Senioren im Fadenkreuz der Kriminellen

15. Januar 2013 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Politik, Polizei, Gerichte und Gesellschaft sind am Zug „Die 85-jährige wird nicht nur um ihr Gespartes betrogen, sondern verliert darüber hinaus ihren Lebenswillen“, ist eine dramatische Erkenntnis des BDK-Bundesvorsitzenden André Schulz aus dem kriminalistischen Vortrag über das Phänomen des sog. „Enkeltrick“ bei den 7. Berliner Sicherheitsgesprächen des Bund Deutscher Kriminalbeamter.

Der „Enkeltrick“ geht relativ einfach. In einem emotional geführten Telefonat werden ältere Menschen dazu gebracht, das langjährig ersparte Geld an einen vermeintlich in Not geratenen Angehörigen auszuhändigen. Die überwiegende Meinung in der Bevölkerung ist, dass die Opfer dieser Betrügereien selbst schuld sind und man selbst niemals so betrogen werden könnte.

Die mediale Berichterstattung fördert diese Meinung, wenn sie von vereitelten Enkeltrick-Anbahnungen berichtet. Es wird damit suggeriert, wer sich richtig verhält, wird auch nicht Opfer von diesen Betrügereien.

„Eine absolute Fehleinschätzung des abgewehrten Betruges“, so der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz, „die zudem bei den Opfern Schuldgefühle erwachsen lassen, weil sie ja diesen Betrug nicht haben abwehren können“.

Zwischenzeitlich ist wissenschaftlich untersucht, dass man im gesegneten Seniorenalter nicht mehr über das bremsende „Bauchgefühl“ verfügt und man den Tätern so praktisch hilflos ausgeliefert ist. Die Opfer erzählen zudem in ihren Vernehmungen, dass sie von dem „Enkeltrick“ vorher gelesen und sich mit Angehörigen oder Freunden darüber unterhalten haben.

Die Prävention im herkömmlichen Sinne, Opfern Verhaltenshinweise zur Abwehr der Straftat zu geben, funktioniert also nicht. Es gilt Aufmerksamkeit im Umfeld der Seniorinnen und Senioren, angefangen beim Bankmitarbeiter bis zu dem Pflegepersonal einer Seniorenanlage, zu erzeugen, wenn der ältere Mensch „finanzielle Familienhilfe“ leisten will.

„Die Opfer dieser ganz perfiden kriminellen Vorgehensweise werden von Polizei, Justiz und meistens auch von den – wenn noch vorhanden – Familienmitgliedern allein gelassen“, fordert der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz die Entwicklung eines Problembewusstseins für diese besondere Form von Kriminalität gegen Senioren, die nach seiner Einschätzung eindeutig der organisierten Kriminalität zuzuordnen ist.

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