Weniger Tote und Verletzte auf Brandenburgs Straßen

1. Februar 2013 | Themenbereich: Brandenburg, Verkehr | Drucken

Bei Verkehrsunfällen auf Brandenburgs Straßen sind im vergangenen Jahr weniger Menschen zu Schaden gekommen. Die Zahl der Verkehrstoten sank um 21 von 187 (2011) auf 166, die der Verletzten verringerte sich leicht um 38 von 10.325 auf 10.287. Die Polizei registrierte mit insgesamt 80.654 Verkehrsunfällen in etwa so viel wie im Jahr 2011 (80.574).

Innenminister Dietmar Woidke und Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger sprachen bei ihrer heutigen gemeinsamen Bilanzpressekonferenz übereinstimmend von der erfreulichen Fortsetzung eines langjährigen Trends. Die Gefahr folgenschwerer Verkehrsunfälle habe in den vergangenen 20 Jahren auf den Straßen im Land deutlich abgenommen. 1992 waren in Brandenburg noch 876 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen und 19.359 verletzt worden. Es sei dank vieler positiver Einflussfaktoren gelungen, diese Zahlen in zwei Jahrzehnten um signifikante 81 bzw. 47 Prozent zu verringern. Die vorläufige Unfallstatistik des Vorjahres zeige jedoch, dass es neben Licht auch Schatten gibt. Für Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring bleibt deshalb der Einsatz für die Verkehrssicherheit ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit im Land.

 Zahl der Drängler und Raser nimmt nicht ab

Woidke mahnte beim Blick auf den Rückgang schwerer Unfälle zu einer realistischen Bewertung. „Hier zahlen sich vor allem der technische Fortschritt im Automobilbau, großzügige Verbesserungen der Infrastruktur und nicht zuletzt die Kontrolldichte der Polizei aus. Von erkennbar mehr Vernunft und Rücksicht und weniger Rasern und Dränglern im Straßenverkehr kann leider keine Rede sein“, betonte der Minister. Das zeige sich unter anderem darin, dass Geschwindigkeitsverstöße und Geschwindigkeitsunfälle nach wie vor das größte Problem für die Verkehrssicherheit seien. Allein 52 Menschen mussten im vergangenen Jahr sterben und 1.710 wurden verletzt, weil zu schnell gefahren wurde. Sorge machen in diesem Zusammenhang laut Woidke besonders Brandenburgs Autobahnen, wo es 2012 wegen zu hoher Geschwindigkeiten öfter und folgenschwerer krachte als im Jahr zuvor. Mit 1.208 Geschwindigkeitsunfällen (2011: 1.025), zwölf Toten (acht) und 380 Verletzten (339) gab es prozentual jeweils zweistellige Anstiege.

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Hier muss nach den Worten beider Minister gegengesteuert und wie auch an anderer Stelle das Maßnahme-Tempo für die Verkehrssicherheit erhöht werden. Dazu erklärte Vogelsänger:

„Wir freuen und über die insgesamt positive Entwicklung. Unser größtes Problem bleiben aber die Baumunfälle. Das Risiko, in Brandenburg bei einem Unfall mit einem Baum schwer verletzt zu werden oder sogar zu sterben, ist immer noch zu groß. Auch die Raserei auf den Autobahnen ist ein Problem. Ich werde prüfen lassen, ob zum Beispiel auf der A 13 zielgerichtet Überholverbote oder Tempolimits notwendig sind.“

Sowohl Vogelsänger als auch Woidke bekräftigten noch einmal die Notwendigkeit, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die unverändert große Unfalltragik der sogenannten Baumunfälle zu vermindern. „Wir sind hier noch nicht weitergekommen, die Zahlen sind alarmierend“, so Woidke eindringlich. Es gab 20 Baumunfälle mehr (1.983), die Zahl der Verletzten stieg um 134 an (1.066) und auch die Zahl der Toten bei Baumunfällen blieb mit 67 (68) sehr hoch. „Die Dramatik dieser Kollisionen auf den Landstraßen ist, dass nirgends sonst bei einem Unfall die Gefahr von Leid und Tragik so groß ist“, unterstrich der Minister. Zwar seien lediglich 2,5 aller Unfälle in Brandenburg ein Baumunfall, doch auf ihr Konto gingen allein über zehn Prozent aller Verletzten und sogar mehr als 40 Prozent aller Verkehrstoten im Land.

Woidke hob die Bedeutung einer ideenreichen Verkehrsprävention hervor, die mit einer wirkungsvollen Verkehrsüberwachung der Polizei einhergehe. Hier müssten Einsicht und Bereitschaft breiter werden. „Die Polizei wird bei der Verkehrsprävention auch künftig ein wichtiger Ansprechpartner sein. Um jedoch Schüler, Senioren, LKW-Fahrer und all die anderen Zielgruppen zu erreichen, brauchen wir in den jeweiligen Bereichen selbst Engagement und Ideen und sicher vielfach auch ein Umdenken, was den eigenen Beitrag betrifft“, sagte Woidke.

Einfluss sei besonders dort gefragt, wo Leichtsinn, Unvernunft oder aber auch Unwissen zur Unfallgefahr werden. Als Beispiele nannte Woidke die Unfälle, an denen LKW-Fahrer und Unfälle an denen Senioren beteiligt sind. In beiden Fällen wurden im vergangenen Jahr über 70 Prozent der Unfälle durch die Betreffenden selbst verursacht.

 Flächendeckende Kontrollen unverzichtbar

Für Brandenburgs Polizeipräsidenten bleiben flächendeckende Verkehrskontrollen unverzichtbar, wenn es um die Verkehrssicherheit geht. Hier werde man zulegen. „Wir haben eine moderne, effiziente Polizeiorganisation, die nach einem Jahr in neuer Struktur ihre ‚Einlaufphase’ hinter sich hat. Das zahlt sich immer mehr aus. Auch was die zielgerichtete, reibungslose Verkehrsüberwachung betrifft“, gab sich Feuring überzeugt. Er führte neben der notwendigen Ahndung von Geschwindigkeitsverstößen als Beispiel die unter Alkohol (1.248) und Drogen (76) verursachten Unfälle an, die um rund drei bzw. gut 24 Prozent zunahmen. Auffallend ist der Anstieg der Verletzten bei den Alkoholunfällen um 62 auf 620. Die entsprechenden Kontrollen sollen verstärkt werden.

Feuring nannte auf der heutigen Pressekonferenz auch aktuelle Unfallzahlen aus dem Januar, die angesichts schwieriger winterlicher Verhältnisse nachdrücklich zu mehr Vor- und Rücksicht mahnten. So kam es bis zum 31.01.2013 bereits zu 15 schwerwiegenden Unfällen mit 20 Toten. Dadurch starben bereits doppelt so viele Menschen auf unseren Straßen wie im Januar des Vorjahres.

„Diese Entwicklung zeigt uns sehr deutlich, dass flächendeckende Verkehrüberwachung begleitet von intensiver Verkehrsprävention unabdingbar ist. Dieser Aufgabe werden wir uns auch in diesem Jahr stellen. Jeder schwere Verkehrsunfall, der dadurch verhindert werden kann, fällt ins Gewicht. Ich erinnere hier auch an die Unfallfolgen und das Leid der Unfallopfer und ihrer Angehörigen“, betonte Feuring zum Abschluss der Pressekonferenz.

 

 

 

 

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