20.044 Fälle und damit auf den niedrigsten Wert seit 2001 zurück. 83,2 Prozent dieser Gewaltdelikte konnte die Bayerische Polizei aufklären. In 16.269 Fällen ging es um gefährliche und schwere Körperverletzung (2011: 16.461). Mit 8,4 Prozent gab es deutliche Rückgänge bei den Tötungsdelikten (minus 28 Fälle auf 307 Delikte). Dass in diesen Fällen nahezu jeder Täter gefasst werden konnte (99 Prozent Aufklärungsquote), ist für Herrmann ein Beleg der sehr guten Arbeit der bayerischen Kriminalpolizei. Sorge bereitet dem Innenminister aber der mit 41,7 Prozent hohe Anteil alkoholisierter Gewalttäter. „Bei den Gewaltdelikten Heranwachsender stand sogar über die Hälfte der Täter unter Alkoholeinfluss“, erläuterte Herrmann. Die Kriminologische Forschungsgruppe im Bayerischen Landeskriminalamt erarbeitet derzeit eine Studie, von der sich Herrmann wertvolle Impulse zur Eindämmung dieser Auswüchse erhofft.

Die Rauschgiftkriminalität stieg 2012 in Bayern um 6,3 Prozent auf 33.221 Straftaten. Herrmann führte den Anstieg auch auf die verstärkten Kontrollmaßnahmen der Bayerischen Polizei zurück. Gerade der Schmuggel von ‚Crystal‘ aus Tschechien sei besorgniserregend, so Herrmann. Rund 14,3 Kilogramm dieser hochgefährlichen Modedroge konnten bayerische Polizeibeamte 2012 sicherstellen (2011: 11,7 Kilogramm). Dem Drogenmarkt wurden damit etwa 140.000 Konsumeinheiten entzogen. Die Zahl der aufgegriffenen Erstkonsumenten stieg um fast 87 Prozent auf 528 Personen. Bei 20 Drogenkonsumenten war Crystal mitursächlich für ihren Tod. „Ein wichtiges Signal ist, dass die Tschechische Regierung auch auf mein Drängen hin nun endlich entschiedener gegen die Drogenkriminalität vorgeht“, erklärte Herrmann im Hinblick auf die Ergebnisse des Hofer Dialogs vor rund drei Wochen in Prag und seine Gespräche mit dem tschechischen Innenminister Jan Kubice. So hat die tschechische Polizei seit Februar dieses Jahres den Fahndungsdruck nach dem Vorbild der bayerischen Schleierfahndung gezielt erhöht. Auch die Ankündigung, die tschechischen Drogengesetze gerade beim straffreien Eigenbesitz zu verschärfen und gezielter gegen die Produzenten und Hintermänner vorzugehen, sei der richtige Weg, so Herrmann weiter.

 

 

 

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