Weltweit größter Fußball-Wettskandal zeigt „normale“ Kriminalität von heute

5. Februar 2013 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

„Das ist die typische Kriminalität von heute und nur ein Vorbote der Straftaten von morgen“, kommentiert der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz in einer ersten Reaktion die in der EUROPOL-Pressekonferenz zum Thema Fußball-Wettskandal dargestellten Wettbetrügereien.

Transnational agierende Netzwerke krimineller Täter und Geldwäsche mittels weltweiter Finanzströme gehören schon lange zur Normalität und führen die Ermittlungsbehörden regelmäßig in jeder Beziehung an ihre Grenzen. Die Ermittlungserfolge im Fall der Wettmanipulationen durch organisierte Tätergruppen waren nur möglich, weil es innerhalb Europas mittlerweile das Instrument der „Gemeinsamen Ermittlungsgruppen“ gibt, die grenzüberschreitende Ermittlungsmaßnahmen ermöglichen und sonst langwierige Rechtshilfeersuchen erheblich reduzieren.

„Ein Erfolgsmodell, das in diesem Fall durch die herausragenden Ermittlungserfolge von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft in Bochum bereichert wurde“, lobt André Schulz. Die Rahmenbedingungen zur Bekämpfung derartiger Straftaten in Deutschland sind nicht nur aufgrund der personellen Misere, der zu wenigen Kriminalisten schwierig.

So hat die Bundesregierung bis heute nicht den wichtigen Gesetzesvorstoß der bayerischen Justizministerin Merk aufgegriffen und ein Sportschutzgesetz verabschiedet. Bislang ist nämlich die eigentliche Spielmanipulation, d. h. die Bestechung von Spielern, Schiedsrichtern o. ä., in Deutschland nicht strafbar. Nur die übrigen Delikte, wie z. B. Betrugstaten im Zusammenhang mit den Manipulationen sind strafbewehrt.

„Durch die Verweigerung einer Gesetzesanpassung macht die Bundesregierung deutlich, dass sie offensichtlich lediglich das Vermögen der Wettanbieter für schutzwürdig hält, obgleich der lautere Wettkampf im Sport sowie die Vermögensinteressen aller übrigen Beteiligten ebenso mit den Mitteln des Strafrechts geschützt werden müssen“, sagt André Schulz. Bislang wurde eine Neuregelung vor allem von großen Sportverbänden abgelehnt. „Das Zitat des FIFA-Präsidenten Blatter, er löse Probleme lieber innerhalb der Familie, zeigt, welches Umdenken erforderlich ist“, so André Schulz, „öffentliche Aufklärung brauchen wir von denen weniger. Das Problem ist, dass man die Ermittlungsbehörden raushalten will“.

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