Bilanz gewerblicher Güterverkehr: Mehr beanstandete Lkw, weniger Unfälle

11. Februar 2013 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Verkehr | Drucken

„Die Kontrollen im gewerblichen Güterverkehr zeigen Wirkung“, sagte Innenminister Reinhold Gall bei der Vorstellung der Unfall- und Kontrollbilanz des Jahres 2012 am Freitag, 8. Februar 2013, in Stuttgart. Die Spezialisten der Polizei würden dabei gezielt den technisch einwandfreien Zustand der Fahrzeuge, die ordnungsgemäße Ladung und die Lenk- und Ruhezeiten der Lkw-Fahrer überprüfen. „Wir wollen mehr Sicherheit und Wettbewerbsgerechtigkeit. Zu Unrecht erlangte Gewinne werden konsequent eingezogen“, so Gall.

Die Zahl der Lkw-Unfälle habe sich entgegen dem allgemeinen Trend der Verkehrsunfallentwicklung um 3,6 Prozent auf 14.620 Unfälle reduziert (2011: 15.166). 119 Personen seien tödlich (2011: 100, + 19,0 Prozent), 797 schwer (2011: 858, – 7,1 Prozent) und 3.281 leicht (2011: 3.439, – 4,6 Prozent) verletzt worden. Bedenklich sei die Verursacherquote der Lkw-Fahrer in Höhe von 64,6 Prozent. „Das bedeutet, dass 9.448 von den 14.620 Unfällen durch die Lkw-Fahrer verschuldet wurden“, sagte der Innenminister.

Die Hauptursachen bei Unfällen mit Verletzten seien zu geringer Sicherheitsabstand (Anteil 22 Prozent), Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren sowie überhöhte/nichtangepasste Geschwindigkeit (Anteil jeweils 17 Prozent) und Vorfahrtsverletzungen (Anteil 15 Prozent). „Dabei sind die Folgen bei Unfällen zwischen Lkw und Pkw aufgrund der Größe und Masse der Lkw gerade für die anderen Verkehrsteilnehmer meist verheerend“, sagte Gall.

Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall mit einem Lkw schwere Verletzungen zu erleiden, sei für die Insassen von kleineren Fahrzeugen wesentlich höher als für die Lkw-Fahrer selbst. Hier sprächen die Zahlen für sich, denn 16 getöteten Lkw-Insassen stünden 103 tödlich verletzte Verkehrsteilnehmer gegenüber. „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Diese Verantwortung darf von den Lkw-Fahrern bei ihren täglichen Fahrten nicht vergessen werden. Deshalb sollten sie, die Profis, entsprechende Umsicht und Vorsicht walten lassen und andere Verkehrsteilnehmer schützen“, so der Innenminister. Nichteinhalten der Lenk- und Ruhezeiten, zu viel oder unvorschriftsmäßige Ladung und Fahrzeuge mit technischen Mängeln wiesen eindeutig auf mangelndes Verantwortungsbewusstsein hin.

„Intensive Kontrollen sind unentbehrlich, wenn die schwarzen Schafe aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Dies gilt vor allem bei unvorschriftsmäßiger Ladung oder sogar überladenen Fahrzeugen, um Kosten zu sparen“, so Gall. Durch Überladung eines 40-Tonners um 20 Prozent könne beispielsweise jede sechste Fahrt eingespart werden. Dadurch würden nicht nur die Straßen übermäßig beansprucht, sondern auch der Wettbewerb verzerrt. Die Polizei habe im vergangenen Jahr 157.896 Fahrzeuge des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs kontrolliert und 65.572 beanstanden (41,53 Prozent) müssen (2011: 166.200 Kontrollierte, 68.741 = 41,4 Prozent Beanstandungen).

Die Strategie, zu Unrecht erlangte Gewinne konsequent abzuschöpfen, sei voll aufgegangen. 2012 seien 942 Verfallsverfahren gegen Spediteure beschieden und ein zu Unrecht erlangtes Vermögen in Höhe von 1,8 Millionen Euro eingezogen worden. „Diesen Weg werden wir weiter beschreiten. Änderungen zum Positiven lassen sich manchmal nur über den Geldbeutel erreichen“, sagte Gall. Hier werde auch die Strukturreform bei der Polizei weitere Fortschritte bringen. Das Wissen der Spezialisten werde künftig in den Verkehrspolizeidirektionen gebündelt. „Wir werden dadurch schlagkräftiger und besser aufgestellt sein. Klar ist, gezielte und intensive Kontrollen erhöhen die Verkehrssicherheit und sorgen für einen fairen Wettbewerb“, sagte Gall.

Weitere Informationen:

Die Polizei stellte insgesamt 71.016 Verstöße gegen arbeitszeitrechtliche Verstöße beim Fahrpersonal fest.

Bei der Überprüfung des technischen Zustandes wurden bei 17.143 Fahrzeugen zum Teil erhebliche Mängel festgestellt.

Gravierende arbeitszeitrechtliche Verstöße und technische Mängel führten in 4.369 Fällen vor Ort zur Untersagung der Weiterfahrt.

 

Quelle: Innenministerium Baden-Württemberg

 

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