Tatortgruppe und Identifizierungskommission (IDKO) des BKA

28. Dezember 2012 | Themenbereich: Bundeskriminalamt, Bundespolizei | Drucken

Die Tatortgruppe des BKA besteht aus Entschärfern und weiteren Experten für Spreng- und Branddelikte sowie Spezialisten für allgemeine Tatortarbeit. Diese sichern mit modernsten Methoden beispielsweise Spuren wie Blut und Haare. Sie können aber auch durch spezielle Verfahren im Labor Fingerspuren auf Asservaten sichtbar machen.

Vor etwas mehr als 40 Jahren, im Mai 1972, erschütterten mehrere Sprengstoffanschläge Deutschland. Ziel dieser Anschläge der Baader-Meinhof-Gruppe war unter anderem das Hauptquartier der US-Army Frankfurt am Main, die Polizeidirektion Augsburg, das Landeskriminalamt München, das Axel-Springer-Verlagshaus in Hamburg und der damalige Bundesrichter Wolfgang Buddenberg in Karlsruhe. Als Reaktion auf die Anschläge der Baader-Meinhof-Gruppe, dem Vorläufer der Rote Armee Fraktion (RAF), richtete das BKA im gleichen Monat die „Sonderkommission Baader-Meinhof“ sowie die „Arbeitsgruppe Sprengstoff“ ein. Dies war die Geburtsstunde der Tatortgruppe im BKA.

Das erste Jahrzehnt der Tatortgruppe war geprägt von der Tatortarbeit nach weiteren Anschlägen der RAF sowie der Spurensicherung in konspirativen Wohnungen und RAF-Depots. Ab dem Jahr 2000 verlagerten sich die Ermittlungen besonders in den Bereich des islamistischen Terrorismus, zwischenzeitlich auch in den Bereich der rechtsextremistischen Kriminalität und des Rechtsterrorismus. So hat die Tatortgruppe des BKA unter anderem im Brandschutt der Zwickauer Wohnung des selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) Asservate gesichert und Spuren erhoben.

Die Entschärfer des BKA unterstützen bundesweit in Fällen, in denen unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen vorhanden sein könnten. Die Experten für Tatortarbeit nach Spreng- und Branddelikten werden bei Bränden und Explosionen hinzugezogen. Bekannte Ereignisse, bei denen sie vor Ort waren, waren beispielsweise der aus fremdenfeindlichen Motiven verübte Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus in Solingen im Jahr 1993, der Anschlag der Al Qaida auf eine Synagoge auf Djerba im Jahr 2002, der Brand in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar 2004 und die versuchten Sprengstoffanschläge auf Regionalzüge in Dortmund und Koblenz im Jahr 2006, bei denen Sprengmaterial in Trolley-Koffern versteckt worden war.

„Die Tatortgruppe ist eine wichtige Stütze polizeilicher Ermittlungsarbeit. Ein Tatort kann viel über Täter und Tatabläufe aussagen. Somit ist das gründliche Erheben von Spuren mit modernsten Mitteln und die professionelle Beweissicherung von großer Bedeutung für den Verlauf von Ermittlungen“, sagt BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Die IDKO

Zur IDKO gehören Beschäftigte aus allen Abteilungen des BKA sowie externe Mitglieder wie Rechts- und Zahnmediziner sowie Psychologen.

Das BKA richtete die IDKO nach einem Flugzeugabsturz in Teneriffa ein. Bei dem Absturz am 3. Dezember 1972 kamen 155 Passagiere ums Leben, zum Großteil Deutsche. Das BKA entsandte Spezialisten auf die Kanareninsel, um die Opfer zu identifizieren. Seitdem wurde die IDKO in 37 Schadenslagen eingesetzt. Bekannte Schadensfälle, bei denen die IDKO tätig wurde, sind beispielsweise der Flugzeugabsturz in Ramstein 1988, der Flugzeugabsturz in der Dominikanischen Republik 1996, das Zugunglück in Eschede 1998 und der Flugzeugzusammenstoß bei Überlingen im Jahr 2002. Die größte Bewährungsprobe der IDKO bisher war der 14 Monate dauernde Einsatz nach dem Tsunami am 26. Dezember 2004 in Südostasien.

„Durch die IDKO erhalten die Toten nach einem Unglück oder Anschlag ihre Namen zurück und die Angehörigen der Opfer erlangen Gewissheit. Die IDKO erfüllt somit eine sehr wichtige Aufgabe. Angesichts der oft schwierigen und belastenden Umstände verdient die Arbeit der IDKO höchsten Respekt“, sagt BKA-Präsident Jörg Ziercke.

 

 

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