„Polizei bald wie die S-Bahn?“ – Gespräch mit dem neuen Polizeipräsidenten

11. Februar 2013 | Themenbereich: Berlin, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Polizei bald wie die S-Bahn? – Diese Sorge schwebte mit im Raum als der BDK-Landesvorsitzende Michael Böhl und der stellvertretende Landesvorsitzende Marco Schmidt wenige Tage nach seiner Amtseinführung mit Polizeipräsident Klaus Kandt zu einem Kennenlerngespräch zusammentrafen. Das Beispiel der S-Bahn zeigt, wozu maßlose Sparvorgaben führen. Ähnlich wie bei der S-Bahn schon geschehen, steht die Polizei aufgrund immer weiterer Sparvorgaben kurz vor dem Kollaps. Es bleibt die Aufgabe sowohl der Behördenleitung als auch der Gewerkschaften/Berufsvertretungen der Politik und Öffentlichkeit aufzuzeigen, welche Auswirkungen es hat, wenn der Sparhahn überdreht wird.

Wenngleich die Einarbeitungszeit noch kurz war, hatte der Polizeipräsident schon einen guten Überblick über die offenen Baustellen in der Behörde. Diese zu schließen nannte er dann auch als seine vordringlichste Aufgabe. Er habe bei Amtsantritt keine Vorgaben vom Innensenator erhalten und auch keine eigene Agenda mitgebracht.

Zu den Baustellen gehört zunächst die Evaluation des Berliner Modells. Hier zeigte sich, dass Herr Kandt eine zentralisierte Vorgangsbearbeitung befürwortet. Der in manchen Bereichen geäußerten Befürchtung, diese könnte zum Sammelbecken für untüchtige Mitarbeiter gemacht werden, trat er energisch entgegen. Ziel sei es, mit weniger Mitarbeitern eine effizientere Vorgangsbearbeitung zu gewährleisten. Dazu bedürfe es geeigneter Mitarbeiter, die u.a. auch Außenermittlungen tätigen können müssten. Die BDK-Vertreter verdeutlichten an dieser Stelle das Leitbild des BDK, welches eine Kriminalitätssachbearbeitung nur durch dafür qualifizierte Mitarbeiter der Kriminalpolizei beinhaltet, dies nicht eines Standesdünkels wegen, sondern eben um eine effiziente Kriminalitätsbekämpfung nach kriminalistischer und kriminologischer Methodik zu erzielen.

Zum Thema Dienstzeiten bei VB I versuchten die BDK-Vertreter ein Stimmungsbild von der Basis vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung wiederzugeben. Insbesondere das aufgrund schlechter Erfahrungen verankerte Misstrauen gegenüber Vorschlägen aus der Behördenleitung wurde genannt. Hier gilt es auf allen Ebenen Vertrauen zurück zu gewinnen und gegenseitig einen kooperativen, ehrlichen Umgang miteinander zu pflegen.

Herr Kandt machte deutlich, dass er eine belastungsorientierte Dienstwahrnehmung angesichts der personellen Ressourcen für unabdingbar halte. Dies sei mit dem alten 12-h-Modell nicht machbar.

Der Umgang mit den politischen Vorgaben zum Verwaltungssparen wird wohl die undankbarste Aufgabe des neuen Polizeipräsidenten sein. Die BDK-Vertreter wiesen ihn u.a. auf die aus kriminalpolizeilicher Sicht fatalen Auswirkungen der in Diskussion befindlichen Schließung weiterer Gefangenensammelstellen hin.

Ein Lichtblick stellt die vom Polizeipräsidenten angedachte personelle Verstärkung der operativen Einheiten (FAO) u.a. zur Bekämpfung des Wohnraumeinbruchsdiebstahls dar.

Im Gespräch wurde deutlich, dass der neue Polizeipräsident aus seiner eigenen Berufs- und Lebenserfahrung heraus klare Vorstellungen hat, sich aber beratungsoffen und dialogbereit zeigt. Der BDK bedankt sich bei Herrn Kandt für diesen ersten Meinungsaustausch!

 

 

1 Kommentar
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  1. Zitat:“Es bleibt die Aufgabe sowohl der Behördenleitung als auch der Gewerkschaften/Berufsvertretungen der Politik und Öffentlichkeit aufzuzeigen, welche Auswirkungen es hat, wenn der Sparhahn überdreht wird.“

    … die Polizei kann die Ihnen gestellten Aufgaben nicht mehr erfüllen?
    -> Grundgesetzänderun -> Bundeswehreinsatz im Inneren = Innere Sicherheit wieder hergestellt!

    … eine einfache Rechnung!

    Dialog beendet!

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