Polizeistatistik ist kein Abbild der tatsächlichen Kriminalität

28. Februar 2013 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Hamburg, Interessenvertretungen | Drucken

Seit Jahren erleben wir die kontinuierliche Abwanderung der Täter, weg von der Straßenkriminalität, hin in den virtuellen Raum des Internets. Die Taten unter Nutzung des Tatmittels Internet sind auch in 2012 deutlich gestiegen, die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet dies bloß nicht ab.

Experten messen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) keine große Bedeutung zu. Der BDK kritisiert seit Langem die geringe Aussagekraft der PKS und fordert stattdessen einen umfassenden Sicherheitsbericht, der sich auch mit den Phänomenen und Entwicklungen im so genannten „Dunkelfeld“ der Kriminalität beschäftigt und die Fallzahlen anhand der Geschädigtenanzahl erfasst.

Die Bewertung des großen Deliktsbereiches Cybercrime und die damit für die Bürgerinnen und Bürger beinhaltete Bedrohung, Opfer einer Straftat zu werden, ist allein auf Basis statistischer Zahlen unmöglich. Zahlreiche Delikte, wie z.B. Phishing beim Onlinebanking, DDoS-Attacken oder auch die digitale Erpressung, u.a. mittels Trojaner, werden in der PKS nicht unter dem Begriff Cybercrime, sondern unter den allgemeinen PKS-Schlüsseln der einzelnen Tathandlungen erfasst. Delikte wie Computersabotage und Datenveränderung werden durch die Geschädigten oftmals gar nicht erkannt. Viele Cybercrime-Delikte, gerade im Unternehmensbereich, werden nicht anzeigt, um die eigene Reputation nicht zu beschädigen. Zudem bleibt eine große Anzahl der Straftaten aufgrund eingesetzter Schutzmechanismen, wie Virenscanner und Firewalls, im Versuchsstadium stecken und werden deshalb nicht erkannt bzw. nicht angezeigt.

Die Defizite der PKS werden noch deutlicher, wenn man weiß, dass beim überwiegenden Teil der Delikte die Täter im Ausland sitzen. Diese Taten erscheinen überhaupt nicht in der Polizeistatistik, obwohl sie zehntausende Opfer in Deutschland produziert haben. Die Bedrohungssituation für den Bürger wird noch deutlicher, wenn man berücksichtigt, dass das Dunkelfeld bei den Cybercrime-Straftaten bei rund 90% liegt.

Nur durch die Auswertung des kriminalpolizeilichen Meldedienstes, des polizeilichen Informationsaustausches auf nationaler und internationaler Ebene sowie der Analyse von öffentlich zugänglichen Quellen kann eine realistische Bewertung von Veränderungen im Bereich Cybercrime erfolgen.

Für Hamburg muss man leider konstatieren, dass die Polizei im Bereich Cybercrime immer noch schlecht aufgestellt ist, denn es fehlen bisher echte Konzepte zur Bekämpfung dieses umfangreichen Deliktsbereiches. Im Rahmen der noch laufenden Organisationsreform der Kriminalpolizei soll dieses Problem nun endlich adäquat angegangen werden. Hier reicht es aber nicht aus, schon vorhandene Dienststellen einfach zu einer gemeinsamen neuen zusammenzulegen. Zur zukunftsfähigen Bekämpfung des Cybercrime ist die Schaffung einer neuen Abteilung im LKA mit der nötigen materiellen Ausstattung und einzusetzender Manpower alternativlos. Dazu wird man auch zusätzliches externes Expertenwissen von Ingenieuren und IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt einkaufen und entsprechend bezahlen müssen. Die Zeiten des fortgebildeten Polizisten sind definitiv längst vorbei.

 

Quelle: BDK

 

 

 

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